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Datenanalyse: Der Weg des Coronavirus durch Bayern | BR24

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Die Infektionszahlen zeigen, wie die Pandemie sich in Bayern entwickelt hat und wo die Brennpunkte lagen.

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Datenanalyse: Der Weg des Coronavirus durch Bayern

Von Webasto nach Mamming – eine Datenanalyse des BR zeigt, wie das Coronavirus sich im vergangenen halben Jahr durch Bayern bewegt hat. Entdecken Sie im Zeitraffer, wie die Pandemie sich entwickelte und wo die Brennpunkte lagen.

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Am 27. Januar wird bei einem Mitarbeiter des Automobilzulieferers Webasto eine Infektion mit dem Coronavirus festgestellt. Der erste Fall, der in Bayern und in Deutschland bekannt wird. Vergangenen Montag war seit diesem Tag genau ein halbes Jahr vergangen. BR24 und BRData haben sich die Infektionszahlen in den bayerischen Landkreisen und kreisfreien Städten noch einmal rückblickend angesehen.

Als täglichen Indikator wählen wir die sogenannte 7-Tage-Inzidenz. Sie gilt seit dem 6. Mai als Kenngröße bei der Einordnung lokaler Infektionsgeschehen, an ihr werden Warnwert und Obergrenze gemessen. Wichtig ist auch: Wir stellen die Zahlen nach Erkennungsdatum, nicht nach Meldedatum dar – mehr zu den Daten unten.

💡 7-Tage-Inzidenz: Dieser Wert zeigt an, wie viele Menschen in einer Stadt oder einem Landkreis in einem Zeitraum von sieben Tagen positiv auf das Coronavirus getestet wurden. Um ihn vergleichbar zu machen, wird er pro 100.000 Einwohner angegeben. Berechnet wird er ganz einfach: Man addiert die täglich gemeldeten Neuinfektionen der vorangegangenen sieben Tage, teilt die Summe durch die Einwohnerzahl von Stadt oder Landkreis und multipliziert dies mit 100.000. Im Mai haben Bund und Länder die 7-Tage-Inzidenz als Richtwert für lokale Corona-Maßnahmen festgelegt. In Bayern gibt es einen Frühwarnwert: Ab 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern in sieben Tagen sollten Städte und Gemeinden Maßnahmen zur Eindämmung überprüfen. Ab dem bundesweiten Grenzwert von 50 Neuinfektionen sollten Lockerungen zurückgenommen werden.

Erfahren Sie hier im Detail, wie die Pandemie in Bayern verlaufen ist:

Grafik: BR | Daten: Robert-Koch-Institut, BR-Analyse (Stand: 28. Juli 2020)

Januar

Am 27. Januar wird ein 33-jähriger Webasto-Mitarbeiter in München auf das Coronavirus getestet. Das positive Testergebnis wird gemeldet und dem Landkreis Landsberg am Lech zugeordnet, wo der Mann lebt. Nach Erkennungsdatum ist dieser Webasto-Mitarbeiter, der als erster Corona-Fall in Deutschland bekannt wird, einer von vier ersten Fällen.

Bis zum 31. Januar steigt die Zahl der Infizierten in Bayern auf 15 an. Sie verteilen sich auf die Landkreise Traunstein, Starnberg, Freising, Fürstenfeldbruck, Landsberg am Lech, Rottal-Inn und die Stadt München. Alle haben eine Verbindung zu Webasto oder sind zuvor in China gewesen.

Februar

Nach den ersten Fällen Ende Januar kommen eine Zeit lang keine neuen Infektionen dazu. Der letzte neue Fall wird am 5. Februar verzeichnet, ab dem 8. Februar gibt es in ganz Bayern keine Neuinfektion innerhalb von sieben Tagen mehr.

Der Ausbruch des Virus scheint unter Kontrolle.

Am 12. Februar stecken sich in den Landkreisen Starnberg und Deggendorf wieder Menschen an. Von da an taucht Covid-19 über ganz Bayern verteilt auf. Bis Ende Februar haben zwei Drittel aller Stadt- und Landkreise mindestens einen Fall. Dennoch sind die meisten Bayern nicht beunruhigt.

Faschingsfeiern und Ski-Urlaube in den Ferien von 24. – 28. Februar beschleunigen die Ausbreitung des Virus. Der Skiort Ischgl in Tirol wird einer der größten Corona-Infektionsherde in Europa.

Das exponentielle Wachstum beginnt:

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Neuinfektionen nach Erkrankungsdatum (Stand: 30. Juli 2020)

März

Am 10. März erreicht Tirschenreuth als erster bayerischer Landkreis die spätere Obergrenze von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern in sieben Tagen.

Am 16. März ruft Ministerpräsident Markus Söder den Katastrophenfall aus. Schritt für Schritt werden Schulen, Lokale und zahlreiche Geschäfte geschlossen, Besuche in Alten- und Pflegeheimen, Gottesdienste und Versammlungen verboten.

Am 21. März treten in ganz Deutschland Ausgangsbeschränkungen in Kraft – in Bayern sind sie besonders streng. Treffen darf man sich nur mit Personen aus dem eigenen Hausstand.

Zu diesem Zeitpunkt liegen 66 der 96 Landkreise und kreisfreien Städte mit ihren Infektionszahlen über der späteren Obergrenze. Am 20. März erreicht die Pandemie mit 1.490 Neuinfektionen an einem Tag ihren bisherigen Höhepunkt.

Unter den größten Brennpunkten sind die Landkreise Tirschenreuth und Rosenheim.

In Tirschenreuth infizieren sich zu dieser Zeit an einem Tag bis zu 77 von 100.000 Einwohnern mit dem Coronavirus. Laut einer späteren RKI-Studie geht ein Drittel der ersten Fälle auf Starkbier- und Faschingsfeste in der Stadt Mitterteich zurück. Hier wird am 18. März eine lokale Ausgangssperre verhängt.

Auch in Rosenheim wurde Anfang März noch ein Starkbierfest gefeiert. Hier dürfte aber vor allem die Nähe zum Corona-Herd im Skiort Ischgl eine Rolle gespielt haben.

April

Am 16. April passt Bayern die Ausgangsbeschränkungen an den Rest Deutschlands an. Im Freien ist jetzt auch der Kontakt zu einer Person außerhalb des eigenen Hausstands erlaubt.

Ab dem 27. April werden die Corona-Maßnahmen Schritt für Schritt gelockert. Geschäfte und Schulen öffnen wieder, wenig später folgen Kirchen und Gaststätten. Eine bundesweite Maskenpflicht wird eingeführt.

Zu diesem Zeitpunkt gehen die Fallzahlen in ganz Bayern bereits seit mehreren Wochen zurück. Memmingen verzeichnet am 20. April als erster Kreis keine neuen Corona-Fälle in den vergangenen sieben Tagen.

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Fallzahlen, geschätzte Genesungen und Todesfälle in Bayern (Stand: 30. Juli 2020)

Mai

Am 6. Mai einigen sich Bund und Länder darauf, Corona-Ausbrüche künftig lokaler anzugehen. Als Gradmesser in den Stadt- und Landkreisen dient die bereits erwähnte Obergrenze: 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von 7 Tagen.

Liegt ein Kreis darüber, werden Lockerungen rückgängig gemacht. Bayern führt am 19. Mai zusätzlich einen Frühwarnwert von 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen ein.

Lokale Ausbrüche prägen seitdem das Infektionsgeschehen.

Mitte Mai bricht in mehreren Pflegeeinrichtungen im Landkreis Coburg das Virus aus. Zur gleichen Zeit reißt auch der Landkreis Straubing-Bogen die Obergrenze, hier sind die Mitarbeiter eines Schlachthofes betroffen. Ende Mai werden in Regensburg in zwei Tagen 52 Bewohner eines Flüchtlingsheims positiv auf Covid-19 getestet.

Juni und Juli

Mitte Juni stecken sich in kurzer Zeit 100 Mitarbeiter eines Spargelhofes im Landkreis Aichach-Friedberg mit dem Coronavirus an.

Am 17. Juni fällt Aichach-Friedberg wieder unter die Obergrenze. Danach liegt mehr als einen Monat lang kein Landkreis darüber. Bis zum 26. Juli.

Fast genau ein halbes Jahr nach dem Auftreten der ersten Corona-Fälle gibt es in Bayern den größten lokalen Ausbruch seit Langem: Auf einem Gemüsehof in Mamming (Landkreis Dingolfing-Landau) wurden in den vergangenen sieben Tagen fast 200 Erntehelfer positiv auf Covid-19 getestet.

Die Stadt Rosenheim lag mit insgesamt acht Wochen (nicht aufeinanderfolgend) am längsten über der Obergrenze, gefolgt von den Landkreisen Traunstein, Straubing, Rosenheim, Tirschenreuth und Dachau mit jeweils sechs Wochen.

22 Landkreise haben die Obergrenze nie gerissen. Unter dem Frühwarnwert von 35 Neuinfektionen blieben während der gesamten Zeit nur die Städte Augsburg und Coburg und die Landkreise Main-Spessart und Oberallgäu.

Über die Daten

Die Fallzahlen werden täglich vom Robert-Koch-Institut zur Verfügung gestellt. Sie entsprechen der Anzahl Menschen, die positiv auf das Coronavirus getestet wurden. Die Zahl der Neuinfektionen beschreibt die Zahl der Fälle, die im Vergleich zum Vortag neu hinzugekommen sind.

Unterschieden werden kann dabei zwischen dem Meldedatum (wann ein Fall an die Behörden gemeldet wurde) und dem Referenz- bzw. Erkennungsdatum. Dieses bezieht sich auf den Beginn der Krankheit, zum Beispiel dann, wenn sich ein Patient mit Symptomen bei einem Arzt meldet. In diesem Beitrag werden die Daten ausschließlich nach Erkennungsdatum analysiert. Liegt kein Erkennungsdatum vor, wird alternativ das Meldedatum verwendet.

+++ Korrektur: Unschärfe bei Zahlen aus Tirschenreuth

(03. August 2020) - In einer früheren Version dieses Artikels hieß es im Absatz zu Tirschenreuth: „Laut einer späteren RKI-Studie geht ein Drittel der Erkrankten auf Starkbier- und Faschingsfeste in der Stadt Mitterteich zurück.“ Diese Aussage beruhte auf einem BR24-Artikel zur genannten Studie. Die Erhebung des RKI bezog sich allerdings spezifisch auf die ersten Fälle im Landkreis Tirschenreuth. Beide Artikel wurden berichtigt. Korrekt ist: „Laut einer späteren RKI-Studie geht ein Drittel der ersten Fälle auf Starkbier- und Faschingsfeste in der Stadt Mitterteich zurück.“

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