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Coronavirus: Warum es Bayern so hart trifft | BR24

© RKI/LMU München/BR Grafik

Bayern ist fest im Griff des Coronavirus, das sich schnell ausbreitet.

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    Coronavirus: Warum es Bayern so hart trifft

    Rund 15.000 Menschen sind in Bayern mit dem Coronavirus infiziert (Stand 31.3.2020). Täglich kommen mehrere Hundert dazu. Nur Hamburg hat in Deutschland mehr Infizierte pro 100.000 Bürger. Über die Gründe der ungleichen Verteilung wird spekuliert.

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    Der Freistaat Bayern ist fest im Griff des Coronavirus: Das Robert-Koch-Institut meldet am 31.3.2020, dass es in Bayern 113 Infizierte pro 100.000 Einwohner gibt. Nur in Hamburg sind es mehr: 120 Fälle pro 100.000 Bürger.

    Coronavirus: Alles Wissenswerte finden Sie hier.

    Alle fünf Tage verdoppeln sich die Corona-Fallzahlen in Bayern

    Alle fünf Tage verdoppeln sich die bestätigten Fälle in Bayern - damit ist der Freistaat der traurige Spitzenreiter in der bundesweiten Statistik. Bisher sind in Bayern schon 162 Menschen an Covid-19 verstorben. Und das obwohl seit gut zwei Wochen das öffentliche Leben quasi stillsteht.

    Linktipp: Zahl der Corona-Todesfälle in Niederbayern haben sich verdoppelt. Mehr dazu hier.

    Die Corona-Zahlen steigen und steigen

    Man muss wissen, dass die Zahl der Genesenen von den Infektionszahlen generell nicht abgezogen wird. Das heißt, es bleiben alle in der Statistik, bei denen jemals ein positiver Corona-Test gemeldet wurde.

    Die Rolle der Skiurlauber als Corona-Ansteckungsquelle

    In den Faschingsferien 2020 waren viele Bayern in Südtirol oder Österreich im Skiurlaub. Nach Einschätzung des Bundesgesundheitsministers Jens Spahn ist das eine wichtige Quelle für die Verbreitung des Corona-Virus.

    "Das Ausbruchsgeschehen, das wir im Moment haben, hat viel zu tun mit den Rückkehrern aus dem Skiurlaub." Jens Spahn, Bundesgesundheitsminister

    Aus Deutschland stammen die meisten Urlaubsrückkehrer aus Ischgl

    Erst seit 14. März stehen im Skiort Ischgl in Tirol die Lifte still, weil es als Risikogebiet eingestuft wurde. Vermutlich haben sich in den Wochen zuvor viele Gäste am Skilift oder in den Restaurants und Bars angesteckt. Obwohl ein Barmitarbeiter in Ischgl positiv auf Corona getestet wurde, blieb die Bar zunächst noch geöffnet, was dem Betreiber viel Kritik einbrachte.

    Handydaten zeigen die Verbreitung der Urlaubsrückkehrer

    Das Mess- und Beratungsunternehmen namens umlaut hat Mobilfunkdaten ausgewertet und nachvollzogen, wohin die Skigäste nach dem Urlaub in Ischgl gefahren sind.

    "Mithilfe unserer Auswertungen können wir sehen, an welche Orte nach einem Aufenthalt in Ischgl gereist wurde und wo somit mögliche Kontakte stattgefunden haben könnten." Hakan Ekmen, Leiter des Bereichs Telekommunikation bei der Firma umlaut

    Ischgl-Rückkehrer verteilen sich auf ganz Europa

    Die höchste Reisedichte zeigt die Analyse von umlaut in Österreich, der Schweiz, in der Straßburg-Region und in Süddeutschland, vor allem in München und Stuttgart. Aber nicht nur die nähere Umgebung von Ischgl ist betroffen. Auch nach Skandinavien kehrten Skiurlauber zurück, etwa nach Oslo, die Region um Helsinki und Örebro.

    Südtirol gilt seit 5. März als Corona-Risikogebiet

    Erst war es nur eine Empfehlung, dann mussten alle Schüler, die in den Faschingsferien in Südtirol waren, der Schule fernbleiben. Diese Regelung galt in Bayern ab dem 9. März.

    "Dabei ist die Übertragungsgefahr bei Kindern besonders hoch, weil kindliches Spiel in den frühkindlichen Einrichtungen regelmäßig einen spontanen engen körperlichen Kontakt der Kinder untereinander mit sich bringt." Pressemitteilung des bayerischen Gesundheitsministeriums
    © RKI/LMU München

    Bayern zeigt mit die höchsten Fallzahlen pro 100.000 Einwohner.

    Die meisten Infektionen gibt es derzeit im Landkreis Tirschenreuth

    Bisher war der Landkreis Heinsberg in Nordrhein-Westfalen die Region in Deutschland mit den meisten Corona-Infektionen pro Kopf der Bevölkerung. Laut Robert-Koch-Institut sind es dort 483 Fälle je 100.000 Einwohner. Seit dem Wochenende führt der oberpfälzische Landkreis Tirschenreuth die Statistik mit 517 Infektionen je 100.000 Einwohnern an.

    Starkbierfest in Mitterteich als mögliche Corona-Virenschleuder

    Am 7. März war Starkbierfest in der Stadt Mitterteich im Landkreis Tirschenreuth. Es gibt Vermutungen, dass sich von dort aus die Infektion ausgebreitet haben könnte. Mitterteich war die erste Kommune in Deutschland, in der ab 18. März "das Verlassen der häuslichen Unterkunft ohne triftigen Grund“ untersagt wurde.

    "Diese Gerüchte kursieren im Landkreis. Wir können es nicht bestätigen und beteiligen uns nicht an Vermutungen. Im Übrigen hat Innenminister Joachim Herrmann gesagt, dass schon mehrere Infektionsquellen zusammentreffen müssen, um die Infektionsraten bei uns zu erklären." Wolfgang Lippert, Landrat des Oberpfälzer Landkreises Tirschenreuth

    Oberbayern liegt vor der Oberpfalz bei den Corona-Fallzahlen

    Schaut man sich die bayerischen Regierungsbezirke als Ganzes an, dann gibt es in Oberbayern die meisten Fallzahlen je 100.000 Einwohner und auch die meisten Todesfälle. Die Oberpfalz folgt auf dem zweiten Platz. Am wenigsten ist bislang Mittelfranken betroffen.

    In ländlichen Gebieten sind die Corona-Fallzahlen geringer

    Grundsätzlich sind Städte stärker betroffen sind als ländliche Regionen, in denen Menschen weiter voneinander entfernt wohnen. Ostdeutsche Bundesländer wie Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg oder Sachsen-Anhalt zeigen vergleichsweise geringe Infektionsraten auf.

    Virenverbreitung durch Reisen in Risikogebiete

    Bisher gibt es nur Spekulationen, warum die Fallzahlen in Deutschland so unterschiedlich verteilt sind. Die Skiurlaube in Risikogebieten, aber auch die hohe Reiselust der Bayern und Städter generell haben sicherlich dazu beigetragen, das Virus, das ursprünglich aus China kam, zu verbreiten.

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