Iris Berben und die große 7 "Im Alter darf man wieder anarchistischer werden"

Iris Berben wird 70? Unglaublich, aber wahr. Für die KulturBühne liest die Grande Dame des deutschen Films einen Text, den sie für das Buch "Frauen 70+. Cool. Rebellisch. Weise" verfasst hat. Klingt, als hätte sie noch viel vor. Denn wie schrieb schon die New York Times? "70 und weiblich ist das neue cool!"

Stand: 10.08.2020

Iris Berben hält das Buch "Frauen 70+. Cool. Rebellisch. Weise" in die Kamera | Bild: BR

Iris Berben ist groß geworden in der Obhut starker Frauen: Sie war vier, als sich die Eltern scheiden ließen und sie nach Hamburg zog. Während die Mutter arbeitete, kümmerten sich die Großeltern um die Enkelin. Ihr erstes Vorbild, sagt Berben, war somit auch ihre Oma: eine Frau, die Menschlichkeit und Mitmenschlichkeit lebte, gläubige Katholikin und kritischer Geist, die zu ihrem "Leuchtturm" wurde.

Die Großmutter hat somit viel zum geerdeten Wesen Berbens beigetragen – das kontrastiert wird von ihrer rebellischen Ader. Die lebte sie Ende der 1960er-Jahre in der Hamburger Protestszene aus, über die sie ersten Kontakt zum Film bekam. Passenderweise heißt einer ihrer ersten Filme "Brandstifter", Regie führte der Münchner Radikal-Regisseur Klaus Lemke.   

"Die Radikalität ist wieder zurück"

Seitdem ist viel passiert. Berben avancierte zur Grande Dame des deutschen Films, spielte in über 140 Filmen mit und engagiert sich gegen Rassismus und Antisemitismus. Für dieses besonnene Aufbegehren wurde sie unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz und dem Leo-Baeck-Preis ausgezeichnet, die höchste Auszeichnung des Zentralrats der Juden in Deutschland.

"Wir müssen mitmischen, uns einmischen und unsere Bedürfnisse artikulieren", sagt Berben heute. Alter sei dabei kein Hindernis, ganz im Gegenteil. In ihrem siebten Lebensjahrzehnt fühle sie sich erneut wie mit 18: "Die Radikalität ist wieder zurück. Im Alter kann und darf man durchaus wieder anarchistischer werden."

Welche klugen Erkenntnisse sie darüber hinaus gesammelt hat und wie ihr Treffen mit Helen Mirren und Jane Fonda verlief – das erzählt Iris Berben im Vorwort zum Sachbuch "Frauen 70+. Cool. Rebellisch. Weise".