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Corona-Spätschäden: Auch das Gehirn kann betroffen sein | BR24

© picture alliance/Zoonar//Robert Kneschke

Auch leichte Verläufe einer Covid-19-Erkrankung können zu Langzeitfolgen führen.

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Corona-Spätschäden: Auch das Gehirn kann betroffen sein

Bei tödlichem Corona-Verlauf sterben die meisten Patienten an Lungenentzündung oder Lungenversagen. Doch inzwischen ist klar: Covid-19 ist nicht nur eine Erkrankung der Atemwege, sondern kann alle Organe des Körpers betreffen – sogar das Gehirn.

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Es mehren sich die Anzeichen, dass eine Covid-19-Erkrankung nicht einfach kommt und wieder geht. Im Gegenteil: Patienten berichten von langanhaltenden Atem- und Lungenproblemen - was auch Ärzte bestätigen.

Krankhafte Veränderungen der Lunge sind auch einen Monat nach Genesung noch zu sehen. Nach Meinung von Professor Jürgen Behr, Lungenfacharzt am Klinikum Großhadern, bilden sie sich aber vollständig zurück. Anders sieht es bei Corona-Intensivpatienten aus. Wer eine schwere Lungenentzündung durchgemacht hat, auf der Intensivstation lag und beatmet werden musste und Patienten mit Vorerkrankungen der Lunge können auch bleibende Schäden davontragen.

Schäden an den Blutgefäßen

Tückisch ist auch noch eine andere Eigenschaft von SARS-CoV-2. Das Virus kann sogar bei leichten Verläufen die Blutgefäße schädigen, sodass sich schneller Blutgerinnsel bilden. Das erhöht das Risiko, auch noch Monate später eine Thrombose, eine Lungenembolie oder einen Herz- oder Schlaganfall zu bekommen.

Den Grund erklärt Virologin Ulrike Protzer von der Technischen Universität München: "Vermutlich ist das Ganze auf einen Schaden des Endothels, was die Gefäße auskleidet, zurückzuführen durch das Virus. Und das bedingt dann, dass sich dort die Blutplättchen ansetzen, um den Schaden zu reparieren, und wenn es dann zu einer Überreaktion kommt, dann können solche Thrombosen entstehen."

Wahrscheinlich sind es Entzündungsprozesse, die am Ende zu den Verstopfungen der Blutgefäße führen. Wie lange sie anhalten, ist noch nicht klar. Manche Patienten berichten über lang andauernde Kreislaufprobleme, andere über regelrechte Erschöpfungszustände noch Monate nach ihrer Genesung.

Neurologische Störungen – vom Kopfschmerz bis zu Lähmungen

In Mitleidenschaft gezogen ist ebenfalls das Nervensystem. Das äußert sich in Kopfschmerzen, unter denen etwa ein Viertel der Betroffenen leidet. Eine Mehrheit der Infizierten klagt über verminderten Geruchs- und Geschmackssinn, der monatelang andauern kann. Und auch Lähmungen können auftreten, die wieder verschwinden. In all diesen Fällen handelt es sich um neurologische Störungen, also Ausfälle des Nervensystems.

Was passiert, wenn Viren ins Nervensystem eindringen, erklärt Matthias Klein, Professor für Neurologie am Münchner Uni-Klinikum Großhadern:

"Was man doch sieht, ist, dass viele Viren auch eine sekundäre Schädigung verursachen können im Sinne einer Entzündungsreaktion, die dann gegen das Gehirn gerichtet ist, aber auch gegen das periphere Nervensystem gerichtet sein kann."

Direkte Angriffe des Erregers auf das Gehirn, wie man sie zum Beispiel von den FSME-Viren kennt, sind allerdings selten, beruhigt Matthias Klein: "Bei Patienten, wo das Nervenwasser untersucht worden ist, findet man bei fast keinem Virus-Nachweise im Nervenwasser - also hier ist schon mal ein ganz positiver Befund, wenn Sie so möchten."

Keine Entwarnung, weitere Studien zu Corona-Langzeitfolgen

Nach einer neuen Studie von Forschern der britischen Universität Liverpool waren bis Mitte Mai weltweit gut 900 Fälle von neurologischen Komplikationen bekannt. Darunter über hundert schwerwiegende Erkrankungen wie Gehirnhautentzündungen oder das sogenannte Guillain-Barré-Syndrom, bei dem Betroffene an Lähmungen leiden. Jeder Fall ist tragisch – aber angesichts von Millionen Infizierten sind es doch Einzelfälle. Sehr selten nistet sich der Erreger im Nervensystem ein.

Die Warnung mancher Forscher, das Virus könne schon bei leichten Verläufen Hirnschäden verursachen, teilt Professor Jürgen Behr deshalb nicht. Aus seiner Sicht sei das eher hypothetisch. Für eine abschließende Bewertung sei es aber noch zu früh. Deshalb hat das Klinikum Großhadern eine Anlaufstelle für Patienten mit milden Covid-19-Verläufen eingerichtet, um diese Patienten weiterhin im Auge zu behalten.

"Wie bei jeder Erkrankung, die neu ist und die wir noch nicht genug verstanden haben, muss man gut hingucken, was in den nächsten Monaten und Jahren passieren wird. Das kann man aktuell noch in keinster Weise abschätzen." Matthias Klein, Professor für Neurologie am Münchner Uni-Klinikum Großhadern
© Bayerischer Rundfunk

Es mehren sich die Anzeichen, dass eine Covid-19-Erkrankung nicht einfach kommt und wieder geht. Im Gegenteil: Frühere Patienten berichten von lang anhaltenden Atem- und Lungenproblemen - was auch Ärzte bestätigen.

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