cloud*s*cape am Volkstheater München Trap und radikale Politik

Techno, Aktivismus und die politischen Gedanken der Generation Z – das junge Theaterlabel "Tacheles und Tarantismus" will das alles auf die Bühne bringen. Ihre Uraufführung "cloud*s*cape" im Volkstheater löst am Ende sogar noch mehr ein, als sie verspricht.

Von: Judith Rubatscher

Stand: 18.11.2021

Szene auf einer Theaterbühne | Bild: © Arno Declair

Es ist eine Welt aus mechanisch flimmernden Werbescreens und kühl verglasten Großstadtfassaden. Im Stück "cloud*s*cape" kämpft die junge Klimaaktivistin Susan verzweifelt gegen die Folgen der Klimakatastrophe, gemeinsam mit einer Gruppe junger Mitstreiterinnen und Mitstreiter. Ein dystopischer Alptraum, in dem Autor Tobias Frühauf die Urängste seiner Generation beschreibt, wie er sagt: "Wenn man sich da reindenkt oder auch verschiedene Berichte dazu liest, wie jetzt wieder bei der Klimakonferenz in Glasgow, dann erlebt man oft eine Ohnmachtserfahrung. Es war uns wichtig, die zu kanalisieren und in einem Stück zu verarbeiten."

Neue Musik und futuristische Bühnen

Gemeinsam mit seinem Cousin und besten Freund Philipp Wolpert bildet Frühauf das Theaterlabel "Tacheles und Tarantismus". Beide sind Mitte Zwanzig, tragen Hoodie und Käppi. In der Szene haben sie sich einen Namen gemacht mit ihren Hybrid-Konzepten, in denen sie Theater verbinden mit neuen Musikgenres und futuristischen Bühnenshows. Regie führt Phillip Wolpert: "Es ist eine Herausforderung, die Temperamente zusammenzubringen – Schauspieler, eine Rapperin, Aktivisten. Aber auch die Stärke, dass in dieser Reibung ein künstlerischer Flow entstehen kann. Das ist ja nicht nur das Stück, sondern auch die Musik – das ist alles in den Proben entstanden."

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BR - Kultur Müssen wir uns bald auf Ökoterroristen einstellen? Klar ist: Die Politik tut nicht genug gegen den #Klimawandel. Welche Konsequenzen die #Zivilgesellschaft daraus ziehen könnte, erforscht das Theaterstück "cloud*s*cape" ab heute am @volkstheater. https://t.co/72EIh9ZvFp

Müssen wir uns bald auf Ökoterroristen einstellen? Klar ist: Die Politik tut nicht genug gegen den #Klimawandel. Welche Konsequenzen die #Zivilgesellschaft daraus ziehen könnte, erforscht das Theaterstück "cloud*s*cape" ab heute am @volkstheater. https://t.co/72EIh9ZvFp | Bild: BR_Kultur (via Twitter)

Mit elektronischen Sounds erzählt "cloud*s*cape" von einer Zukunft, in der das Wasser der schmelzenden Pole aus der Dusche kommt und in der alles, was es zu verlieren gibt, die Followerzahlen auf Instagram sind. Für die Musikshow hat das Label die deutsche Rapperin Antifuchs engagiert, die ihr Gesicht auf der Bühne hinter einer schwarzen Fuchsmaske versteckt hält: "Sonst sind eher Festivalbühnen mein Metier. So ein großes Theater ist natürlich was Besonderes für mich. Das fühlt sich nach Verantwortung an."

Die Operette des 21. Jahrhunderts

Zu wummernden Bässen performt die Rapperin im Hochzeitskleid auf einer riesigen Schaukel, später mit Pistole und pinkem Pelzmantel auf dem Dach eines Range Rovers. Als Musik hat sich Autor Tobias Frühauf gewünscht: Trap – eine Form von Hip-Hop mit minimalistischen Beats und zurückgelehntem Flow, die sich in den Musikvideos gern selbst zelebriert: "Scherzhaft sagen wir immer: Trap ist die Operette des 21. Jahrhunderts, weil es mit seiner Videoästhetik immer mit Pomp und Bling-Bling aufgeladen ist. Deswegen spielen wir mit diesen Operettenklischees und schauen aber auch, wie wir die brechen können", erzählt Frühauf.

Weil in "cloud*s*cape" die jungen Aktivistinnen und Aktivisten nicht ankommen gegen den verhassten Politiker Kassler, wächst die Verzweiflung. Sie beschließen, zu härteren Methoden zu greifen und radikalisieren sich Schritt für Schritt. Und das hat böse Folgen. Ob die jungen Menschen es schaffen, ihre Kräfte konstruktiv zu bündeln und das Ruder im letzten Moment doch noch in die richtige Richtung zu reißen? Ein Stück, das Angst macht und nachdenklich stimmt. Vor allem aber macht es Lust – auf Tanzen und darauf, loszustürmen und etwas in dieser Welt zu verändern.

Die Premiere am 19.11.2021 ist ausverkauft. Bis Mitte Dezember läuft das Stück aber noch im Münchner Volkstheater. Mehr Informationen und Tickets gibt es hier.