Festival zum Thema Klima "Was produzieren wir noch außer Kultur, was produzieren wir noch außer Müll?"

In dieser Woche beginnt in rund 20 bayerischen Städten ein Festival der Künste, das sich mit dem Thema Klima im wörtlichen wie im übertragenen Sinne auseinandersetzt: "Kunst. Klima. Kunst.". Es geht um den weltweiten Klimawandel, aber auch um das kulturelle Klima, etwa das Debatten-Klima, das ja oft nicht minder erhitzt ist. Den Auftakt zu diesem einjährigen bayernweiten Festival bildet das "Water & Sound"-Festival in Augsburg. Ein Gespräch mit der Initiatorin dieses großen Festivals, der Leiterin des Vereins "Stadtkultur - Netzwerk bayerischer Städte", Christine Fuchs.

Von: Knut Cordsen

Stand: 27.07.2022

Etran De L'Aïr
| Bild: Abdoulmoumouni Hamid

Knut Cordsen: Frau Fuchs, Wälder brennen, Dürren plagen uns. Hitzewellen gehen über uns hinweg. Das heißt: Die Auswirkungen des Klimawandels sehen wir jeden Tag in den Nachrichten, wenn wir sie nicht gar am eigenen Leib spüren müssen. Der Zyniker in mir sagt: Einen geeigneteren Zeitpunkt für den Start Ihres Festivals hätten Sie sich schwerlich ausmalen können, oder?

Christine Fuchs: Ja, das ist leider richtig. Und das ist nicht der Zyniker, der das sagt, sondern das ist die Realität. Und das ist auch der Grund, warum wir dieses Festival starten.

Um was konkret wird es beim Augsburger Water und Sound Festival gehen?

In Augsburg geht es um Wasser und um die Verbindung von Wasserläufen und Kultur. Der Ansatz ist, dass Wasserräume auch Kulturräume sind. Das Festival wird etwa afrikanische Musik vorstellen, die sich rund um das Thema Wasser dreht. Auslöser dafür ist das UNESCO-Kulturerbe der Stadt Augsburg mit dem legendären Wasserturm. Das Wassersystem von Augsburg ist ein ganz wichtiger natürlicher kultureller Aspekt in diesem Projekt.

Sie haben es schon erwähnt: Augsburgs Wassermanagement-System ist weltweit preisgekrönt. Und jetzt werden zum Beispiel Künstler aus der Sahara in Augsburg zugegen sein. Wird es dann auch ein wechselseitiges Lernen sein, was da angestrebt ist? Oder geht es über den musikalischen Aspekt, den Sie gerade erwähnt haben, nicht hinaus?

Es gibt Diskussionen zum Thema Wasser. Die Wassersituation in der Sahara betrifft uns, da wir alle auf diesem Globus leben, auch das Thema des Klimawandels. Es geht um Austausch, um gegenseitiges Lernen und ein Stück von gegenseitigem Lernen ist vielleicht auch, dass die Stadt Augsburg nicht nur die Konzerte hat, die sie einbringt, sondern auch ein urbanes Ritual: Eine Geschichte, die mit dem Wasservogel zu tun hat. Der wird morgen durch Augsburg getragen, von Musik begleitet, ein Stück Kunst im öffentlichen Raum.

Festivals sind ja oft mit viel Verkehr verbunden, mit Flugverkehr, wenn internationale Künstlerinnen und Künstler reisen. Wir leben in einer Zeit, in der jeder Flug schon einen moralischen Berechtigungsschein erfordert. Sind Festivals in Zeiten des ökologischen Fußabdrucks überhaupt noch vertretbar?

Also so pauschal wird man das nicht weder bejahen noch verneinen können. Ich denke, wir sind in einer Zeit, in der wir sehr genau schauen müssen, was produzieren wir noch außer Kultur, was produzieren wir noch außer Müll? Also wir müssen die Dinge ins Verhältnis setzen. Und ich glaube, dass das eine wichtige Aufgabe ist für die Zukunft.

So ein Kunstfestival kann dann seinerseits eine gewisse Klimafreundlichkeit, wenn nicht Klimaneutralität garantieren?

Es geht auch hier nicht ums Garantieren, es geht darum, die Themen anzusprechen. Parallel zum Festival werden wir eine Schulungsreihe anbieten zum Thema "klimaneutrale Festivals". Auch das ist ein Lernen, ein gemeinsames Bemühen. Es gibt eine ganze Reihe von Ansätzen, die in den verschiedenen Städten schon praktiziert werden. Da muss man an der einen oder anderen Stelle Schräubchen drehen und vielleicht statt des Pappbechers doch einen Container aufstellen, wo die Tassen gespült werden. Es ist viel möglich dabei und dafür werben wir.

Wenn wir jetzt mal vom realen Klimawandel und seinen Problemen, von der globalen Klimakrise absehen und das kulturelle Klima in den Blick nehmen, das Debattenklima zum Beispiel, das viele ja als vergiftet und erhitzt erleben. Wie kann da ein Festival wie das Ihre für eine Verbesserung der Gesprächskultur sorgen?

Das ist eine sehr große Frage, die ich sicherlich auch nicht beantworten kann. Aber ich sage mal, wie wir an die Sache rangehen: Wir schaffen einen Diskussionsraum mit diesem Festival. Dieser Diskussionsraum wird ein Jahr lang bestehen - und wir fragen nach Beiträgen: Was meint ihr dazu? Was habt ihr für Ideen? Wir laden die Künste und auch die Künstler ein, sich Gedanken zum Thema Klima zu machen. Wir wollen nicht sagen: Ihr müsst die und die Richtlinien einhalten, sondern wir wollen sensibilisieren für das Problem. Ein ganz zentraler Punkt ist, dass wir einerseits die Künste und die Künstler fragen und gleichzeitig aber auch bei den Veranstaltern und der Verwaltung ansetzen. Wir wollen die Produktionsbedingungen für Kunst, die sogenannte Betriebs-Ökologie genauso mit hineinnehmen wie die künstlerische Kreativität, die vielleicht ganz, ganz andere und viel bessere Lösungen findet, als das allein die Verwaltung könnte.

Augsburg ist ja nur der Auftakt zu einem bayernweiten Festival. Sie haben es jetzt schon mehrfach erwähnt mit Veranstaltungen zum Beispiel in Ansbach, in Ingolstadt, in Kempten, Regensburg, Traunstein oder Würzburg, um nur einige wenige Orte zu nennen. Und es ist ein "offenes Festival-Format", was genau bedeutet das?

Offenes Festival-Format heißt, dass weitere Veranstaltungen hinzukommen können, in unserem Kalender ist noch Platz. Wir wollen ein kulturelles Klima schaffen für eine klimafreundliche Kultur, und wir wollen die Idee einer solchen Kultur mit einer positiven Dynamik versehen.