Text statt Tracht Wiesn-Sonderlesung der BR-Sprecherinnen und -Sprecher

Die Theresienwiese macht Corona momentan so klar sichtbar wie kaum ein anderer Ort: nix los, wo sonst das größte Fest der Welt exzessiv gefeiert wird. Wir füllen die Leerstelle des Oktoberfestes – mit Texten von, über und am Rande der Wiesn. Ein Wiesn-Spezial der BR Sprech(er)stunden.

Von: Max Büch

Stand: 14.09.2020

Wann hat man die Theresienwiese zum letzten Mal so leer mitten im Sommer gesehen? Das Gras wächst in ungewohnte Höhen, Vogelgezwitscher und das Pfeifen des Windes sind ganz klar zu hören, und der Blick schweift ungehindert in die Ferne. An wahrscheinlich keinem anderen Ort in Bayern ist die Ausnahmesituation derzeit so deutlich sichtbar wie auf dem Austragungsort der Wiesn: Leere und Stille.

Das Oktoberfest fällt aus. Kein Krieg – Corona. Wo sich sonst das größte Volksfest der Welt schon seit den Sommermonaten seinen Weg bahnt, um in einem 16-tägigen, alkoholgeschwängerten Reizüberflutungsdauerwahnsinn zu kulminieren, ist (fast) nix los. Kein Bauen und kein Hämmern. Ein paar verlorene Palmen, ein Trampolin, ein Corona-Teststreifen und zwei, drei einsame Buden.

Sehnsucht nach der Wiesn

Man könnte sich glatt mit diesen ungezähmten, den wuchernden, den echten blumenbewachsenen Wiesn mitten in München arrangieren: mit dem Platz vor allem und der freien Durchfahrt für die Radler. Wenn man nicht doch den zweiwöchigen Hauch von Anarchie in der Stadt vermissen würde. Die Dunstglocke, die über diesem Areal hängt und die die allermeisten, nach ihrem Aufenthalt dort, mit einer leicht bis sehr schwer vernebelten Glückseligkeit wieder ausspuckt. Die fünfte Jahreszeit der bayerischen Kapitale, die den Übergang zur kalte Zeit in dumpfe Watte packt.

Natürlich fehlt da was im Herzen der Stadt – architektonisch wie emotional. Um zumindest die emotionale Leerstelle aufzufüllen und um die Hilfsaktion Sternstunden zu unterstützen, haben acht Sprecherinnen und Sprecher des BR in einer Sprech(er)stunde Texte als emotionale Pflaster eingelesen. Sie präsentieren sieben Geschichten von, über oder am Rande der Wiesn, gelesen und aufgezeichnet auf der Theresienwiese. Sieben Videos mit sieben Ständchen, die Sie über die 16 Tage ohne Wiesn hinwegtrösten. Ab jetzt in regelmäßiger Folge hier auf der BR KulturBühne. Bis es dann irgendwann wieder heißt: O'zapft is.

Wenn Sie die Hilfsaktion der Sternstunden unterstützen möchten, wenden Sie sich gerne mit einer Spende an:

IBAN: DE 67 7005 0000 0000 0510 00
Bayerische Landesbank München
Verwendungszweck: BR Wiesn-Spezial

Die Lesungen auf der BR-KulturBühne

Samstag 19.9.
Jerzy May: "Biergarten-Slam – eine Duettgeschichte"

Dienstag 22.9.
Anonymus: "Torsten macht Urlaub in Bayern"

Donnerstag 24.9.
Joseph Maria Lutz: "Der Kas und der Käse – eine gastronomische Plauderei"

Samstag 26.9.
Herbert Rosendorfer: "Briefe in die chinesische Vergangenheit"

Dienstag 29.9.
"#Wiesnwache": Collage aus Oktoberfest-Tweets der Polizei München

Donnerstag 1.10.
Thomas Wolfe: "Oktoberfest – Eine Erzählung"

Samstag 3.10.
Brigitte Veiz: "Bierzeltgedanken"