Neues Buch Noch mehr Gärten des Grauens

Sein Kampf gegen lebensfeindlichen Schotter geht weiter: Ulf Soltau versammelt in seinem neuen Buch "Noch mehr Gärten des Grauens" erneut deutsche Schotter-Gärten. Wieder mit Humor – obwohl er mittlerweile Drohbriefe bekommt.

Von: Tobias Wenzel

Stand: 01.03.2021

Abbildung aus dem neuen Buch von Ulf Soltau, "Noch mehr Gärten des Grauens" | Bild: Hennes Bender

Was ist nur mit Ulf Soltau los?! Der Biologe und Kämpfer für eine natürliche Gartenkultur betrachtet im Berliner Park Gleisdreieck beglückt einen Schottergarten: "Das finde ich eine ganz tolle Idee. Und so etwas hat Potenzial auch für den Privatgarten." Ist der Anti-Schottergarten-Aktivist etwa von, wie er sie selbst nennt, "Gerölldealern", gekauft worden? Ganz im Gegenteil: In diesem Berliner Park wurde so genannter Ökoschotter angelegt. Ohne das sonst übliche Kunststoffvlies darunter. Und siehe da: Pflanzen haben sich zwischen den ungleich großen Steinen angesiedelt: Malven und Johanniskraut zum Beispiel.

Ökoschotter, der Leben erlaubt – dringend benötigtes Leben: "Die Insekten sind um zwei Drittel zurückgegangen in den letzten 25 Jahren," erzählt Ulf Soltau, "also die Gesamtmenge der fliegenden Insekten. Das ist eigentlich apokalyptisch, wenn man als Ökologe darüber nachdenkt. Es fehlen einfach Freiflächen, in denen sich wirklich wilde Pflanzen ansiedeln können, die dann wiederum Nahrungsgrundlage für Insekten sind, die dann wiederum Nahrungsgrundlage für andere Lebewesen sind, sei es Vogel, Fledermaus, Igel oder sonst etwas."

Abschreckende Bilder, die Wirkung zeigen

Eine Topfpflanze steht verloren in einem zugepflasterten Vorgarten: ein Horrorbeispiel in Soltaus neuem Buch "Noch mehr Gärten des Grauens". Wenn der Biologe aber angriffslustig von Psychopathen- oder Suizidalgärten spricht, dann hat er die in ländlichen Gegenden beliebten Schottergärten im Sinn. Die kleinen monotonen Steinwüsten können sich im Sommer bis auf 80 Grad erhitzen. Natürliche Gärten tragen dagegen zur Abkühlung bei. Zwar sind schon in ganz Baden-Württemberg und in Kommunen anderer Bundesländer Schottergärten verboten – ein großer Erfolg von Soltaus Engagement in den sozialen Netzwerken –, aber Schottergärten haben, wie Soltaus neues Buch mit zahlreichen Fotos belegt, immer noch eine Fangemeinde.

Einige Menschen bilden mit mehrfarbigem Schotter absurderweise die Natur nach, zum Beispiel Bäche, und installieren darüber teure Holzbrücken. "Eine schmucke Holzbrücke hilft so manchem Vorgarten beschwingt über den Jordan," kommentiert Soltau sarkastisch so einen Fall im Buch.

Humor trotz Anfeindungen

Seit er im Internet Fotos derartiger Ungärten sammelt, ist er auch angefeindet worden, bekam sogar Drohmails: "Da sieht man mal, wie erhitzt die Gemüter sind. Und ich kann es auch nachvollziehen: Wenn man 10.000 Euro in seinen Schottergarten gesteckt hat und dann so ein Heiopei, Ulf Soltau, aus Berlin kommt und mit Satire und Humor diese Früchte der eigenen Arbeit quasi zerredet, dann wird man natürlich sauer. Das verstehe ich." Lachend fügt Soltau hinzu: "Aber letztendlich kämpfe ich für das Gute."

Seinen Humor lässt sich Ulf Soltau nicht nehmen. Er kämpft unbeirrt weiter gegen lebensfeindliche Schottergärten, unterstützt von den vielen Hobbyfotografen, die ihm Bilder aus Deutschland, Österreich und der Schweiz schicken. Aus den Niederlanden hat Soltau ein etwas anderes Foto des Grauens erhalten: Statt mit Schotter hat der Eigentümer des Hauses seinen Garten mit bunten Kunststofffiguren regelrecht zugeschüttet.

Schrebergarten zwischen Gleis-Schotter

"Ich werde jetzt in meinen kleinen Schrebergarten aufbrechen," verabschiedet sich Ulf Soltau im Berliner Park. "Die Hochbeete schon mal so weit vorbereiten, dass ich die dicken Bohnen setzen kann jetzt. Ende Februar wird das Zeit." Ob er da heimlich etwas Schotter drunter mische, frage ich: "Ganz sicher nicht!" versichert Soltau lachend. "Mein Garten liegt zwischen zwei Bahngleisen. Also da ist sowieso drumherum genug Schotter. Das brauche ich nicht noch im Garten."

"Noch mehr Gärten des Grauens" von Ulf Soltau ist bei Eichborn erschienen.

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