Türkische Filmtage Die Vielfalt des türkischen Films kennenlernen

Ein kommunistischer Bürgermeister tritt für ökologischen Landbau ein. Ein Schwimmer schafft es trotz Down-Syndrom in die Nationalmannschaft. Die Türkischen Filmtage präsentieren in ihrem Online-Programm außergewöhnliche Portraits.

Von: Markus Aicher

Stand: 16.04.2021

Junge mit blauer Badekappe im Schwimmbad | Bild: Türkische Filmtage

Eine filmische Reise durch ein Land, das geografisch und gesellschaftlich so vielschichtig ist wie ein Kontinent, das bieten die Türkischen Filmtage. 12 Spiel- und Dokumentarfilme von türkischstämmigen Filmemacherinnen und Filmemachern aus der Türkei sind zu entdecken, hinzu kommen 15 Kurzfilme. Zwei beeindruckende Dokumentationen zeigen einen Künstler mit Locked-In-Syndrom und drei Menschen mit Down-Syndrom, wie sie ihre Fähigkeiten ausleben und sichtbar machen können.

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#32TFM | Filmtipp - Chromosome Brothers / Kromozom Kardeşler | Bild: Türkische Filmtage München (via YouTube)

#32TFM | Filmtipp - Chromosome Brothers / Kromozom Kardeşler

Oder man sieht in Ali Özels beeindruckendem Spielfilm "Boskir – Die Steppe“, was passiert, wenn ein gigantisches Staudammprojekt auf dem Land ein ganzes Dorf verschlingt: Was bleibt übrig vom eigenen Leben und den Erinnerungen?

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Trailer: Bozkır / Steppe | Bild: Orient Express Film Festival - Bern (via YouTube)

Trailer: Bozkır / Steppe

Im gut kuratierten Programm und den Filmen des Festivals geht es um Liebe und Politik, um heilige Bäume und, religiösen Fanatismus. Man lernt in Eisegül Taschkents Dokumentarfilm "Ovatschik“ den charismatischen Bürgermeister eines 6000-Einwohner-Orts kennen, der bei der Kommunalwahl 2014 zum ersten und einzigen kommunistischen Bürgermeister der Türkei gewählt wurde. Auf seine Initiative hin betreibt die Bevölkerung dort heute eine nachhaltige, ökologische Landwirtschaft, deren Produkte in alle Teile der Türkei vertrieben werden. Ovacık wurde so zu einem Vorbild für ländliche Gemeinden in der Türkei und zu einer wichtigen Brücke zwischen Ost und West Musikakzent Die beiden Kurzfilmprogramme, betitelt "Frauenblicke“ und “Queer Panorama“, zeigen gesellschaftliche Gruppen, die besonders um Gleichberechtigung und Anerkennung ringen.

Einzelne Filme sind jeweils für 5 Euro zu sehen. Einen Festivalpass für 25 Euro gibt es auch. Sämtliche Filme haben englische oder deutsche Untertitel. Und so kann man in Zeiten, in denen Urlaub in der Ferne eher schwierig ist z.B. in Ümit Ünels poetisch-romantischem Drama "Love, Spells and all that" zusammen mit einer jungen Frau auf die vor Istanbul gelegene große Prinzeninsel Büyükada reisen, wo sie einst ihre erste Freundin fand. Oder man streift im Eröffnungsfilm des Festivals, "Invisible for the eye“ von Zejnepp Daddak, mit dem Blick eines armenischen Reiseschriftstellers aus dem 17. Jahrhundert durch die faszinierende kosmopolitische Metropole Istanbul. Ein essayistischer Dokumentarfilm und zugleich eine interessante visuelle Reise durch Gegenwart und Vergangenheit der vielschichtigen Bosporusstadt. Eine echte Entdeckung!