BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

FAQ: Wie wirkt die Impfung und welche Nebenwirkungen hat sie? | BR24

© Bayerischer Rundfunk
Bildrechte: colourbox.com

Hoffnungsschimmer Impfung: Seit Ende 2020 steht ein erstes Vakzin gegen Covid-19 in Europa zur Verfügung.

6
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten
  • Artikel mit Video-Inhalten

FAQ: Wie wirkt die Impfung und welche Nebenwirkungen hat sie?

Am 27. Dezember 2020 haben in Deutschland die Impfungen gegen Corona begonnen. Wer kann sich wann impfen lassen, welche Nebenwirkungen hat eine Corona-Impfung und wie gut wirkt sie? Wir beantworten viele praktische Fragen.

6
Per Mail sharen
Von
  • Ortrun Huber
  • Marlene Riederer
  • Georgia Tscharke

Die ersten Corona-Impfstoffe in Europa sind zugelassen, Impfzentren in Bayern und ganz Deutschland sind aufgebaut, ab 27. Dezember ging es mit dem Impfen in Deutschland los. Jetzt stellen sich ganz praktische Fragen: Wie und wo bekommt man die Impfung? Welche Nebenwirkungen sind zu erwarten? Ist die Impfung kostenlos?

Wie gut wirkt die Impfung?

Die bisherigen Impfstoff-Kandidaten haben den Hersteller-Angaben zufolge eine hohe Wirksamkeit. Die Corona-Vakzine von Moderna und Biontech/Pfizer sollen einen Schutz von über 90 Prozent bieten: Während Moderna von einer Wirksamkeit von rund 94 Prozent ausgeht, vermeldete Biontech/Pfizer einen 95-prozentigen Schutz. Der vom Pharmakonzern AstraZeneca entwickelte Impfstoff lag - je nach Verabreichung und Dosierung - bei einer Effektivität von 90 beziehungsweise 62 Prozent. Zusammengenommen ergibt sich daraus eine Wirksamkeit von 70 Prozent.

Experten wie der Generaldirektor des internationalen Pharmaverbands IFPMA Thomas Cueni und auch der US-Immunologe und Corona-Experte Anthony Fauci bewerten den Wirkungsgrad der Coronaimpfstoffe als "bemerkenswert" bzw. "hervorragend". Zum Vergleich: Der jährliche Grippeimpfstoff hat bei gesunden Kindern und Jugendlichen eine Schutzwirkung von 59 bis 75 Prozent, bei gesunden Erwachsenen liegt die Schutzwirkung der Grippeimpfung zwischen 59 und 67 Prozent.

Wirken die Impfstoffe auch gegen Mutationen?

Seit Mitte Dezember 2020 verbreitet sich ausgehend von Großbritannien eine neue Virus-Variante: die britische Variante B.1.1.7. Auch in Deutschland und vielen anderen Ländern der Welt gibt es bereits Fälle. Experten fürchten, dass sie bis zu 50 Prozent ansteckender sein könnte. Und mit mehr Neuinfektionen kann es zu einer Überlastung des Gesundheitssystems, mehr schweren Verläufen und mehr Todesfällen kommen.

Für die schnelle Ausbreitung ist vor allem eine von mehreren Mutationen verantwortlich: "N501Y". Die gleiche Mutation an der gleichen Stelle der RNA des Virus sorgt auch dafür, dass sich eine andere Virus-Variante gerade stark in Südafrika ausbreitet: die südafrikanische Variante B.1.351. Laut einer Studie des Pharmakonzerns Pfizer und der Universität Texas schützt der Impfstoff von Biontech/Pfizer aber auch gegen diese Virus-Varianten. Dazu wurden Blutproben von bereits geimpften Menschen untersucht, deren Antikörper das Virus erfolgreich abwehren konnten - und seine Mutationen.

Welche Nebenwirkung hat eine Corona-Impfung?

Noch nie in der Geschichte der Impfstoffentwicklung wurde so schnell ein Impfstoff gegen ein neues Virus entwickelt. Daher stellt sich bei vielen die Frage, ob der neue Impfstoff frei von Nebenwirkungen ist.

Die Hersteller Biontech/Pfizer und Moderna teilten nach Abschluss ihrer letzten Analysen mit, dass der Impfstoff über alle Altersgruppen hinweg ähnlich gut funktioniere und praktisch keine ernsten Nebenwirkungen zeige. Der Impfschutz liege bei Menschen, die über 65 Jahre alt sind, bei über 94 Prozent.

Impflinge wurden zwei Monate beobachtet

Aufgrund von Statistiken geht man davon aus, dass fast alle Nebenwirkungen von Impfungen in den ersten sechs Wochen auftreten. Die Teilnehmenden der Studien für die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna wurden mindestens zwei Monate nach Gabe der zweiten Dosis beobachtet. So verlangt es die US-Zulassungsbehörde FDA für die Notfallgenehmigung.

Die Unternehmen Biontech/Pfizer und Moderna selbst versicherten, dass bei keinem Probanden in den zwei Monaten nach der zweiten Spritze ernste Nebenwirkungen aufgetreten seien - also lebensbedrohliche Folgen, die eine Klinikbehandlung notwendig machen oder zu dauerhaften Beeinträchtigungen führen. In diese Kategorie fallen beispielsweise allergische Schocks oder neurologische Probleme sowie schlimmstenfalls der Tod. Laut dem von Pfizer veröffentlichten Studienprotokoll wurden in der zulassungsrelevanten Untersuchung aber keine Teilnehmer aufgenommen, die eine Vorgeschichte schwerer Nebenwirkungen im Zusammenhang mit einem Impfstoff und/oder schwerer allergischer Reaktionen auf einen Inhaltsstoff der Studie haben.

Meist leichte Nebenwirkungen wie bei einem Infekt

Ein geringer Anteil der Impflinge litt nach Angaben der Unternehmen unter Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Kopf- und Gelenkschmerzen und einer geröteten und schmerzenden Einstichstelle, besonders nach der zweiten Dosis. Manchmal kam es auch zu leichtem Fieber, Durchfall oder Schüttelfrost.

Allergische Reaktion auf Corona-Impfung in Alaska

In den USA hat eine Person, bei der zuvor keine Allergien bekannt waren, allergisch auf den Biontech/Pfizer-Impfstoff reagiert. Zehn Minuten nach der Impfung klagte die Person über Atembeschwerden und Hautrötungen. Nach einer Behandlung mit Adrenalin stabilisierte sich ihr Gesundheitszustand. Dies teilte ein Sprecher des Gesundheitsamts DHSS am 17. Dezember 2020 in Alaska mit.

Britische Behörde warnt Allergiker

Auch in Großbritannien wurde am 9. Dezember 2020 bekannt, dass zwei Mitarbeiter des staatlichen Gesundheitsdienstes National Health Service (NHS) nach der Impfung mit dem Impfstoff von Biontech und Pfizer schwere allergische Reaktion erlitten hätten. Sie erholten sich davon aber gut, sagte NHS-Chef Stephen Powis. Nach seinen Angaben sind die beiden Betroffenen so anfällig für Allergien, dass sie stets ein Notfallspritze mit Adrenalin bei sich tragen.

Die britische Arzneimittelaufsicht Medicines and Healthcare products Regulatory Agency (MHRA) riet daraufhin, "niemanden zu impfen, der in der Vergangenheit signifikante allergische Reaktionen auf Impfstoffe, Arzneimittel oder Lebensmittel" hatte. "Personen mit einer Vorgeschichte eines anaphylaktischen Schocks bei Impfungen, Arznei- oder Lebensmitteln sollten den Biontech/Pfizer-Impfstoff nicht erhalten. Die zweite Dosis sollte niemandem verabreicht werden, bei dem nach Verabreichung der ersten Dosis dieses Impfstoffs eine Anaphylaxie aufgetreten ist", konkretisierte June Raine, Geschäftsführerin der MHRA am 10. Dezember 2020.

Paul-Ehrlich-Institut: Corona-Impfungen auch für Allergiker geeignet

Das Paul-Ehrlich-Institut gab dagegen am 30. Dezember 2020 bekannt, dass Menschen mit allergischen Erkrankungen generell kein höheres Risiko für schwerwiegende unerwünschte Wirkungen bei der Corona-Impfung haben. Mögliche Auslöser der beobachteten schwerwiegenden Reaktionen in Großbritannien könnten der Wirkstoff oder eingesetzte Hilfsstoffe sein. Dazu gehörten die PEG (Polyethylenglykol)-haltigen Nanopartikel, in denen der Wirkstoff verpackt ist. Personen, die eine bekannte Allergie gegen Inhaltsstoffe des Impfstoffes haben, sollten PEI und EMA zufolge nicht geimpft werden. Grundsätzlich könnten sich aber auch Allergiker gegen Covid-19 impfen lassen.

Für Krebspatienten sicher und wirksam?

Wie wirksam mRNA-Impfstoffe gegen COVID-19 speziell bei Krebspatienten sind, kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht sicher beantwortet werden. Gleiches gilt auch für die Verträglichkeit der Impfung im Zusammenspiel mit bestimmten Krebstherapien wie einer Chemotherapie. Dazu schreibt das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg am 18. Dezember 2020: "Menschen, deren Immunsystem durch die Krebserkrankung oder die Krebstherapie unterdrückt ist, waren bei der bisherigen Zulassungsstudie nicht als Probanden vertreten. Daher gibt es bislang keine verlässlichen Daten zur Wirksamkeit und Sicherheit des Impfstoffs für diese Patientengruppen. Hierfür sind weitere Studien erforderlich."

Wo meldet man mögliche Nebenwirkungen?

Ungewöhnliche Nebenwirkungen sollte man seinem Hausarzt melden. Als ungewöhnlich gelten alle Nebenwirkungen, die bei der Impfung normalerweise nicht auftreten. Die Meldung beim Hausarzt ist wichtig, denn dieser gibt die Information an das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) weiter. Dort werden sie dann systematisch erfasst und bewertet. Dafür setzt das Paul-Ehrlich-Institut auf Meldungen von Herstellern, Ärzten und Patienten. Der einfachste Weg führt über die Plattform nebenwirkungen.bund.de zu einem Online-Formular.

Außerdem stellt das PEI Geimpften die Smartphone-App "SafeVac 2.0" zur Verfügung. Die App ist für jeden frei zugänglich, die Nutzer bleiben dabei anonym. Über den Zeitraum eines Jahres werden sie in verschiedenen Zeitabständen zu ihrem Gesundheitszustand befragt. So sollen auch eventuelle Langzeitwirkungen der Impfung erfasst werden.

Das Paul-Ehrlich-Institut gibt diese Informationen an die Europäische Arzneimittelaufsicht EMA weiter. Bei der EMA laufen dann aus ganz Europa Daten ein, die in einer zentralen Datenbank gesammelt werden. Falls es bei bestimmten Gesundheitsbeschwerden tatsächlich einen statistisch signifikanten Zusammenhang zur Impfung gibt, würden diese Nebenwirkungen auf diese Weise sehr schnell erfasst und auch publik gemacht. Denn noch nie standen Impfstoffe unter derart genauer Beobachtung.

Wie sicher ist die Corona-Impfung?

Da die Impfung neu auf dem europäischen Markt ist, lässt sich über Langzeitnebenwirkungen noch keine Aussage machen. Das Beruhigende an den aktuellen Studien ist die hohe Zahl an Testpersonen: 44.000 Freiwillige sind es bei Biontech/Pfizer und 30.000 bei Moderna. Den Zulassungsbehörden stehen also die Gesundheitsdaten zehntausender Probanden zur Verfügung. In den vergangenen zehn Jahren umfassten Studien für Impfstoffe im Schnitt rund 6.700 Testpersonen.

Die Hersteller Biontech/Pfizer und Moderna prüfen während der Studien, ob die Impfung nicht nur vor Covid-19, sondern auch vor schweren Verläufen der Krankheit schützt. Insgesamt sollen sowohl die Schutzwirkung als auch eventuelle Nebenwirkungen über einen Zeitraum von zwei Jahren beobachtet werden. Bislang wurden keine schweren Nebenwirkungen verzeichnet.

Wie lange aber der Impfschutz anhält und welche Langzeitnebenwirkungen auftreten können, braucht noch mehr Zeit: "Das wird noch Monate, wenn nicht ein Jahr oder länger dauern, bis wir das wirklich abschließend beurteilen können", betont Virologe Oliver Keppler im BR-Fernsehen.

Wie lange hält die Impfung?

Noch können keine Langzeitstudien vorliegen, die Antworten liefern, wie lange der Impfschutz hält. Es gilt aber als unwahrscheinlich, dass eine Impf-Immunisierung gegen Corona ein Leben lang hält. Es könnte eher sein, dass man sie wie bei der Grippe-Schutzimpfung regelmäßig wiederholen muss. Auch wer eine Covid-19-Erkrankung überwunden hat, ist möglicherweise nicht dauerhaft vor einer erneuten Infektion geschützt.

Eine natürliche Infektion sei nicht mit einer Impfung vergleichbar, die Immunantwort falle nach einer Impfung effizienter aus, sagt Carsten Watzl, Immunologe am Leibniz-Institut für Arbeitsforschung der Technischen Universität Dortmund. "Die Hoffnung ist also, dass die Immunität durch die Impfstoffkandidaten deutlich länger anhält." Ob für eine Immunität vor allem Antikörper oder T-Zellen - zwei der zentralen Waffen unseres Immunsystems - oder aber eine Mischung aus beiden wichtig ist, sei noch nicht zu beantworten, sagt Watzl.

Insgesamt würden die Impfstoffe aber zunächst für eine Beruhigung der Situation sorgen. "Selbst wenn der Schutz nur zwei Jahre hält, könnte nachgeimpft werden“, sagt Watzl. "Das wäre zwar nervig, aber beherrschbar." Und Sars-CoV-2 würde so zu einem weiteren Erreger, gegen den man regelmäßig impfen muss. "Wir hätten dann aber keine Pandemie mehr."

Kann ein Corona-Geimpfter ansteckend sein?

Bisherige Erkenntnisse deuten darauf hin, dass die ersten mRNA-Impfstoffe der Anbieter Biontech/Pfizer und Moderna, die auf den Markt kommen, zumindest verhindern, dass Menschen an Covid-19 erkranken. Es kann laut Experten jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass sich die Geimpften weiter mit dem Virus infizieren und es unbemerkt an andere weitergeben.

Insbesondere Infektionen der Atemwege seien mit Impfstoffen schwer vollständig zu blockieren, sagt Bodo Plachter, stellvertretender Direktor des Instituts für Virologie am Lehrkrankenhaus der Universität Mainz. Sie würden aber wohl dazu beitragen, die Viruslast zu reduzieren.

Wann startete die Corona-Impfung?

Die Impfzentren seien seit Mitte Dezember einsatzbereit, so Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Die ersten Personen wurden ab 27. Dezember 2020 geimpft - europaweit.

Wo kann man sich impfen lassen?

Vorerst finden Impfungen nur über regionale Impfzentren und mobile Teams statt, die in Alten- und Pflegeheime oder Kliniken gehen. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums gibt es in Bayern derzeit 99 Impfzentren. Diese würden gewährleisten, den Impfstoff priorisieren zu können, da es anfangs nicht genügend Impfstoff für alle gebe, so das Ministerium.

Kann man sich beim Hausarzt impfen lassen?

Seit April 2021 kann auch in Arztpraxen geimpft werden, vorausgesetzt, es ist genügend Impfstoff vorhanden. Zu Beginn bestand bei Impfungen in Hausarztpraxen das Problem, dass der Impfstoff von Biontech/Pfizer besondere Anforderungen an die Kühlung stellte. Der Impfstoff muss bei minus 70 Grad gelagert werden. Doch inzwischen haben Studien gezeigt, dass sich der mRNA-Impfstoff bei normaler Kühlschranktemperatur eine Woche lagern lässt.

Wie kann man sich impfen lassen, wenn man nicht mobil ist?

Neben den Impfzentren gibt es mobile Impfteams, die Pflegeheime, Kliniken oder auch Menschen zuhause aufsuchen, um dort Impfungen vorzunehmen.

Wer wird zuerst geimpft?

Die Impfstoffe, die momentan in der Entwicklung stehen, reichen zum jetzigen Zeitpunkt nicht aus, um alle Bundesbürger impfen zu können – immerhin 83 Millionen. Am 18. Dezember 2020 stellte die Bundesregierung ihre Coronavirus-Impfverordnung vor. Sie legt fest, wer sich zuerst impfen lassen kann.

Impfverordnung der Bundesregierung

Mit höchster Priorität und damit als erste können laut Verordnung alle über 80-Jährigen geimpft werden, außerdem Bewohner und Personal von Pflegeheimen, Mitarbeiter von ambulanten Pflegediensten, Personal auf Intensivstationen, in Notaufnahmen und im Rettungsdienst.

Zur Gruppe mit der zweithöchsten Priorität zählen laut Verordnung unter anderem alle Personen, die das 70. Lebensjahr vollendet haben sowie Menschen mit einem hohen Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf, etwa nach Organtransplantationen, und enge Kontaktpersonen von Pflegebedürftigen und Schwangeren.

Zur Gruppe mit der dritthöchsten Priorität gehören über 60-Jährige oder Personen mit erhöhtem Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf beispielsweise aufgrund einer chronischen Erkrankung oder einer Krebserkrankung. Auch Personal in Hausarztpraxen und Laboren zählt zu dieser Gruppe.

Wie läuft eine Impfung ab?

Für Menschen, die zu keiner priorisierten Gruppen gehören, ist keine schriftliche Einladung vorgesehen, stattdessen sind verschiedene Impfkampagnen geplant. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung hat "standardisierte Module" entwickelt, damit Patienten telefonisch und digital Termine vereinbaren können. Die Impfstoffe von Biontech/Pfizer, Moderna und AstraZeneca bestehen aus zwei Injektionen. Die zweite Dosis soll nach circa drei bis vier Wochen, bzw. bei AstraZeneca nach 12 Wochen verabreicht werden. Wie lange eine Impfung schützt, ist noch unklar.

Was kostet mich die Impfung?

Der Impfstoff soll in Deutschland kostenfrei zur Verfügung gestellt werden.

Kann man Herdenimmunität erreichen?

Nach Angaben des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) genügt eine Immunisierung von etwa zwei Dritteln der Bevölkerung, um die Verbreitung von Corona aufzuhalten. Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfehlen eine Durchimpfungsrate von 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung. Erst dann könne sich das Virus nicht mehr gut verbreiten, sagte die oberste Impf-Expertin der WHO, Katherine O’Brien. Die sogenannte Herdenimmunität wäre dann hergestellt.

Um diese Raten zu realisieren, wird es jedoch längere Zeit dauern. Wenn man pro Tag 100.000 Menschen impfen würde, brauche man 150 Tage, um 15 Millionen Menschen zu impfen, so Thomas Mertens, Vorsitzender der Ständigen Impfkommission (Stiko). Dieses Tempo wäre seiner Ansicht nach bereits eine Herausforderung. Die Chef-Virologin der Technischen Universität München, Ulrike Protzer, geht für einen flächendeckenden Corona-Schutz von einer ähnlich hohen Zahl aus: Etwa 65 Prozent der Bevölkerung, das wären in Deutschland ca. 54 Millionen Menschen, müssten gegen das Virus immun sein – entweder durch Impfung oder weil sie bereits mit Corona infiziert wurden. "Je nachdem, wie viele die Infektion durchgemacht haben, bedeutet das 55 bis 60 Prozent Geimpfte." Die Professorin nimmt derzeit an, dass das bis Spätherbst 2021 dauern könnte.

Wie ist die Bereitschaft, sich impfen zu lassen?

Die Bereitschaft, sich impfen zu lassen, liegt in Deutschland nach einer Umfrage der Universität Erfurt von März 2021 bei 68 Prozent. Mitte Dezember waren es nur 48 Prozent der Befragten. 1.379 Befragte sollten auf einer Skala zwischen 1 (Ablehnung) und 7 (Zustimmung) angeben, ob Sie sich gegen Covid-19 impfen lassen würden, wenn sie in der kommenden Woche die Möglichkeit dazu hätten.

Gibt es eine Impfpflicht?

Nein. Gesundheitsminister Spahn hat mehrmals klargestellt, dass es keine Impfpflicht geben wird. Es bleibt jedoch die Frage, inwieweit geimpfte Menschen in gewissen Bereichen Vorteile haben werden.

© 3sat / nano
Bildrechte: 3sat/ZDF

Die Themen: Corona-Impfstoffe - ein Überblick / Wie wird die Impfkampagne erfolgreich? / PrEP: Das Ende von Aids? / Ein Erfolg im Kampf gegen HIV / Sprit aus Abwasser?

"Darüber spricht Bayern": Der BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!