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Ein Jahr Corona-Pandemie und kein Ende.

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Corona-Pandemie: Wie ein Virus die Welt verändert hat

Das Jahr 2020 begann mit Gerüchten über eine "mysteriöse Lungenkrankheit" aus China. Am 27. Januar wird die erste Covid-19-Infektion in Deutschland bestätigt - bei Webasto in Bayern. Auch nach einem Jahr ist ein Ende der Pandemie nicht abzusehen.

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Von
  • Yvonne Maier

Am 30. Dezember informiert ein chinesischer Augenarzt erstmals offiziell die Behörden in Wuhan über ein Virus, das eine neuartige Lungenkrankheit hervorruft. Die Erkrankungen stehen offenbar in Zusammenhang mit einem Wildtiermarkt in Wuhan. Die WHO erfährt einen Tag später von der Krankheit, laut eigenen Angaben aus den Medien. Vier Tage später geht sie mit der Information an die Weltöffentlichkeit.

Erst Monate später gibt es Hinweise darauf, dass das Virus schon viel länger, vielleicht schon seit Sommer 2019 in China umgegangen ist. Es könnte sich schon im Herbst unerkannt in Europa verteilt haben.

Januar 2020 – Die Corona-Lage ist ruhig

Innerhalb weniger Wochen breitet sich das Coronavirus über die ganze Welt aus, viele einzelne Fälle werden gezählt. Am 24. Januar erreicht das Virus Europa, drei Fälle aus Frankreich werden bekannt. Bayern schätzt zu diesem Zeitpunkt die Gefahr einer Ansteckung mit dem Coronavirus als "gering" ein. Doch drei Tage später schon: Der erste Corona-Fall in Deutschland, und zwar in Bayern, am 27. Januar. Während eines Meetings hat sich ein Mitarbeiter des Autozulieferers Webasto bei einer chinesischen Kollegin angesteckt. Er wird isoliert, im Krankenhaus bleibt er zwei Wochen, dann wird er gesund entlassen. Der erste Fall von Covid-19 ist ein Medienereignis in Deutschland.

Februar 2020 – Das Virus bekommt einen Namen

Die WHO ist zunehmend besorgt darüber, wie schnell und weiträumig sich das Virus auf der Welt ausbreitet. Am 11. Februar bekommt es seinen Namen: SARS-CoV-2, dabei steht SARS für "Severe Acute Respiratory Syndrome", zu Deutsch: Schweres Akutes Atemwegssyndrom. Die Krankheit: Covid-19, Corona-Virus-Disease 2019, Coronaviruskrankheit.

Das Robert Koch-Institut sieht in Deutschland das Risiko, sich mit dem neuen Virus anzustecken, weiter als gering an. Bislang sind nur 16 Menschen infiziert und isoliert. In Frankreich stirbt währenddessen der erste Europäer an Covid-19 und Bergamo in Italien entwickelt sich zum Corona-Hotspot. Am 23. Februar riegelt die italienische Regierung die Städte im Norden ab. Auch Deutschland bekommt seinen ersten Hotspot: Nach einer Karnevalsfeier infizieren sich im nordrhein-westfälischen Heinsberg ab dem 27. Februar zahlreiche Menschen. Jetzt zählt die Johns-Hopkins-Universität schon 27 Coronafälle in Deutschland.

Eine gute Nachricht gibt es aus der Forschung. Weltweit werden Ressourcen gebündelt, die Medikamenten- und Impfstoffforschung läuft intensiv an, auch in Deutschland und Bayern.

März 2020 – Langsam wird es brenzlig

In Deutschland stirbt am 9. März der erste Mensch an Covid-19, er stammt aus dem Corona-Hotspot Heinsberg. Mittlerweile sind 1.000 Menschen in Deutschland positiv auf das Virus getestet worden. Die Ausbreitung geht immer schneller. Das liegt auch an sogenannten "Superspreading"-Events, bekannt geworden durch die Skiurlauber im österreichischen Ischgl.

Später können Datenexperten nachweisen, dass tausende Urlauberinnen und Urlauber in den Tagen und Wochen danach das Virus in ganz Europa weiter verbreitet haben. Bayern bleibt deutschlandweit ein Hotspot, wahrscheinlich auch durch die Nähe zu Österreich.

Am 11. März erklärt die WHO die Epidemie zur weltweiten Pandemie. Veranstaltungen werden in Deutschland abgesagt, Schulen und Kitas geschlossen. Am 22. März tritt das bundesweite Kontaktverbot in Kraft, auch Shutdown oder Lockdown genannt. So soll die Ausbreitung des Virus verlangsamt werden, damit Krankenhäuser und Gesundheitsämter nicht überlastet werden, Risikogruppen werden geschützt. Bis Ende April dauert der Lockdown, er ist erfolgreich. Doch die soziale Distanz wirkt sich auch auf das psychische Wohlbefinden der Menschen aus.

April 2020 – Masken in Deutschland

Zu Beginn der Pandemie hatten Expertinnen und Experten gedacht, dass sich der SARS-CoV-2-Erreger vor allem über Oberflächen und große Speichelpartikel verbreiten würde. Händewaschen und 1,5 Meter Abstand halten schienen als wichtiges Mittel, die Ausbreitung aufzuhalten. Mittlerweile wird klar, dass kleinste Partikel, die beim Ausatmen, Sprechen oder Singen entstehen, und die zum Teil über Stunden in der Luft schweben können, die eigentlichen Treiber der Pandemie sind: Aerosole. Am 20. April tritt darum in Deutschland eine Maskenpflicht in Kraft, die unter anderem verhindern soll, dass sich solche Aerosole bilden. Darüber hinaus wird über regelmäßiges Lüften in geschlossenen Räumen diskutiert.

Mai 2020 – Die ersten Medikamente werden zugelassen

Die Behandlung von Covid-19 ist für die Ärztinnen und Ärzte vor allem deshalb eine Herausforderung, weil es keine Medikamente gibt, die gezielt den SARS-CoV-2-Erreger angreifen. So können sie nur die Symptome der Kranken behandeln und hoffen, dass das Immunsystem von selbst mit dem Virus fertig wird. Am 1. Mai scheint sich das zu ändern: Das Ebola-Medikament Remdesivir erhält in den USA die Zulassung. Bis zum Ende des Jahres aber ist immer noch nicht klar, ob es den Krankheitsverlauf von Covid-19 tatsächlich positiv beeinflussen kann und falls ja, zu welchem Zeitpunkt es am sinnvollsten eingesetzt werden sollte.

Darüber hinaus lernen die Forscherinnen und Forscher immer mehr über das Krankheitsbild und wie das Immunsystem mit dem Virus kämpft. Das, was als „mysteriöse Lungenkrankheit“ begonnen hat, scheint noch viel mehr Organe anzugreifen und verursacht Entzündungen im ganzen Körper. Die Niere, das Herz, die Leber und das Gehirn können betroffen sein. Darüber hinaus behalten viele mit Langzeitfolgen bei, die in Sozialen Medien unter dem Hashtag #LongCovid zusammengefasst werden.

Juni 2020 – Schwelende Ausbreitung über den Sommer

Ein weiteres vielversprechendes Medikament fällt in der Forschung durch: Hydroxychloroquin erfüllt die Erwartungen nicht. Es soll nicht bei der Behandlung von Kranken verwendet werden, so die WHO.

Im Sommer scheinen viele Menschen in Deutschland eine Pause von Corona zu suchen, die europäischen Nachbarländer dürfen im Urlaub besucht werden, man trifft sich draußen. Dennoch breitet sich das Virus schwelend weiter aus. Lokal kommt es sogar zu größeren Ereignissen, zum Beispiel in Schlachthöfen oder bei Saisonarbeiterinnen und Saisonarbeitern.

Mittlerweile sind weltweit 10 Millionen Menschen positiv auf das Coronavirus getestet worden, fast eine halbe Million ist daran gestorben.

Juli 2020 – Vielversprechende Impfstoffkandidaten

Eines zeigt die Corona-Pandemie: Wenn die Weltgemeinschaft es will und entsprechend viel Geld und Ressourcen bereitstellt, kann die Impfstoffforschung erstaunlich schnell vorangehen. Normalerweise dauert es Jahre, bis ein Impfstoffkandidat in die ersten Tests am Menschen geht. Jetzt, rund 7 Monate nach Beginn der Pandemie, können zwei Unternehmen schon erfolgreiche Ergebnisse präsentieren, die Hoffnung machen.

Währenddessen steigen die Zahlen in Deutschland wieder an. Auch wenn es sich für viele im Sommer nicht so angefühlt hat, die Pandemie ist noch lange nicht vorbei. Und es wird sich erst noch zeigen, ob die Freiheit und Leichtigkeit des Sommers nicht mit Krankheit und Tod im Herbst und Winter bezahlt werden muss.

August 2020 – Zahlen wie im Frühjahr

In Russland wurde ein eigener Impfstoff entwickelt – ab dem 11. August wird er im ganzen Land verimpft. Expertinnen und Experten im Ausland sind skeptisch, ob er wirklich sicher ist.

Die Ausbreitung des Coronavirus geht derweil weiter, weltweit und auch in Deutschland. Am 27. August zählt das Robert Koch-Institut wieder hohe Fallzahlen, die Situation sei mit dem Frühjahr vergleichbar.

September 2020 – Ansteckungen bereiten Sorgen

Die Zahlen in Deutschland steigen weiter, am 18. September überschreitet die Stadt München als erste deutsche Millionenstadt die Marke von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von 7 Tagen. Je mehr Menschen positiv getestet werden, desto schwerer tun sich die Gesundheitsämter mit der Kontaktnachverfolgung. Auch in den bayerischen Landkreisen werden es immer mehr Erkrankte.

Am 26. September melden die Gesundheitsämter 2.300 Coronafälle an einem Tag, so viel gab es zuletzt Ende April. Die "zweite Welle" hat begonnen, für viele früher als erwartet.

Oktober 2020 – Die Schulen bleiben diesmal offen

Im Frühjahr waren die Schulen und Kitas wochenlang geschlossen, es wurde mehr oder weniger erfolgreich von zu Hause aus unterrichtet. Das soll jetzt im neuen Schuljahr anders werden. Um das Ansteckungsrisiko in Klassenräumen zu verringern, soll häufig gelüftet werden, auch in den Wintermonaten. Der Deutsche Philologenverband rät den Jugendlichen, sich warm einzukleiden.

Am 18. Oktober zählt die Johns-Hopkins-Universität weltweit mehr als 40 Millionen Covid-19-Fälle weltweit, mehr als 1,1 Millionen sind im Zusammenhang mit SARS-CoV-2 gestorben. In Deutschland zählt das RKI vier Tage später erstmals mehr als 20.000 Neuinfektionen, in Europa werden über 250.000 Tote gezählt.

November 2020 – Teil-Lockdown und Impfstoffe

Deutschland befindet sich seit dem 2. November im Teil-Lockdown, oder "Lockdown-Light". Wichtigstes Ziel: Die Schulen und Kitas sollen offen bleiben. Dennoch werden im November rund 300.000 Schülerinnen und Schüler wegen Corona wochenweise in Quarantäne gehen.

Am 9. November kommen gute Nachrichten: Der mRNA-Impfstoff von Biontech/Pfizer aus Deutschland ist laut Unternehmen zu über 90 Prozent wirksam. Am 16. November kann auch der US-Konzern Moderna einen Erfolg verkünden. Sein mRNA-Impfstoff sei ähnlich wirksam. Und am 23. November steht fest, auch der Impfstoff aus Großbritannien, von AstraZeneca, hilft. Er ist ein Vektorimpfstoff.

Am 30. November beantragen Biontech/Pfizer und Moderna die Zulassung in der EU. Bis Ende Dezember könnte die vorliegen.

Dezember 2020 – Erste Impfungen in Großbritannien

Großbritannien gelingt der Coup: Das Land lässt den Impfstoff vom deutschen Unternehmen Biontech/Pfizer weltweit als erstes zu. Am 8. Dezember beginnt die größte Impfkampagne in der Geschichte der Insel, eine 90-jährige Frau ist die erste, die geimpft wird.

Derweil empfiehlt die Bundesregierung den Bürgerinnen und Bürgern eine freiwillige Quarantäne bevor man auf Familienbesuch über Weihnachten fährt. Und Deutschland plant einen "harten Lockdown" für die Zeit nach Weihnachten bis mindestens 10. Januar. Denn die Zahlen steigen weiter an. Am 9. Dezember meldet das RKI eine neue Höchstzahl an Toten durch Covid-19: 590 Menschen sind innerhalb eines Tages gestorben, so viele wie nie zuvor.

Januar 2021 – Mutationen machen sich breit

Im Januar beginnt das Aufatmen: Seit Ende Dezember ist der Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer in Europa zugelassen. Anfang Januar erfolgt auch die Zulassung für den Impfstoff des US-Unternehmens Moderna. Ab sofort können die beiden neuartigen mRNA-Impfstoffe in den Impfzentren verimpft werden - wenn genügend Impfdosen zur Verfügung stehen.

Kaum macht sich aufgrund des Impfstarts Erleichterung in der Politik und der Bevölkerung breit, gibt es einen neuen Rückschlag: Das Coronavius mutiert, was an sich nichts Ungewöhnliches wäre. Aber es gibt mindestens zwei Varianten, die den Wissenschaftlern Sorgen bereiten: die britische und die südafrikanische Variante des SARS-CoV-2-Virus. Sie sind auf jeden Fall ansteckender, ob sie auch gefährlicher sind, bleibt abzuwarten.

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Nicht jeder, der sich mit dem Coronavirus infiziert, zeigt Symptome. Doch in manchen Fällen geht Covid-19 auch weit über eine Atemwegserkrankung hinaus. Das Virus richtet in einigen Fällen gravierende Schäden im Körper an.

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