Viva la vulva! Wir müssen reden. Über die weibliche Sexualität

Gynäkologenbesuche, Pornos für Frauen oder Fake-Orgasmen sind kein Thema bei uns, Männerphantasien aber schon: Das muss sich ändern, findet Katja Lewina – und hat das Buch "Sie hat Bock" dazu geschrieben.

Von: Julia Schweinberger

Stand: 22.10.2020 | Archiv

Schild mit einer aufgemalten Vulva auf einer Demo zum Internationalen Frauentag in Berlin 2019 | Bild: Ralf Hirschberger/dpa

Votze, Muschi, Möse, Gebüsch – warum gibt es für das weibliche Genital keinen vernünftigen Begriff? Und dann noch die sprachliche Verwirrung um Vulva und Vagina. Die Autorin Katja Lewina ist Kolumnistin und Buchautorin. Sie schreibt über Sex, Tabus und Körperbehaarung – und in ihrem aktuellen Buch "Sie hat Bock" über die weibliche Sexualität in Gesellschaft, Kunst und Sprache.

"Viele Menschen verwenden den Begriff Vagina für die Vulva. Also die Vulva ist das, was außen liegt, die Vagina das, was innen liegt. Das ist schon mal Punkt eins, dass wir, wenn wir von etwas äußerem sprechen, eigentlich das Innere meinen", erkärt die Autorin.

Sprachlosigkeit beim weiblichen Körper

Die sprachliche Unsicherheit, die sich in Grobheiten flüchtet, sei ein Symptom für eine "tatsächlich viel größere Sprachlosigkeit, für eine Verschämtheit, was den weiblichen Körper angeht." Katja Lewina wundert sie sich, warum die Darstellung der Scheide durch Courbet ein Skandal war, während doch jeder Putto seinen Pillermann zeigen darf.

Das Ergebnis: Schon mal versucht, eine Vulva zu malen? Es ist noch immer überwiegend der männliche Blick, der Weiblichkeit definiert. Zeit für eine neue Perspektive!