BR Fernsehen - Kontrovers

Das Märchen von der Inklusion - Eine Bilanz nach 10 Jahren

Kontrovers - Die Story Das Märchen von der Inklusion - Eine Bilanz nach 10 Jahren

Kinder mit und ohne Behinderung lernen zusammen in einer Schule. Jeder Mensch kann überall dabei sein, am Arbeitsplatz, beim Wohnen oder in der Freizeit: Das ist Inklusion. Eine Idee, so schön wie ein Märchen.

Es herrscht große Uneinigkeit

2009 hat Deutschland hat die UN-Behindertenrechtskonvention unterschrieben. Einige Bundesländer haben die Inklusion in der Schule radikal umgesetzt. In Bremen beispielsweise besuchen jetzt über 80 Prozent aller Kinder mit Behinderung eine Schule zusammen mit Kindern ohne Behinderung. Doch ob das so märchenhaft ist, wie es klingt, darüber gibt es große Uneinigkeit.

Das Fernseh-Team trifft die zehnjährige Nike. Auf der Regelschule wurde das Mädchen mit Down-Syndrom von Mitschülern ausgegrenzt. "Nike kann jetzt prima Basketball spielen, denn das geht auch allein", sagt ihre Mutter. Sie schickte ihre Tochter lieber wieder auf eine private Förderschule.
Amelie ist 14 Jahre alt, lebt mit Down-Syndrom und besucht eine Gesamtschule. Sie fühlt sich wohl dort, will später Fotografin oder Tierwirtin werden. Das sollte möglich sein, denken auch Eltern, Mitschüler und Lehrer.

Auf dem Arbeitsmarkt hat sich kaum etwas getan

Doch selbst wenn die Inklusion an deutschen Schulen teilweise vorankommt, hat sich auf dem Arbeitsmarkt kaum etwas getan. Spätestens nach der zehnten Klasse endet, egal in welchem Bundesland, das inklusive Miteinander. Lukas möchte Lokführer werden. Der geistig behinderte 18-jährige war auf einer inklusiven Schule und doch bedeutet das Schulende für ihn: Endhaltestelle "Werkstatt für Menschen mit Behinderung". Ganze 67 Euro im Monat verdient er dort. Selbstbestimmt leben kann er davon nicht.

Unternehmen kaufen sich frei

Nur knapp ein Prozent beträgt die Vermittlungsquote von Menschen aus einer Werkstatt auf den Arbeitsmarkt. Zwar sind Unternehmen in Deutschland verpflichtet, eine Fünf-Prozent-Schwerbehindertenquote einzuhalten. Doch sie können sich freikaufen. Und über 60 Prozent der Unternehmen tun das auch. Eine höhere Strafabgabe lehnen Politik und Wirtschaft rigoros ab. Das gute Beispiel soll die Arbeitgeber überzeugen, künftig mehr Menschen mit Behinderung einzustellen. Doch in den letzten zehn Jahren hat das an den niedrigen Zahlen kaum etwas geändert.

"Die Story" wirft einen Blick auf die Inklusion in der Schule, im Arbeitsleben und im Alltag. Menschen mit Behinderung, Eltern, Lehrer, Arbeitgeber und Politiker zeichnen das Bild einer zerrissenen Republik. Ist die inklusive Gesellschaft ein unerreichbares Ideal? Oder braucht sie einfach noch mehr Zeit? Zehn Jahre Inklusion: eine ernüchternde Bestandsaufnahme. Ein Märchen - bislang ohne Happy End.

Ein Film von Hanna Möllers

Die Kontrovers-Story | Bild: BR zur Übersicht Die Story am 17. April Theo Waigel - der "Vater des Euro" wird 80

Kontrovers hat als erstes Zugang zu Theo Waigels Privatarchiv bekommen. Dabei ist unser Reporter auf bislang unveröffentlichtes Material gestoßen. Es erlaubt unerwartete Einblicke in das Leben des Politikers und Menschen Theo Waigel. Politische Wegbegleiter, aber auch frühere Widersacher des ehemaligen Bundesfinanzministers und CSU-Vorsitzenden kommen zu Wort. [mehr]

Kontrovers Nachgehakt | Bild: Bayerischer Rundfunk zur Übersicht Kontrovers nachgehakt Was wir bewegen konnten

Skandale, Aufreger, Ärgernisse. Woche für Woche berichtet Kontrovers: von Politik- und Wirtschaftsskandalen, von unseriösen Geschäftemachern, sogar von politischen Morden. Was wurde aus den Geschichten? Was konnten wir bewegen? [mehr]

Kontrovers "Nachschlag!" | Bild: BR zur Übersicht Nachschlag Was sonst noch geschah ...

Nicht nur die großen Geschichten sind es wert, erzählt zu werden. Manchmal sind es auch die am Rande. Über verirrte und verwirrte Politiker, erstaunliche Auftritte und unglaubliche Fehltritte. Unser Nachschlag mit den Highlights der Woche! [mehr]

Aus der Redaktion

Von links nach rechts: Verena Nierle, Andreas Bachmann, Pia Dangelmayer, Ingo Lierheimer, Wolfgang Kerler | Bild: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie zur Übersicht Ausgezeichnet Deutscher Wirtschaftsfilmpreis für Madeira-Recherche

Als bester Kurzfilm ist die Kontrovers-Story "Madeira-Steuerparadies mit Segen der EU-Kommission" von Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries mit dem Deutschen Wirtschaftsfilmpreis ausgezeichnet worden. Der Film geht auf eine gemeinsame Recherche von BR Data und BR Recherche in Zusammenarbeit mit report München und Kontrovers zurück. [mehr]

v. l. Axel Höpner (Handelsblatt/Laudator), Frederik Obermaier (SZ), Philipp Grüll (Kontrovers/report München), Jürgen Gros (Genossenschaftsverband Bayern) | Bild: Genossenschaftsverband Bayern / Thomas Straub zum Artikel Journalistenpreis der VR-Banken Auszeichnung für Bayern-Ei-Story

Kontrovers-Autor Philipp Grüll und sein SZ-Kollege Frederik Obermaier haben den "Hermann-Schulze-Delitzsch-Preis" für Verbraucherschutz für ihre Kontrovers-Story und ihre SZ-Artikelserie zum Thema "Bayern-Ei" erhalten. [mehr]

Frederik Obermaier, Laudatorin Katia Murmann und Philipp Grüll | Bild: Max Kratzer zum Artikel Dr. Georg Schreiber Medienpreis Auszeichnung für Philipp Grüll

Für die Kontrovers-Artikelserie zum Thema Bayern-Ei erhielten Philipp Grüll und sein SZ-Kollege Frederik Obermaier jetzt den Dr. Georg Schreiber Medienpreis, den AOK und Deutsche Journalistenschule verliehen haben. [mehr]