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Die Kontrovers Story

Bomben gegen Rom: Bayern und der "Freiheitskampf" in Südtirol

Südtirol: Vor 60 Jahren erschüttert eine Serie von  Sprengstoffanschlägen die Provinz. Im Kampf um mehr Selbstbestimmung schrecken "Freiheitskämpfer" - so nennen sie sich selbst - auch vor Gewalt nicht zurück. Es gibt Tote. Bis heute weitgehend unbekannt: Die Attentäter hatten Hilfe aus Bayern.

Siegfried Steger

Der Südtiroler Siegfried Steger war als junger Mann an zahlreichen Anschlägen in Südtirol beteiligt. Der 79Jährige sagt in der Kontrovers-Story, Bayern sei Rückzugsort für die Aktivisten gewesen, von dort kam finanzielle Hilfe - aber auch Waffen und Sprengstoff. In Italien wurde Steger in Abwesenheit zu zwei Mal lebenslänglich verurteilt, bis heute darf er nicht zurück in die alte Heimat. In der Kontrovers-Story erzählt er von seiner Zeit im Untergrund und wie er nach Bayern kam. Er gehört zu den "Pusterer Buam". So nannte man eine Gruppe von Attentätern aus dem Pustertal, die in Italien jahrelang steckbrieflich gesucht wurde. Trotzdem bekam Steger in Bayern sofort Papiere und arbeitete bis zur Rente in einer Metzgerei am Starnberger See.

Heinrich Oberleiter

"Wir fühlten uns rechtlos und unterdrückt. Das war eine sehr schlimme Zeit", sagt ein anderer "Pusterer", Heinrich Oberleiter. Deshalb schloss er sich Ende der 50 Jahre dem gewaltsamen Widerstand an. Das Südtirol dieser Zeit war geprägt von der "Italienisierung". Italiener aus dem Süden wurden mit Arbeitsplätzen und Wohnungen gelockt. Viele deutschsprachigen Südtiroler - vor allem junge Männer - wanderten ab. Nach der sogenannten Feuernacht am 11. Juni 1961 - damals wurden 37 Strommasten gesprengt, um das Industriegebiet in Bozen lahm zu legen - musste auch er in den Untergrund. Heute lebt er in Unterfranken.

Herlinde Molling

Einblicke in die Planung und Logistik dieser Feuernacht gibt Herlinde Molling. Sie war im "Befreiungsausschuss Südtirol" aktiv, transportierte Sprengstoff, baute Sprengsätze - und besorgte Material in München. Dort hatten sie und ihr Mann einen zweiten Wohnsitz. "Mir ging es nur um Gerechtigkeit, nicht um Volkstum." Herlinde Molling ist Österreicherin, lebt bis heute in Innsbruck. Die Teilung Tirols wurde in Österreich von vielen Menschen als willkürlich und ungerecht empfunden. Herlinde Molling spricht in der Kontrovers-Story aber auch offen darüber, wie im Laufe der Zeit extrem rechte Kreise - auch aus Deutschland - versuchten, den Widerstand in Südtirol für eigene Zwecke zu nutzen und immer mehr Einfluss gewannen. Sie selbst geriet nie ins Visier der Behörden, spricht erst seit wenigen Jahren öffentlich über diese Bombenjahre. Als sich Ende der 60er Jahre eine politische Lösung für die Autonomie Südtirols abzeichnete, stellte sie ihre Aktivitäten ein.

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