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Malaria-Mittel Hydroxychloroquin bei Covid-19 wohl unwirksam | BR24

© picture alliance / Klaus Ohlenschläger

Tübinger Tropenmediziner testen das Malariamittel Chloroquin als Medikament gegen das Coronavirus SARS-CoV-2.

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Malaria-Mittel Hydroxychloroquin bei Covid-19 wohl unwirksam

Hydroxychloroquin oder Chloroquin sind weit verbreitete, kostengünstige und sichere Medikamente gegen Malaria. In Labortests hatten sich die Mittel auch als wirksam gegen Coronaviren gezeigt. Doch bisher können sie die Erwartungen nicht erfüllen.

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Bislang gibt es kein zielgerichtetes Medikament gegen die von Sars-CoV-2 verursachte Lungenerkrankung Covid-19. Doch es wird intensiv daran geforscht. Experten setzen vor allem darauf, Medikamente einzusetzen, die bereits für andere Anwendungen erprobt sind. Diese müssten dann vor ihrer Zulassung nicht mehr so aufwendig getestet werden.

Chloroquin und Hydroxychloroquin sind eigentlich Medikamente gegen Malaria. Sie wirken aber auch gegen viele Viren wie das Hepatitis-B-Virus, sagen Forscher. Manche Wissenschaftler halten sie auch für wirksame Mittel gegen Sars-CoV-2. Das konnten sie zumindest bei Versuchen im Reagenzglas zeigen. Ob Hydroxychloroquin auch in der medizinischen Praxis wirkt, soll unter anderem eine Studie der Universität Oxford mit 40.000 Versuchspersonen aus dem Gesundheitswesen klären. Bereits veröffentlichte Untersuchungen konnten jedoch keine Erfolge bei der Behandlung von Covid-19 mit Hydroxychloroquin nachweisen.

WHO stellt klinische Studien mit Hydroxychloroquin ein

Eine Studie, die am 22. Mai 2020 im renommierten Fachmagazin "The Lancet" veröffentlicht wurde, ist mittlerweile zurückgezogen worden. Die Daten dahinter von der US-amerikanischen Firma "Surgisphere" waren möglicherweise frei erfunden. Basierend auf elektronischen Patientenakten von etwa 96.000 Patienten kamen die Autoren darin zu dem Schluss, dass Hydroxychloroquin und der verwandte Wirkstoff Chloroquin keinen Nutzen hätten. Im Gegenteil, sie könnten sogar die Sterblichkeit erhöhen. Am 15. Juni schließlich nahm die US-Arzneimittelbehörde FDA die Sondergenehmigung für die Malaria-Mittel Hydroxychloroquin und Chloroquin zur Behandlung von Covid-19 zurück. Am 17. Juni stellte auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die klinischen Studien zur Wirksamkeit des Medikaments Hydroxychloroquin im Kampf gegen das Coronavirus endgültig ein.

Bei der Einnahme der Malariamittel sei ein fünf Mal höheres Risiko für Herzrhythmusstörungen festgestellt worden, schrieb das Forschungsteam der Harvard Medical School in Boston und des Universitätsspitals Zürich. "Es gibt nicht nur keinen Vorteil, wir haben sogar einen sehr durchgängigen Hinweis auf Schädigung", wird Studienleiter Mandeep Mehra, ein Herzspezialist aus Boston, zitiert.

US-Studie zu Malaria-Medikament: kein positiver Effekt

Erste Ergebnisse einer US-Studie, die am 21. April 2020 veröffentlicht wurde, zeigten ebenfalls, dass das Malaria-Medikament wohl keinen positiven Effekt auf Patienten hat, die an der Lungenkrankheit Covid-19 leiden. Bei Patienten, die Hydroxychloroquin erhielten, habe sich sogar eine höhere Sterblichkeitsrate als in der Vergleichsgruppe ergeben, hieß es in einer noch nicht von unabhängigen Experten geprüften Studie. Die Studie wurde vom regierungseigenen Gesundheitsinstitut National Institutes of Health (NIH) mitfinanziert.

Sie befasste sich rückwirkend mit den Daten von 368 männlichen Covid-Patienten, die bis 11. April in Krankenhäusern für US-Veteranen behandelt worden waren. Von den Patienten waren 97 mit Hydroxychloroquin behandelt worden, 113 bekamen zusätzlich noch das Antibiotikum Azithromycin, 158 keines der beiden Medikamente.

Mehr zum Start der europaweiten Studie zu Medikamenten lesen Sie hier.

Chloroquin im Kampf gegen Corona sogar gefährlich

In zahlreichen Untersuchungen werden derzeit Medikamente oder Wirkstoffe getestet, die bereits im Zusammenhang mit anderen Erkrankungen entwickelt und untersucht wurden - darunter eben auch Chloroquin.

"Repurposing" nennen Fachleute diese Herangehensweise, bei denen bereits für einen bestimmten Zweck getestete Mittel für einen anderen Zweck eingesetzt werden. Die meisten der klinischen Studien laufen in China, weil es dort die größte Anzahl an Patienten gibt, die daran teilnehmen können.

Mit bekanntem Medikament Zeit bei der Zulassung sparen

Um klinische Studien kommt man auch bei bereits bekannten Mitteln nicht herum. Man spart allerdings bei der Zulassung eines Präparats Zeit. "In einem Zulassungsverfahren werden drei grundlegende Dinge geklärt, nämlich die Wirksamkeit, die Verträglichkeit und die technische Qualität eines Medikaments", erläutert Rolf Hömke, Sprecher des Verbands Forschender Arzneimittelhersteller (vfa). "Ist ein Medikament bereits für eine andere Anwendung zugelassen, ist die Verträglichkeit geprüft und die technische Qualität belegt. Nachgewiesen werden muss nach wie vor, dass das Mittel gegen die Krankheit wirkt."

Tübinger Tropenmediziner mit klinischen Tests

Bereits erforschte Wirkstoffe können also unter Umständen schneller in die Phase der klinischen Prüfung eintreten, in der das Medikamente Hydroxychloroquin oder Chloroquin, das in Deutschland auch unter dem Handelsnamen Resochin bekannt ist, an größeren Patientengruppen getestet wird - und dann bei erfolgreicher Testung auch schneller zugelassen werden könnte. So hatte das Tübinger Institut für Tropenmedizin am 23. März 2020 mit einer Studie an Menschen begonnen, wie Institutsdirektor Peter Kremsner mitteilte.

In China und Italien sind Kremsner zufolge sehr viele Covid-19-Patienten mit Chloroquin behandelt worden. Unklar sei aber, ob mit Erfolg, da die Erkrankten Chloroquin teils in sehr hoher Dosierung und gemeinsam mit vielen weiteren Medikamenten bekommen hätten.

"Es kann auch sein, dass es nicht wirkt oder sogar schadet", sagte Kremsner. Chloroquin könne zu Herzrhythmusstörungen führen, was für Patienten mit Herz-Kreislauf-Vorerkrankungen auf der Intensivstation schwierig sei, sagte der Bonner Virologe Hendrik Streeck in seinem Daily Podcast auf B5.

© Bayerischer Rundfunk/Abendschau

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