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Corona-Pandemie SARS-Cov-2 und unsere Immunabwehr

Zwischen unserer Gesundheit und SARS-CoV-2 steht nichts anderes als unser Immunsystem. Es gibt bislang kein Medikament, das Covid-19 heilen kann. Was passiert, wenn das Coronavirus und unsere Abwehr aufeinander treffen? Und wie lange ist man nach einer Erkrankung immun?

Stand: 14.05.2021

3D-Illustration: Coronavirus  | Bild: picture-alliance/dpa

Seit Anfang 2020 stecken sich weltweit Menschen mit dem SARS-CoV-2-Erreger an. Es ist ein unbekannter Erreger, niemand auf der Erde hatte bis dahin eine Immunität - wir sind ihm bisher einfach noch nicht begegnet. Vor welche Herausforderungen das Virus unser Immunsystem stellt, wird erst in den letzten Wochen und Monaten klar.

Kann man sich zweimal mit dem Coronavirus anstecken?

In der Regel verläuft eine Infektion mit einem Erreger so ab, dass unser Körper eine Immunität dagegen erwirbt. Dazu ist das Immunsystem da. Wichtig für die langanhaltende Immunität sind Antikörper und Gedächtniszellen. Wie das abläuft, zeigt das Video.

Doch bei einer Covid-19-Erkrankung ist nicht ganz klar, wie lange das Immungedächtnis nun andauert. Es gibt zahlreiche größere und kleinere Studien und Untersuchungen. Wenn die Immunität nur kurz andauert, könnte das bedeuten, dass man sich mehrmals mit dem Virus anstecken könnte oder dass ein Impfschutz gegen das Coronavirus nicht lang anhält.

Im Januar 2021 zeigte eine Studie, die im Fachblatt Science veröffentlicht wurde, dass die Immunität nach durchgemachter Krankheit mindestens acht Monate anhält.

Wie lange bleiben Antikörper im Körper?

Ein wichtiger Faktor bei der langanhaltenden Immunität sind die Antikörper (Fachbegriff: "Immunglobuline"). Sie werden innerhalb von Tagen und Wochen gebildet und ein Teil von ihnen kann im besten Fall lebenslang erhalten bleiben. Wenn der Erreger wieder in unseren Blutkreislauf eindringt, sind wir gewappnet.

Antikörper docken an Erreger an

Wie lang halten sich die Antikörper bei Covid-19? Dazu gibt es verschiedene Erkenntnisse. Einerseits scheinen die Antikörper bei schweren Krankheitsverläufen in großer Zahl und vor allem langanhaltend aufzutreten. Das kennt man auch von verwandten Coronaviren, wie SARS und MERS. Andere Studien zeigen aber das Gegenteil, sie sehen einen Rückgang innerhalb von wenigen Monaten.

Eine Studie vom November 2020 dagegen konnte zeigen, dass eine bestimmte Form von Antikörpern, neutralisierende Antikörper, mindestens sechs Monate im Körper verbleibt. Eine Studie vom Mai 2021 fand auch noch zehn Monate nach Erkrankung bei mehr als drei Viertel der Erkrankten neutralisierende Antikörper. Und je schwerer die Erkrankung an Covid-19 verlief, umso mehr Antikörper waren auch nach dieser langen Zeit noch zu finden.

Neutralisierende Antikörper sind besonders wichtig in der Immunantwort. Sie "markieren" das Coronavirus nicht nur, sondern besetzen das sogenannte "Spike-Protein", das das Virus benutzt, um Körperzellen zu befallen. So wird die Infektion schneller gestoppt.

Immunsystem reagiert ungewöhnlich

Manche Phänomene können sich Forscherinnen und Forscher bislang aber nicht erklären: Bei manchen Erkrankten, die eine starke Erstinfektion hatten, waren die Antikörper ineffektiv. Woher das kommt, ist unbekannt, aber für die erfolgreiche Immunreaktion wäre das ein Problem.

T-Killerzellen bekämpfen das Coronavirus

Cytotoxische Zellen sind Teil der Immunabwehr

Während einer Infektion bekämpfen sogenannte "cytotoxische T-Zellen" (umgangssprachlich: "T-Killerzellen") das Virus, wenn es schon Körperzellen befallen hat. Die T-Zellen zerstören die Körperzellen, damit sich das Virus nicht weiter ausbreiten kann.

Bei Covid-19-Erkrankten haben Forscherinnen und Forscher eine bemerkenswerte Immunreaktion festgestellt. Dabei haben sie bei mittlerweile gesunden Menschen zwar keine Antikörper mehr im Blut gegen SARS-CoV-2 gefunden, aber sehr wirksame cytotoxische T-Zellen.

Gedächtniszellen nach Covid-19-Erkrankung

Langanhaltende Immunität durch Gedächtniszellen.

Der zweite wichtige Teil der Immunreaktion beinhaltet die Gedächtniszellen. Das betrifft sowohl B- als auch T-Zellen. Nach einer Infektion bildet der Körper von beiden Zellformen langlebige Varianten, die die Information über den Erreger wie etwa SARS-CoV-2 in sich tragen. Bei einer neuerlichen Infektion können sie innerhalb eines Tages die Immunreaktion starten, und die B-Zellen produzieren dann zum Beispiel Antikörper. Bei der ersten Infektion dauert dieser Prozess dagegen noch Tage oder Wochen.

Auf diese Weise kann das Virus schnell bekämpft werden, man wird nicht einmal mehr krank. Auch bei SARS-Cov-2 scheint das so zu sein, vermuten Forscherinnen und Forscher. Sie konnten zeigen, dass Erkrankte sowohl B- als auch T-Gedächtniszellen bilden, die lange, über Monate, im Körper verbleiben.

Impfung beruht auf Immunsystem

Für eine spätere Impfung gegen das Coronavirus sind sowohl die Antikörper als auch die Gedächtniszellen entscheidend. Die Impfung muss eine Immunreaktion auslösen, die dazu führt, dass zunächst Antikörper gebildet werden, am besten neutralisierende Antikörper.

Im zweiten Schritt sollten auch noch Gedächtniszellen angelegt werden, damit das Immunsystem auf weitere Infektionen mit dem nun bekannten Virus vorbereitet ist.

Covid-19-Erkrankte könnten von der Impfung profitieren

Es kann sich sogar lohnen, sich gegen den SARS-CoV-2-Erreger impfen zu lassen, wenn man schon infiziert gewesen ist, sagen Expertinnen und Experten. Zum Beispiel nach einem milden Verlauf, wenn man befürchtet, dass die natürliche Immunreaktion nur schwach abgelaufen ist. Dann könnte die Impfung einen "Booster"-Effekt haben und die Immunität sicherstellen.


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