Brechtfestival Augsburg Computer Courage – Brecht als Online-Experiment

Erstmals wird das Brechtfestival digital stattfinden. Damit daraus mehr wird als abgefilmtes Theater, sollten die Kunstschaffenden möglichst wild und crossmedial austoben. Und: Der Fokus liegt diesmal nicht nur auf Brecht.

Stand: 23.02.2021

Frau und Mann sitzen in Dusche gegenüber, getrennt von einer Wand | Bild: Hamdemir Isletme

Am 26. Februar startet das Brechtfestival 2021, erstmals als reine Online-Ausgabe. Für die teilnehmenden Kunstschaffenden natürlich eine besondere Herausforderung. Nach einem Jahr Theaterpandemie erwartet das Publikum schließlich mittlerweile innovative Lösungen für das Problem digitaler Bühnen ohne physische Publikumspräsenz. Der Stream alleine reicht da nicht mehr.

Fokus: Frauen hinter Brecht

Winnie Böwe und Felix Kroll geben Brecht im Zeitraffer

Entsprechend bunt ist der Mix aus Ansätzen, den die 23 Produktionen gefunden haben. Die Bolschewistische Kurkapelle Schwarz-Rot etwa hat ihre Auftritte auf den pandemieleeren Straßen auf die Häuserwände gebeamt. Und da Menschen vor Bildschirmen naturgemäß über eine kürzere Aufmerksamkeitsspanne verfügen, gibt es das Songsspiel "Happy End" als Zeitraffernummer für Gäste, die es eilig haben.

Thematisch soll es diesmal nicht nur um den Namensgeber des Festivals gehen, sondern auch um die Frauen in seinem Schatten. Caroline Kapps Autorinnenschaftskrimi "Broken Brecht" behandelt den Kriminalfall eines geschändeten Brecht-Denkmals. Es geht um Erinnern und Verbrechen im Umfeld der "Brecht-Fabrik". Zu Wort kommen dabei vor allem die Frauen, mit denen Brecht zusammengearbeitet und die ihn beeinflusst haben und für die es heute keine Denkmäler gibt.

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Trailer - Brechtfestival 2021 - #digitalbrecht | Bild: Bertolt Brecht (via YouTube)

Trailer - Brechtfestival 2021 - #digitalbrecht

Höhere Barrierefreiheit

Die Zeichner in Katia Fouquet und die Schauspielerin Sophie Rois steuern zusammen den Trickfilm "Die unwürdige Greisin" bei. Brechts Erzählung handelt von einer 71-Jährigen, die nach einem knochenharten Leben und dem plötzlichen Tod ihres Mannes noch einmal aufblüht – was ihren Kindern freilich mitnichten in den Kram passt.

Zeichnung und Kolorierung sind Teil des Trickfilms

Das Besondere an der Produktion: Der Trickfilm soll Menschen mit eingeschränkter Lesefähigkeit bessere Teilhabe an Brechts Texten ermöglichen. Man kann Katia Fouquet dabei zusehen, wie sie mit Bleistift und Pinsel Brechts unwürdige Greisin in expressionistische Bilder übersetzt. Den Text dazu, der in einfacher Sprache gehalten ist, liest mit viel Witz und gewohnt reibeisig Sophie Rois.

Hörfilm mit Lina Beckmann und Charly Hübner

Die einflussreichste dieser "Frauen neben Brecht" ist Helene Weigel. Über zwanzig Jahre war die in Österreich geborene Schauspielerin nicht nur Brechts Geliebte und später Ehefrau, die viele andere Brecht-Geliebte diskret übersehen sollte, sondern vor allem dessen künstlerischer Widerpart und engste Komplizin. Von dieser intimen wie intellektuell stimulierenden Beziehung zeugt der Briefwechsel des Paars. Für das Brechtfestival haben ihn nun die Schauspieler und Eheleute Lina Beckmann und Charly Hübner unter dem Titel "HelliBert und PandeMia" inszeniert – als Hörfilm. Während Beckmann und Hübner sich im kratzig nach alten Schellack-Platten klingenden Off wechselseitig den Text vorlesen, zeigt das Schauspieler-Ehepaar im "Stummfilmbild" Szenen einer Ehe in der Pandemie.

Die Digitalausgabe des Brechtfestivals findet vom 29. Februar bis zum 07. März 2021 statt. Der Festivalpass kostet 12 Euro, der Sparpass für Studierende und Schüler 7 Euro. Hier geht's zu Programm, Tickets und Livestreams.