"Magnus – Trolljäger" Komisches Serien-Juwel aus Norwegen

Ein Mordfall, ein linkischer Ermittler – und ziemlich schräge Polizeiarbeit: "Magnus – Trolljäger" treibt Figuren und Handlung durch alle möglichen Filmgenres. Und erzählt dabei auch noch Freundschaft und Verlust. Sehenswert!

Von: Katja Engelhardt

Stand: 12.02.2021

Irgendwo in einem ländlichen – und natürlich verschneiten – Teil von Norwegen ereignet sich ein Mord. Eine junge Frau wird tot in ihrem Hotelzimmer aufgefunden. Und ihre Begleitung, ein bekannter Schauspieler, ist verschwunden. Das ist eine große Sache in dieser ruhigen Gegend. Ein Fall für äußerst fähige Ermittler. Beauftragt wird aber: Magnus Undredal. Die Lachnummer der örtlichen Polizei.

Spektakel zwischen Comedy und Fantasy

Wieso bekommt Außenseiter Magnus diesen Fall? Weil die Serie "Magnus – Trolljäger" kein klassischer Krimi ist. Eher ein Comedy-Fantasy-Spektakel. In dem unter anderem dann auch mal ein Mordfall gelöst wird. Bis es so weit ist, findet Magnus einen Troll, dieses Wesen aus der nordischen Mythologie, taucht ein unbekannter Vorgesetzter bei der Polizeiwache auf, und haben amerikanische Geologen ein auffallend hohes Interesse am Fall.

"Magnus - Trolljäger" ist eine große Genre-Mischung, hier ist gerade "Action" angesagt

Ja, das klingt vor allem: durcheinander. Es passiert wirklich sehr viel in der Serie "Magnus – Trolljäger". Sie ist aber so gut geschrieben, dass sie in sich absolut schlüssig ist. Im Kern geht es ohnehin nicht um sagenhafte Trolle und geheime Machenschaften. Sondern um Freundschaft, Verlust, Isolation und wie man sie durchbricht. Das alles erleben wir durch Magnus, der vordergründig eine ziemliche Pappnase ist. Unter seinen Kollegen ist er berühmt-berüchtigt für seine wirren Theorien. In seinem Kopf mögen sie sinnvoll sein, für andere redet er schlicht: Dada.

Ein Außenseiter und seine Freunde

Dabei ist Magnus durchaus klug. Auf seine Art. Er ist zumindest schlau genug, um zu erfinden: Roboter und Maschinen. Die allerdings recht selten zum Einsatz kommen. Und wenn sie zum Einsatz kommen, funktionieren sie nicht. Und wenn sie funktionieren, dann haben sie eine skurrile Funktion. Wie der Raumverzerrer. Der verzerrt einen Raum optisch, sodass darin befindliche Personen ihr räumliches Sehvermögen verlieren. Und für den Rest der Episode ständig gegen Wände laufen.

Im Laufe der Serie wird Magnus' Umfeld immer verrückter: Magnus' Chef, Kollege Dan, ein Troll, Nikolaj, Magnus

Weggefährten findet Magnus in Dan, einem Polizeikollegen, und Nikolaj. Auch diese beiden sind Außenseiter. Der Witwer Dan ist lebensmüde, Nikolaj ein sehr schmächtiger Nachbarsjunge, der immer die Pfandflaschen seiner alkoholsüchtigen Mutter wegbringen muss. Die Serie "Magnus – Trolljäger" verhandelt das in vielen skandinavisch-schwarzhumorigen Witzen. Weil Magnus Nähe schwerfällt, würde er Dan und Nikolaj niemals seine "Freunde" nennen. Im Laufe ihrer ungewöhnlichen Ermittlungen werden die drei aber natürlich dennoch zu einer Gruppe. Und sind zusammen weniger allein.

Experimentierfreudiges Erzählen

Produzent Anders Tangen und Co-Autor Vidar Magnussen, der auch die Hauptrolle spielt, schöpfen erzählerisch so richtig aus dem Vollen. Sie bedienen sich fast jeden Genres: Comedy, Fantasy, Krimi, Drama, Love Story – auch brutale Momente sind dabei. Die Macher wechseln experimentierfreudig zwischen den Erzählformen. In einer Folge ist Magnus der Erzähler. Was er sagt, sehen wir direkt in Handlung umgesetzt auf dem Bildschirm. Weil Magnus aber betrunken ist und ständig Gesagtes revidiert, wird er zum sinnbildlich – und sehr unterhaltsamen – unzuverlässigen Erzähler.

An anderer Stelle wird ein Ausflug in die norwegische Mythologie als kleiner Zeichentrickfilm gezeigt. Und Magnus spricht sogar innerhalb der Serie von einem fiktiven Film. Er beschreibt ihn mit den Worten: "Fiktionale Gefühle von extremer Echtheit." Ein Widerspruch mit hohem Kunstanspruch. "Magnus – Trolljäger" ist kurios und smart. Und findet bei allen Ideen, Genres und bei allem Slapstick übrigens auch noch eine Auflösung für den Mordfall. Ein echtes Juwel zwischen den Produktionen für die ganz großen Streaminganbieter.

"Magnus – Trolljäger": 6 Folgen, jeweils etwa 30 Minuten lang, zu sehen noch bis zum 12. März in der ARD Mediathek.