Ausstellung "Paradise Edict" im Münchner Haus der Kunst Halb Afrika, halb Europa - der Maler Michael Armitage

Michael Armitage schafft Kunst, die ihre afrikanische Herkunft betont, aber nie verleugnet, dass sie sich als Fortsetzung einer westlichen Malereitradition versteht. Das Haus der Kunst präsentiert nun die bisher größte Einzelausstellung des britisch-kenianischen Künstlers.

Von: Martin Zeyn

Stand: 02.09.2020

Porträt des Malers Michael Armitage, der vor einigen seiner Gemälde steht | Bild: © White Cube (George Darrell)

"Fast alle meine Arbeiten umkreisen Ostafrika, wo ich viel Zeit verbringe und wo viele Skizzen entstehen", sagte Michael Armitage in einem Interview. Der 1984 in Kenia geborene Armitage ist ein Maler, der in seinen Gemälden Afrika mit der europäischen Kunstgeschichte und popkulturellen Referenzen verbindet.

Die Teletubbies treffen auf Gauguin und Picasso. Scheinbar verdoppelt Armitage die Lust an Exotik – Affen, Kamele und Dschungel prägen seine Bilder. Auffällig, wie viele Bilder sexualisiert sind, die Männer mit überdimensionierten Geschlechtsteilen oder Afrikaner beim Sex mit einer weißen Frau zeigen. Reproduziert das den weißen Blick auf Schwarzafrika? Konterkarriert es ihn? In jedem Fall verdeutlicht es Klischees einer erotisch unterfütterten, imaginären Exotik.

Vielleicht braucht Amitage deswegen Abstand, um seine Kunst zu erschaffen: "Malen tue ich vorwiegend in London, wo ich mich in einer gewissen Entfernung zum Sujet befinde." Klar ist auch, er sieht den westlich-männlichen Blick auf Afrika als problematisch an. Ein Gemälde hat den Titel "#mydressmychoice". Es zeigt eine nackte, liegende Frau, oben im Bild sind die Füße von Männern zu sehen, die sie ganz offenkundig betrachten.

Malerei zwischen afrikanischer und westlicher Tradition

Michael Armitage malt nicht auf Leinwand, sondern auf Lubugo, einem tuchähnlichen Material. Seit Jahrhunderten gewinnt es der Stamm der Baganda in Süd-Uganda aus der Rinde der Natalfeige. Sehr vorsichtig, um nicht den Baum zu schädigen, wird die äußere Rinde in einem Stück vom Stamm gelöst. Anschließend wird der Baum mit nassen Bananenblättern umwickelt, damit er sich wieder regenerieren kann.

Ausschnitt des Ölgemäldes "The promise of change" von Michael Armitage

Traditionell wurde Lubugo bei wichtigen Zeremonien genutzt, etwa bei Krönungs- und Heilungsritualen sowie als Leichentuch. Michael Armitage entdeckte Lubugo 2011 an einem Touristenstand in Nairobi. Dabei ist das Material nicht nur ein außergewöhnlicher Farbträger seiner Gemälde, sondern es verortet seine Malerei in den Raum seiner Herkunft: "Das war extrem wichtig, denn es stellt meine Arbeiten in einen historischen Kontext. Denn die Malerei, auf die ich schaue, entstammt der westlichen Kunstgeschichte. Und ich wollte, dass meine Malerei auch die kulturelle Verwurzelung in Ostafrika dokumentiert."

Die Ausstellung "Paradise Edict" ist die bisher größte Einzelausstellung des britisch-kenianischen Künstlers. Sie läuft noch bis zum 14. Februar 2021 im Haus der Kunst. Zur Ausstellung ist außerdem ein Katalog im Verlag Walter König erschienen und angestoßen von "Paradise Edict" findet ein Austauschprogramm statt, an dem das Goethe Institut beteiligt ist.