KulturBühne LiveSession Philip Bradatsch spielt im Trikont-Schuppen

Sein letztes Album „Jesus von Haidhausen“ ist im April erschienen, doch mittlerweile hat er fast schon wieder ein neues beisammen: der Folk-Musiker Philip Bradatsch. In Zusammenarbeit mit dem Weihnachtsound von Bayern 2 haben wir ihn zum Konzert ohne Publikum getroffen – und nachgefragt, wie er sich durch dieses seltsame Jahr geschlagen hat.

Von: Max Büch

Stand: 11.12.2020 | Archiv

Philip Bradatsch im Konzert aus der Trikont-Scheune für die KulturBühne LiveSession und den Bayern 2 Weihnachtsound | Bild: BR

Es ist eines dieser Alben, das mitten ins schwarze Corona-Loch gefallen ist: Am 20. März ist es das letzte Album von Philip Bradatsch "Jesus von Haidhausen" erschienen. Pünktlich zum ersten Lockdown: keine Live-Präsentationen und kaum mehr Raum in den Medien für Themen abseits der globalen Pandemie. Mit dem Album, das beim Münchner Independent-Label Trikont erschienen ist, hat der Allgäuer Bradatsch auf deutsche Texte gewechselt und es geschafft, den amerikanischen geprägten Folk-Sound beizubehalten und so mit dem Deutschen zu verknüpfen, dass es organisch und authentisch klingt. Ein Cowboy aus Kaufbeuren.

Die ersten zwei, drei Monate nach dem Lockdown hing der Folk-Musiker erst einmal in der Luft und wusste nicht, wo ihn der Kopf steht. In der Zeit habe er überhaupt nichts geschrieben. Aber dann – als klar war, dass Corona nicht nach ein paar Wochen wieder vorbei sein würde – habe er auf einmal unfassbar viel getextet. Ein ganzes Album habe er schon wieder beisammen, das er in diesem Winter noch aufnehmen möchte.

"Das Lustige ist eigentlich, dass die Songs, die ich jetzt geschrieben habe, die hoffnungsvollen und fröhlichsten sind, die ich jemals geschrieben habe", erklärt Bradatsch, "Vielleicht ist das auch so eine Gegenreaktion, dass man sagt, kein Mensch braucht jetzt irgendwie Musik, die einen noch mehr runterzieht. Oder vielleicht macht man das auch selbst nicht."

Vielleicht wolle Bradatsch sich also selbst auch ein bisschen Hoffnung machen beim Schreiben: "Es muss ja nicht alles wieder normal werden. Wir müssen ja nicht unbedingt dahin zurückkommen, wo wir vorher waren, weil das ja auch nicht alles so supercool war. Aber dass man einfach darauf hofft, dass es irgendwie nach dieser ganzen Sache auch wieder eine strahlende Zukunft gibt."

LiveSession mit Philip Bradatsch: Sonntag, 13.12. – 19 Uhr

Vor kurzem hat Bradatsch einen Gastbeitrag für die Süddeutsche Zeitung und deren Serie "Bühne? Frei!" geschrieben, in der er sich an Begegnungen der anderen Art auf seiner letzten Tour erinnert und dann auf die Situation der Künstler in der Pandemie zu sprechen kommt: "Auf einmal fühlten wir uns alle wie Vergessene. Übergangene, die von keinem gesehen werden wollten" schreibt er zum Ende seines Textes. "Denn es ist nicht die Kultur, die ihr retten müsst, verdammt noch mal. Die ist eh konserviert, wenn nicht für immer, dann bestimmt für 500 Jahre oder so. Schon mal in 'nem Museum gewesen, Sportsfreund? Nein, die Kultur ist das Einzige, das euch retten kann."

Vielleicht stecken wir unser Geld für Weihnachtsgeschenke dieses Jahr einfach in ein paar CDs oder Platten, oder kaufen schon mal Konzertkarten für 2021 oder finden sonst eine Möglichkeit, Künstler*innen zu unterstützen. Wir finden da schon was. Und wir tun das schließlich nicht nur für die – auch für uns selbst.