Miroslava Svolikova am Theater Bamberg Gott ist drei Frauen

Gott ist kein weißer, weiser Mann, Gott ist drei Frauen. Zumindest im Stück der vielfach ausgezeichneten Theaterautorin Miroslava Svolikova, das am 21. Januar Premiere im Bamberger ETA-Hoffmann Theater hatte.

Von: Sandra Jozipovic

Stand: 21.01.2022

Drei Frauen in dunklen hautengen Anzügen, auf dem Boden liegen zwei Männer. | Bild: Theater Bambereg

Große kugelförmige Lampen, die spiralförmig auf der Bühne verteilt sind und Techno-Musik. Drei Frauen in Lack- und Lederoutfits stehen dazwischen. Die drei betrachten aus ihrer göttlichen Sphäre die Erde. Die Göttinen überlegen sich, ob sie alles, was schiefgelaufen ist, rückgängig machen und nochmal von vorne anfangen. "Gleichzeitig sehen wir die gleiche Geschichte aus der Perspektive der Erde", erklärt Regisseur Jakob Weiß. "Die spricht auch und dann erleben wir es auch noch aus der Perspektive des Menschen. Der heißt in dem Stück Jens und spricht prototypisch für die gesamte Menschheitsgeschichte."

Für Weiß war es besonders wichtig, das göttliche Prinzip auf der Bühne umzusetzen. In dem Stück "Gott ist drei Frauen" der 1986 geborenen österreichischen Autorin Miroslava Svolikova tauchen viele historische Verweise auf. Aber haben wir es wirklich mit drei Göttinnen zu tun oder mit drei Frauen, die denken, dass sie Göttinnen sind? Bei der Umsetzung hat dem Regisseur Jakob Weiß das Bühnenbildkonzept geholfen: "Weil ich versucht habe, einen abstrakten Raum zu schaffen, der viele Assoziationen zulässt und der auch gleichzeitig konkret ist, dass man das Ganze verorten kann."

Auch Göttinnen sind Hedonisten

Das ist in unserem Fall ein Techno-Club und gleichzeitig das Universum. Und in dieser Ambivalenz bewegen sich die Figuren auf der Bühne. Damit ist nie klar: Denken sie, dass sie die Erde sind oder sind sie die Erde, die spricht. Und dadurch schafft es die Inszenierung hoffentlich, genauso wie der Text, Assoziationsräume frei zu machen. In "Gott ist drei Frauen" wird der Zuschauer mit den Abgründen der Menschheit konfrontiert: Hass, Habgier, Krieg und Zerstörung der Erde. Der Mensch, der in Form von "Das Jens" auftritt, kommt dabei nicht gut weg. Nicht nur die drei Göttinnen, sondern auch die Zuschauer stellen sich die Frage, ob es die Menschheit wirklich wert ist, die Welt weiter zu bewohnen. "Wenn man sich die Zeitspanne der Erde anschaut ist der Mensch doch nur ein vielleicht vorübergehendes Phänomen. Damit sollten wir uns alle auseinandersetzen und müssen es auch in Zeiten des Klimawandels und globalen Pandemie", findet die Dramaturgin Victoria Weich. "Da ist unsere Interpretation, dass die Göttinnen oder auch Gott schon auch hedonistisch ist und gerne eine Partys feiert und auch ungestört sein möchte, während es die Menschen mal selber auf die Kette kriegen sollen."

Den Club auf die Bühne geholt

In "Gott ist drei Frauen" tauchen immer wieder popkulturelle Verweise auf, welche an die feiernde Millenium-Generation erinnern. Weil Regisseur Jakob Weiß in der Pandemie nicht in den Club konnte, hat er zumindest den Club auf die Bühne geholt: In einer teilweise sehr düsteren Techno-Party-Version, die den Zuschauer wie in einem Drogenrausch mit herunterzieht. "Eigentlich sollte das Stück im vergangenen Jahr uraufgeführt werden sollen. Hätte ich es letztes Jahr gemacht, wäre es ein bisschen witziger geworden. Jetzt wird es schon sehr düster, weil sich meinem Empfinden nach die Weltlage eher verdüstert hat oder auch mein Empfinden."

Die Musik und der Tanz als Befreiung, das Loslassen und der Rausch. In "Gott ist drei Frauen" findet die Party auf der Bühne statt – in die kann der Zuschauer im ETA-Hoffmann Theater eintauchen und sich vom Disko-Rauch benebelt mit dem Dasein und den Abgründen der Menschheit beschäftigen.

Gi3F ("Gott ist drei Frauen") von Miroslava Svolikova wird am 21.01.2022 am ETA-Hoffmann Theater in Bamberg uraufgeführt.