Interview mit der Regisseurin von "Servus Baby" "Warum muss man überhaupt so viel müssen?"

Die BR-Erfolgsserie "Servus Baby" geht in die zweite Staffel. Die Frage diesmal: Familie wie, wann und natürlich auch mit wem? Ein Interview mit Regisseurin Nathalie Spinell zu Lebensentwürfen – in Serien und der echten Welt.

Von: Joana Ortmann

Stand: 01.09.2020 | Archiv

Regisseurin Nathalie Spinell | Bild: picture alliance/Felix Hörhager/dpa

"Mit 35 wollten wir durch sein" – sagten vor zwei Jahren die vier Frauen aus der BR-Serie "Servus Baby" und gestanden damit auch ein gewisses Scheitern an den eigenen Erwartungen ein und daran, mit Mitte 30 schon zu wissen, wie es im Leben laufen soll. Den perfekten Job und Partner zu haben und natürlich die "K-Frage" zu verfolgen – wobei, zumindest letzteres hat funktioniert.

Joana Ortmann: Staffel 1 von "Servus Baby" endete mit einer glücklichen Geburt. Was heißt das für Staffel 2? Spielen hier die Themen Kinderkriegen und Muttersein noch stärker rein?

Nathalie Spinell: Das spielt immer mit rein. Die tickende Uhr ist leider einfach Teil unseres Körpers. Das konnten wir auch in der zweiten Staffel nicht vernachlässigen. Für mich als Filmemacherin ist dieser Druck, der auf Frauen in ihren Dreißigern lastet, natürlich auch ein Geschenk, weil die Figuren dann automatisch etwas erleiden und erfüllen müssen. Aber im wahren Leben ist es einfach wahnsinnig gemein, dass das so ist mit dem weiblichen Körper.

Wollten Sie dann in der zweiten Staffel den Fokus auf das Thema Mutterschaft richten? Wenn man die Serie guckt, hat man den Eindruck, es geht um viele Fragen des Lebens mit Mitte 30. Zum Beispiel, ob es überhaupt möglich ist, "den Richtigen" zu finden? Wie sehr man sich in Geschlechterkämpfen abmüht? Wie weit wir eigentlich wirklich mit der Emanzipation sind?

Ja klar, aber auf einer allgemeineren Ebene lag es mir vor allem daran zu erzählen, was wir im Prinzip in einer Stadt wie München für ein tolles Leben haben. Und es ist doch eigentlich egal, ob man ein Kind hat oder nicht, ob man einen Partner hat oder nicht. Man muss nur das sehen können, was man hat. In der Serie sind das zum Beispiel auch einfach Freunde. Ich will den Druck also nicht verstärken, sondern aufzeigen, dass man sich manchmal von Erwartungen lösen muss. Es gibt doch viele Menschen, die vielleicht noch ein bisschen umherirren und nicht wissen, wohin es geht – auch beruflich und mit 35. Und mir war wichtig zu zeigen, dass man da nicht allein ist und dass man auch ohne Kind und ohne Partner glücklich sein kann.

In der Theorie gibt es viele alternative weibliche Lebensentwürfe – in der Praxis ist das aber gar nicht so einfach, oder?

Ich glaube, es ist tatsächlich nicht leicht, weil man von außen immer wieder die Frage gestellt bekommt: Und du? Möchtest du nicht auch Kinder? Was ist mit dir und deinem Partner? Bist du unglücklich? Warum verliebst du dich nicht? Aber ich begegne tatsächlich Frauen, die sich bewusst dafür entscheiden, alleine zu sein, kein Kind zu haben und diesen Stress nicht auf sich zu nehmen wie viele andere, die dann vielleicht auf dem Zahnfleisch gehen, weil sie es gar nicht schaffen, das alles inklusive der tollsten Karriere unter einen Hut zu bekommen. Ich frage mich, warum man überhaupt so viel müssen muss? Und das finde ich bei den Entwürfen, die mir derzeit öfter begegnen, sehr schön, dass Menschen sich bewusst dagegen entscheiden und damit wahnsinnig glücklich sind.

Wie lassen sich dann solche gesellschaftlichen und persönlichen Entwicklungen erzählen?

So weit sind wir in der Serie tatsächlich noch nicht. Bei uns geht‘s um die Frage: Schaffe ich es, mit mir selber irgendwie im Reinen zu sein, glücklich zu sein? Und dazu: Brauche ich wirklich den Partner fürs Leben? Brauche ich ein Kind? Das sind die Themen der zweiten Staffel, die sich hauptsächlich darum dreht, bei sich selber anzukommen, egal in welcher Form. Was bedeutet es eigentlich, bei sich anzukommen? Wo ist mein Ich? Wie bin ich glücklich? Ich habe das Gefühl, die Mädels werden in der Staffel 2 einfach erwachsener.

Und das Erwachsensein charakterisiert sich dadurch, dass man sich auch von bestimmten Vorstellungen lösen kann? Oder von der Illusion verabschieden kann, dass alles im Leben planbar ist?

Ich würde sagen, wir sind noch eine kleine Stufe davor. Die beschäftigen sich gerade noch mit der Frage: Brauche ich das alles? Aber sie haben noch nicht aufgegeben.

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Die zweite Staffel "Servus Baby" startet am 8. September im BR Fernsehen. Ab jetzt ist sie in der BR Mediathek abrufbar – und die erste Staffel gleich dazu.