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Impfstoff gegen Coronavirus: So weit ist die Forschung | BR24

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Münchner und Marburger Forscher forschen an der Entwicklung eines Impfstoffs gegen das neue Coronavirus.

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Impfstoff gegen Coronavirus: So weit ist die Forschung

Bei der Entwicklung eines Impfstoffs gegen das Coronavirus gibt es bereits zahlreiche vielversprechende Ansätze, darunter auch von Forschern aus München. Was die Forscher wissen, was noch fehlt und warum die Zulassung eines Mittels so lange dauert.

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Um eine weitere Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern, muss dringend ein Impfstoff gegen den Erreger gefunden werden. Doch auch wenn Wissenschaftler schon vieles über das neue Coronavirus wissen, könnte es noch lange dauern, bis ein Gegenmittel auf den Markt kommt.

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Was soll eine Impfung bewirken?

Eine Impfung ruft eine Immunabwehr des Körpers hervor. Bei der Entwicklung eines Impfstoffes geht es also darum, eine Abwehrreaktion des Körpers in Gang zu setzen, die sich gegen den speziellen Erreger richtet und ihn erfolgreich bekämpft. Ziel ist, dass der Körper immun gegen das Coronavirus wird. Für die Herstellung eines Impfstoffs werden meist die zu bekämpfenden Viren selbst verwendet.

Wie wird der Impfstoff entwickelt?

Bei der Entwicklung eines Impfstoffs gegen das neue Coronavirus Sars-CoV-2 setzen Forscher vor allem auf biotechnologische Verfahren. Hier werden nicht, wie sonst üblich, die Viren selbst zur Herstellung eines Impfstoffs benötigt, sondern nur deren genetische Information. Das spart bei der Entwicklung eines möglichen Impfstoffs vor allem Zeit.

Welche Rolle spielt die Gensequenz?

Der genetische Bauplan, die sogenannte Gensequenz, des neuen Virus ist seit Ende Januar bekannt. Die Gensequenz gibt Aufschluss darüber, wie sich das Virus vermehrt. So können Virologen analysieren, wie jene Virus-Bestandteile sich vermehren, auf die der Körper nach einer Impfung mit einer Immunabwehrreaktion und der Bildung von Antikörpern und anderen Abwehrstoffen reagiert.

Warum ist die Virushülle beim neuen Impfstoff wichtig?

Beim neuen Coronavirus spielt ein Protein der Virushülle eine entscheidende Rolle: "Das Virus nutzt das Protein, um in menschliche Zellen einzudringen", erklärt Gerd Sutter, Virologe an der Ludwig-Maximilians-Universität in München (LMU). Entsprechend konzentrieren sich die Impfstoffentwickler auf dieses Protein.

Wie funktioniert der Impfstoff mit Virus-Transport?

Zwei Teams um den Münchner LMU-Virologen Gerd Sutter und den Virologen Stephan Becker von der Universität Marburg arbeiten an einem Impfstoff mit Virus-Transport. Als Transporter für das sogenannte Hüllprotein nutzen sie ein Virus, das Menschen nicht krank macht. Es dringt nach der Impfung in Zellen ein und bildet das Hüllprotein, das vom Immunsystem erkannt wird.

Welche Potenzial hat der mRNA-Impfstoff?

In China und Tübingen setzen Forscher auf einen Botenstoff, die sogenannte mRNA, die Erbinformationen übermittelt. Die "Bauanleitung" für das Protein wird künstlich per Nanopartikel in die Zellen geschleust. Diese bilden dadurch das spezielle Protein, worauf das Immunsystem mit einer Abwehrreaktion reagiert. "Das Verfahren ahmt ein Konzept der Natur nach", erläutert Mariola Fotin-Mleczek vom Vorstand der CureVac, einem Biotech-Unternehmen in Tübingen. "Wir erreichen damit eine sehr starke Aktivierung des Immunsystems."

Was passiert, wenn ein Impfstoff im Labor gefunden wurde?

Ist ein Impfstoff im Labor - ein sogenannter Impfstoffkandidat - gefunden, folgen weitere Schritte: "Gibt es einen Kandidaten, prüft man im Tiermodell, ob überhaupt Antikörper gebildet werden und ob diese das Virus hemmen", erläutert der Virologe Stephan Becker. Anschließend werde geprüft, ob der Impfstoff auch vor einer Ansteckung schützt. Danach werde der Impfstoff in großen Mengen produziert und toxikologisch getestet, sagt Becker. "Wenn das alles gut verläuft, kann man einen Antrag stellen auf eine klinische Studie".

Wie steht es um die Sicherheit des Impfstoffes?

"Die Entwicklung eines Impfstoffs ist ein langwieriger, mühsamer Prozess, vor allem die Zulassung und die klinische Prüfung eines Kandidaten", sagt Gerd Sutter von der LMU. Stephan Becker von der Universität Marburg verteidigt das langwierige Prozedere: "Diese Impfstoffe müssen sicher sein, sonst tut man sich keinen Gefallen". Wenn der politische oder medizinische Druck hoch genug sei, würden die Zulassungsverfahren beschleunigt. Der Forscher aus Marburg ist optimistisch, für einen Kandidaten gegen Sars-CoV-2 vergleichsweise schnell die Zulassung für eine klinische Studie zu bekommen. Der Grund: Für das Mers-Virus wurde bereits 2018 ein Impfstoff zugelassen. Erkenntnisse aus dieser Forschung könnten das Impfstoff-Verfahren bei Sars-CoV-2 beschleunigen - auch, weil das Mers-Virus ein mit dem jetzigen Coronavirus eng verwandter Erreger ist.

Wann kommt der neue Impfstoff?

Gibt es rechtzeitig einen Impfstoff, um eine weltweite Pandemie zu verhindern? "Wir wissen nicht, wie sich die Epidemie entwickelt", sagt der Marburger Virologe Stephan Becker. Wenn sich das Virus etabliere, wäre ein Impfstoff sehr hilfreich. Nach Auffassung von Soumya Swaminathan, WHO-Chefwissenschaftlerin, kann es die ersten Impfstoff-Tests an Menschen nach wenigen Monaten geben. Ein zertifizierter Impfstoff für einen weitreichenden Einsatz stehe laut der WHO-Chefwissenschaftlerin aber wohl erst in etwa anderthalb Jahren zur Verfügung.

© BR/Gut zu wissen

Das Immunsystem bildet nach dem Impfen passende Antikörper und bekämpft damit den Erreger. Die Gedächtniszellen merken sich den Erreger.