Christian Ulmen liest "Per Anhalter durch die Galaxis" von Douglas Adams

Es gibt sie, Science-Fiction-Fans mit Sinn für Humor! Der Beweis? Nein, nicht "Star Wars", sondern "Per Anhalter durch die Galaxis" von Douglas Adams. Christian Ulmen liest für alle, die ihren Verstand nicht verlieren, wenn Aliens auf der Bildfläche erscheinen.

Von: Martin Zeyn

Stand: 30.12.2020 | Archiv

Christian Ulman bei einer Lesung am Tisch mit Mikrofon | Bild: dpa/picture alliance

Zugegeben, wir SciFi-Anhänger sind einfach zu kriegen: schon ein Raumschiff und ein paar Aliens reichen, um uns an den Bildschirm zu bannen und unsere elementaren Grundkenntnisse der Physik in die Tonne zu treten – Licht, auch das von Lichtschwertern, bleibt nicht einfach mal so stehen. Und wenn dann zwei Sonnen über einem Wüstenplaneten aufgehen wie im ersten Star-Wars-Film oder Berge in der Luft schweben wie bei einem Mobile, das durch die PSI-Kräfte eines ziemlich bekifften Gottes gehalten wird, dann sind wir schon zufriedengestellt.

Aber selbst unsere Langmut, ja Demut ist erschütterbar. Als die Drehbücher für die Star-Wars-Reihe offenbar auch für Unter-Sechsjährige verständlich sein mussten, als keine Vorspultaste mehr ausreichte, um über die dramaturgischen Wiederholungen hinweg zu spulen, da begannen die Klügeren unter uns, sich wieder Stanislav Lem und Philip K. Dick zuzuwenden. Oder – sofern mit Humor gesegnet – "Per Anhalter durch die Galaxis" von Douglas Adams.

Kleinlichkeit und Bürokratie statt große Fragen

Hier geht es nicht um die ganz großen Fragen, nicht um den ewigen Kampf Gut gegen Böse, nicht um die Feuerkraft von Todessternen oder die Reproduktionsfähigkeit von Parasiten, in deren Adern Säure fließt. Hier geht es um Bürokratie, Tipps fürs Trampen und die Frage, was schlimmer ist: im luftleeren Raum zu ersticken oder vogonischer Lyrik zu lauschen – überraschend viele Kennerinnen und Kenner plädieren übrigens ganz entschieden für Letzteres. Und ja, natürlich ist ein Unwahrscheinlichkeitsantrieb um keinen Deut unwahrscheinlicher als ein Sporenantrieb oder die Erschütterung der Macht, weil ein entfernter Planet mal eben ausgelöscht wurde. Nur um vieles lustiger, etwa wenn uns dieses technische Geniestück mit dem exquisiten inneren Monolog eines fliegenden Wales beglückt, der sich fragt, was dieses seltsame, rasend schnell auf ihn zukommende Etwas sein könnte – dummerweise ist es ein Planet.

Ewige Antwort: 42

Abgesehen von dem Humor, der in Sturzbächen aus dem Absurden hervorsprudelt, bietet "The Hitchhiker's Guide to the Galaxy" noch etwas zutiefst Menschliches: den Sinn für die Wichtigkeit von Details. Tja, und dabei zeigt es sich, dass uns nicht nur die Pathosschleuder der großen Fragen, sondern gerade die Erörterungen zutiefst kleinlicher Probleme im galaktischen Maßstab zu fesseln vermögen. Und die Antwort auf alles (42!) ist gar kein Rätsel, sondern ein Gegengift gegen die menschliche Hybris. Warum bin ich so unglücklich? 42!

Don't Panic - Keep Calm!

Entstanden ist dieses Schmuckstück britischen Humors als Hörspielserie für die BBC – und beim BR gab es eine entzückende deutsche Adaption. Christian Ulmens Lesefassung ist deutlich nüchterner, selbst vogonische Drohungen liest er mit der Stimme eines übernächtigten Türstehers in St. Pauli, der dich nie und nimmer reinlassen wird, egal wieviel du ihm auch noch vorjammern wirst. Keep calm – auch wenn die Vogonen gerade deinen Planeten sprengen.

Die sechsteilige Lesung "Per Anhalter durch die Galaxis" mit Christian Ulmen startet am 1. Januar 2021 (Bayern 2, 14:30 bis 15:00 Uhr), danach folgen fünf einstündige Lesungen in den radioTexten am Donnerstag (21:05 bis 22:00 Uhr, bis inklusive 4. Februar).

Im unserem Lesungen-Podcast kann diese Aufnahme mit freundlicher Genehmigung der Rechte-Inhaber bis zum 11. Februar 2021 angeboten werden. Die ungekürzte Lesung ist im Hörverlag erschienen.