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Doch, Corona überträgt sich auch über Aerosole | BR24

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Ein BR24-User-Kommentar - der #Faktenfuchs prüft

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    Doch, Corona überträgt sich auch über Aerosole

    Die US-amerikanische Seuchenschutzbehörde geht davon aus, dass sich Sars-CoV-2 auch durch Aerosole übertragen kann. Im Netz kursieren Behauptungen, das Gegenteil sei der Fall. Sie sind falsch. Der #Faktenfuchs erklärt, warum.

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    Angaben der US-amerikanischen Seuchenschutzbehörde Centers for Disease Control (CDC) geraten immer wieder in den Blick von Kritikern der Corona-Maßnahmen – und oft werden sie dabei verzerrt. In den sozialen Medien, etwa in den Kommentarspalten von BR24, aber auch unter den selbsternannten "Querdenkern" auf Telegram, taucht derzeit wiederholt eine falsche Behauptung auf: Die CDC hätten veröffentlicht, dass das Coronavirus sich nicht über Aerosole übertrage. Vor einigen Wochen kursierte die Falschmeldung, die CDC hätten die Todeszahlen heimlich korrigiert – der #Faktenfuchs berichtete.

    Was sagt die CDC aktuell zum Thema Aerosole?

    Die CDC schreiben, das Coronavirus könne sich durch "Luftübertragung" ("airborne transmission") verbreiten. Dazu zählt auch die Übertragung durch Aerosole. Die kleinen Partikel könnten sich für Minuten oder sogar Stunden in der Luft halten, und es wäre auch eine Ansteckung über eine Entfernung von mehr als sechs Fuß (entspricht 1,8 Meter) möglich, was die CDC als Mindestabstand empfehlen.

    Das sahen manche in den BR24-Kommentarspalten wiederum als Beleg, dass der Mindestabstand nichts bringe. Doch das stimmt nicht: Am häufigsten überträgt sich das Virus laut CDC über Tröpfchen – und um das zu vermeiden, ist es wichtig, den Mindestabstand einzuhalten. "Manchmal" könne sich das Virus über Luftübertragung verbreiten, schreiben die CDC. Das heißt: Nach aktuellen Informationen der CDC ist eine Übertragung des Coronavirus durch Aerosole möglich.

    Das Robert-Koch-Institut übrigens spricht als Hauptübertragungsweg übergreifend von virushaltigen Partikeln, bei denen es zwischen den größeren Tröpfchen und kleineren Aerosolen unterscheidet. Der Übergang sei fließend.

    Woher kommt dann die Behauptung?

    Die Behauptung, das Coronavirus verbreite sich explizit laut CDC nicht über Aerosole, geht auf eine kurzfristige Änderung einer der Webseiten der Behörde im September zurück, über die die Washington Post und das Ärzteblatt berichtet hatten.

    Diese Änderung übrigens fand nicht, wie zum Beispiel in dem von uns gezeigten Kommentar behauptet, am 23. September statt. An diesem Tag fand keine Veränderung auf der Webseite statt, wie über das Internet-Archiv WaybackMachine nachvollziehbar ist. Über den gesamten Tag des 23. Septembers und auch in den Morgenstunden des 24. Septembers wurde die Seite demnach nicht verändert.

    Kurzfristige Änderung einer Seite

    Die letzte Änderung an dieser Webseite wurde am 21. September vorgenommen – und das ist auch der Tag, über den Washington Post und Ärzteblatt berichtet hatten. Am Morgen des 21.09. (Ortszeit) hätten die CDC die Seite mit der Beschreibung, wie sich das Coronavirus verbreite, bearbeitet, heißt es bei der Washington Post: Die Behörde habe eine erst kürzlich hinzugefügte Information wieder entfernt, in der es hieß, es sei möglich, dass sich das Virus über die Luft übertrage.

    © CDC / BR Grafik

    Die Webseite der CDC im Internet-Archiv WaybackMachine

    Schaut man sich das im Archiv an, sieht man: Zwischen 15:03 Uhr und 15:53 Uhr (deutsche Zeit) wurde die Seite verändert. Zuvor stand hier ein Absatz mit dem Titel "How COVID-19 most commonly spreads". Darin heißt es, das Virus würde sich durch Tröpfchen oder kleine Partikel verbreiten, "so wie solche in Aerosolen", die produziert werden, wenn eine infizierte Person hustet, niest, singt, redet oder atmet.

    Zwischen 15:03 und 15:53 Uhr wurde dieser Absatz entfernt und stattdessen dieser Hinweis ergänzt: Ein Entwurf für vorgeschlagene Änderungen sei fälschlicherweise auf der Webseite veröffentlicht worden. Die CDC aktualisierten nun die Empfehlungen zur Luftübertragung. Der Entwurf vorgeschlagener Änderungen, der angeblich kurzzeitig veröffentlicht wurde, ist über Internet-Archive nicht auffindbar – er muss kürzer als eine Dreiviertelstunde online gewesen sein.

    © CDC / BR Grafik

    Die Erklärung der CDC auf ihrer Webseite - über WaybackMachine

    Das heißt: Was in diesem "Entwurf" stand, und ob es dabei um Aerosole ging, lässt sich nachträglich nicht mehr überprüfen. Allerdings handelte es sich laut CDC um einen Fehler. Fest steht aber: Sowohl vor 15:03 Uhr als auch nach 15:53 Uhr am 21. September ist auf der Seite keine Information dazu zu finden, dass sich das Coronavirus nicht über Aerosole oder Luftübertragung verbreiten könnte. Mittlerweile wurden die Informationen wie eingangs geschildert ergänzt.

    Es wurde also lediglich ein Textblock, in dem Aerosole erwähnt wurden, aus dem Text einer CDC-Webseite entfernt – und später durch einen anderen ersetzt. Das heißt nicht, dass die CDC jemals explizit behauptet hätten, dass sich das Virus nicht über Aerosole übertragen kann.

    Fazit

    Die CDC hat am 21. September ihre Informationen zur Übertragung des Coronavirus überarbeitet und dabei anscheinend kurzzeitig einen Entwurf hochgeladen, den sie als Fehler bezeichneten. Daraus entwickelte sich das Gerücht, dass die CDC behaupte, eine Übertragung über Aerosole sei nicht möglich. Es gibt keinen öffentlich einsehbaren Beweis, dass die CDC jemals behauptet hätte, dass eine Übertragung durch Aerosole nicht möglich wäre – aber sehr viele Belege dafür, dass die CDC eine Übertragung über kleine Partikel in der Luft sehr wohl für möglich hält.

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