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Mutationen haben das Coronavirus anscheinend ansteckender und damit gefährlicher gemacht.

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    Neue Coronavirus-Mutationen: Das macht sie gefährlich

    In immer mehr Ländern werden die in Großbritannien und Südafrika entdeckten Mutationen des Coronavirus nachgewiesen. Anscheinend sind sie ansteckender und breiten sich so rascher aus. Das könnte noch stärkere Kontaktbeschränkungen notwendig machen.

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    Von
    • Yvonne Maier
    • Jan-Claudius Hanika

    Ende Dezember kamen die ersten Nachrichten über neue Mutationen des Coronavirus, zunächst aus Großbritannien, dann aus Südafrika: Der SARS-CoV-2-Erreger sei mutiert und zwar in eine Variante, die sich anscheinend schneller überträgt. Viele Länder der Welt schlossen daraufhin ihre Grenzen zur Insel, um die Ausbreitung zu verhindern. Doch inzwischen sind die neuen Varianten schon auf fast allen Erdteilen aufgetaucht. Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO wurde die Mutation aus Großbritannien inzwischen in mehr als 50 Ländern nachgewiesen, die Mutation aus Südafrika in 20 Ländern.

    Neue Variante ist ansteckender

    Die Mutation aus Großbritannien trägt die Bezeichnungen "B 1.1.7" und "501Y.V1". Allem Anschein nach ist sie deutlich ansteckender als die Variante, die bisher weltweit vorherrscht. Der sogenannte R-Wert ist um 0,4 bis 0,7 erhöht, zeigt eine Studie des Imperial College London. Das klingt nach wenig, bedeutet aber, dass das Virus damit um rund 50 Prozent ansteckender wäre. Sollte das tatsächlich so sein, dass sich die Mutation flächendeckend durchsetzt, würde die Pandemie wieder Fahrt aufnehmen. In diesem Fall müssten die Maßnahmen zur Kontaktbeschränkung nochmals verschärft werden, um eine Explosion der Infektionszahlen zu verhindern. Wenn aber mehr Menschen in kürzerer Zeit an Covid-19 erkranken, gibt es zwangsläufig mehr schwere Krankheitsverläufe, Todesfälle und überfüllte Krankenhäuser, wie dies derzeit in Großbritannien der Fall ist.

    Zweite Virus-Variante in Südafrika

    Auch in Südafrika ist eine neue, ansteckende Variante aufgetaucht. Sie wird "501Y.V2" genannt, weil sie in ihrem Erbmaterial an derselben Stelle eine Veränderung hat, wie die Variante, die zunächst in Großbritannien aufgetaucht ist. V1 und V2 stehen dabei für "Variante 1" und "Variante 2". Die beiden Mutationen sind wohl unabhängig voneinander entstanden.

    "Ich gehe davon aus, dass die britische Variante 501Y.V1 ansteckender ist. Zur südafrikanischen Variante 501Y.V2 haben wir weniger Informationen, doch der Anstieg an Fällen in Südafrika ist beunruhigend und ich denke, es ist wichtig, dass wir diese Variante genau beobachten." Dr. Emma Hodcroft, Molekularepidemiologin, Universität Bern

    Mutationen bei Viren ganz normal

    Dass sich Viren im Laufe der Zeit genetisch verändern, ist nicht neu. Coronaviren tun das besonders erfolgreich. Seit Beginn der Pandemie haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler schon über 12.000 verschiedene Varianten des Coronavirus SARS-CoV-2 gezählt. Normalerweise mutiert das SARS-CoV-2-Virus allerdings etwa zweimal pro Monat. Die britische Virusvariante hat jedoch 17 Mutationen. Welche davon eine Bedeutung für die höhere Infektiösität haben könnten, ist noch unbekannt. Auch die Kombination von einzelnen Mutationen könnte sich darauf auswirken, wie ansteckend das Virus ist.

    Neue Variante hat verändertes Spike-Protein

    Die Variante B 1.1.7 oder 501Y.V1, die Großbritannien am 14. Dezember 2020 gemeldet hat, ist anscheinend deutlich ansteckender als andere Mutationen. Sie hat sich seit dem Herbst vor allem im Süden Englands durchgesetzt, so die WHO. Einige Veränderungen in ihrer RNA, ihrer Erbinformation, betreffen auch das sogenannte Spike-Protein. Der Name 501Y bezieht sich auf die Stelle in der RNA, an der die Mutation aufgetreten ist. Mit Hilfe dieser Struktur an seiner Oberfläche kann das Virus sich an menschliche Körperzellen binden und in diese eindringen. Dieses Spike-Protein ist daher auch das Ziel vieler Impfstoffe.

    Längerer Weg zur Herdenimmunität

    Ansteckendere Virusvarianten breiten sich aber nicht nur schneller aus. Bei höheren Ansteckungsraten dauert es auch länger, bis die sogenannte Herdenimmunität durch Impfungen erreicht ist. Die zwei Coronavirus-Varianten an sich sind nicht gefährlicher oder tödlicher als diejenige, die derzeit in Europa vorherrscht. Das gilt allerdings nur für den Einzelnen. Wenn sich das Virus in der neuen Variante schneller und weiter ausbreitet, gibt es deutlich mehr schwere Krankheitsverläufe und damit auch mehr Covid-19-Tote.

    Biontech/Pfizer-Impfstoff trotzdem sicher

    Die Veränderungen im Erbmaterial der beiden Mutationen betreffen auch das Spike-Protein, die Oberflächenstruktur, auf die der Impfstoff abzielt. Daher war zunächst fraglich, ob Impfstoffe gegen die neuen Varianten 501Y.V1 und V2 genauso gut wirken wie gegen die bisherige Virusvariante.

    Eine Studie von Pfizer und der Universität Texas bestätigte jedoch, dass der von Biontech und Pfizer entwickelte Impfstoff auch gegen die neuen Mutationen wirksam ist. In der Laborstudie wurden 16 Mutationen untersucht, darunter auch "N501Y" - das ist die Mutation, die maßgeblich dafür verantwortlich ist, dass sich die beiden Varianten in Großbritannien und Südafrika so schnell ausbreiten konnten.

    Dabei haben die Forscher Blutproben von 20 Personen genommen, die das Vakzin von Biontech/Pfizer bekommen haben. In einer Petrischale wurden die Proben mit dem Virus konfrontiert, die Antikörper konnten es erfolgreich abwehren. Sowohl bei der herkömmlichen Virus-Variante, als auch bei der mit Mutation.

    Allerdings gibt es bei der südafrikanischen Variante noch eine zusätzliche Mutation. Diese wurde bisher noch nicht von Pfizer untersucht, ist laut dem Unternehmen aber als nächstes dran.

    Viele Infizierte erhöhen das Risiko für neue Varianten

    Und das heißt: weiterhin Abstand halten, Maske tragen und so wenig enge Kontakte wie möglich pflegen. Das hilft auch, viele weitere Mutationen und Virus-Varianten zu verhindern. Denn je mehr Menschen mit SARS-CoV-2 infiziert sind, desto höher das Risiko, dass sich wieder eine neue Variante entwickelt, bevor Impfungen für eine Herdenimmunität sorgen können.