Ratsbegehren Kammerspiele Ingolstadt Bekommt Ingolstadt ein zweites Stadttheater?

Am Sonntag werden die Ingolstädter entscheiden, ob die Stadt ein zweites kleines Theater, die Kammerspiele, bekommt. Das hatte der Stadtrat im Winter beschlossen. Doch ein Bürgerbegehren hatte Einspruch erhoben.

Von: Axel Mölkner-Kappl

Stand: 22.07.2022 | Archiv

Stadttheater Ingolstadt | Bild: André Georschel

Das Gebäude des Ingolstädter Stadttheaters ist in die Jahre gekommen. Der sogenannte Hämerbau wurde 1966 eröffnet und braucht dringend eine Generalsanierung, darin zumindest sind sich alle einig.

Der Plan der Kammerspiele

Nicht in die Jahre gekommen sind die Inszenierungen des Stadttheaters. Gerade haben die Ingolstädter Theatermacher beim ersten bayerischen Theatertreffen für junges Publikum mit dem Namen Südwind bewiesen, was sie können. Das Stadttheater hat unter Intendant Knut Weber seit 2011 mit dem eigenen Ensemble einen phantasievollen Spielplan entwickelt – im klassischen Großen Haus, im Jungen Theater und auch im Bereich des Musiktheaters.

Jetzt fürchtet Knut Weber um seine Arbeit, sollte am Sonntag beim Ratsbegehren der Neubau der Kammerspiele abgelehnt werden. Denn sie sind Teil eines großen Konzepts, das folgendermaßen aussieht: "Man baut eine Ersatzspielstätte, die für die Dauer der Sanierung sowohl für das Große Haus als auch für den Festsaal als Spielstätte gilt. Und nach der Sanierung steht dann dieses Theater als neues kleines Haus zur Verfügung."

Bürgerbegehren der Freien Wähler

Das wären die sogenannten Kammerspiele. Im Dezember letzten Jahres wurde nach langer Diskussion der Neubau mit 38:11 Stimmen beschlossen. Die im Stadtrat unterlegenen Freien Wähler initiierten daraufhin ein Bürgerbegehren. Dem schlossen sich auch Bürgerinnen und Bürger an, die nicht bei den Freien Wählern sind. Armin Herker ist parteilos und einer der Sprecher des Bürgerbegehrens. "Generell ist es so, dass es bei dem Stadtratsbeschluss ja darum geht, dass ein sehr großes Gebäude an einer sehr ungeeigneten Stelle gebaut werden soll", sagt Herker. "Dieses Gebäude wird an einer Luftschleuse zur Donau hin gebaut und ein Park mit 49 Bäumen verschwindet dort teilweise. Die Tiefgarage wird sehr reduziert, 22 Prozent weniger Parkplätze, es verschwinden 130 Parkplätze komplett."

SPD-Oberbürgermeister Christian Scharpf hat in seiner bislang zweijährigen Amtszeit das Projekt vorangetrieben und die Stadtratsentscheidung herbeigeführt. Er betont, dass die Stadt für die Kammerspiele 19 Millionen der Baukosten von 45 Millionen Euro zahlen muss, weil der Freistaat Bayern den größten Teil des Neubaus finanziert. Er betont auch, dass sich die Bevölkerung Ingolstadts seit dem Bau des Großen Hauses auf mittlerweile 140.000 Menschen verdoppelt hat und ein zweites Theater notwendig sei.

Reicht nach der Sanierung ein Theater?

Die Gegner sprechen sich wie die Stadt für eine Sanierung des bestehenden Stadttheaters aus. Das sei in den vergangenen Jahren versäumt worden. Aber sie meinen, dass das bisherige Stadttheater nach einer Sanierung ausreicht und bringen einen anderen Kulturbegriff ins Spiel: "Ich bin eigentlich für viel mehr Kultur und lokale Umsetzung der Kultur in Ingolstadt", sagt Armin Herker, Sprecher des Bürgerbegehrens. "Das beispielsweise in den Stadtteilen sehr viel mehr gemacht wird für Senioren, für junge Leute, wo es dann kleinere Bürgerhäuser oder Veranstaltungsräume gibt."

Die Entscheidung am Sonntag – wie auch immer sie ausfällt – wird für das Stadttheater Ingolstadt gravierende Folgen haben. Intendant Knut Weber macht sich im Falle einer Ablehnung der Kammerspiele große Sorgen: "Es gibt keinen Plan B. Und wenn es wirklich so ausgehen sollte, dann müsste vermutlich ein Theaterzelt errichtet werden. Das ist ökologisch absolut desaströs – und ökonomisch mit etwa 15 Millionen Euro Kosten für den Zeitraum eine Größenordnung, die auch unsinnig ist."