Historische Pigmente Wie das Allgäu die Kunst bunt macht

Eine Allgäuer Mühle bewahrt die uralte Tradition des Farbenmachens. Hier werden Pigmente nach überlieferten Rezepten gewonnen. Darüber freut sich vor allem die internationale Kunstwelt.

Von: Simon Emmerlich

Stand: 22.01.2021

Die Rohstoffe kommen aus der Natur | Bild: BR

Die internationale Kunstwelt kauft bei den Kremers, einem schwäbischen Familienbetrieb. Die auf alten Rezepten beruhenden Pigmente sind gefragter Rohstoff für Kunst, Restaurierung oder Wandfarbe. Georg Kremer erklärt, warum sie Weltmarktführer sind: "In der westlichen Welt ist unser Sortiment das größte, das zur Verfügung steht. Deswegen kommen Leute wie die Harvard University, die vatikanischen Restaurierungswerkstätten oder die Werkstätten vom Louvre und wollen von uns Referenzsortimente."

Detektivarbeit im Auftrag der Kunst

Farbe als Lebensaufgabe. Hunderte historisch überlieferte Pigmente hat der Chemiker Georg Kremer wiederbelebt. Grüne Erde aus Verona. Ocker aus dem Burgund. Ohne ihn könnten heute viele Kunstwerke nicht mehr originalgetreu restauriert werden: "Oft gibt es im Bereich des Farbspektrums der Industrieprodukte Löcher, die nicht erreicht werden können. Und wenn sie nur diese Industriefarben haben, dann können sie manche Farbigkeiten nicht darstellen."

Kremer leistet Detektivarbeit im Auftrag der Kunst. Bei jedem Pigment begann die Suche in alten Büchern. Zehn Jahre fuhr Georg Kremer kreuz und quer durch die Alpen. Auf der Suche nach einem unscheinbaren Violett. Schweizer Kirchenmaler hatten ihn danach gefragt: "Das war eine Steinfarbe, deren Benutzung verloren gegangen war. Weil das ein billiger Stein ist, gibt es auch keine Literatur dazu. Und wenn sie weder Literatur noch chemische Analysen noch sonst irgendwas haben, dann ist es ein ziemliches Versteckspiel."

Strahlkraft für Jahrhunderte

So blau leuchtet nur Lapislazuli, der Rohstoff für Ultramarin, also "Farbe, die über das Meer kommt." Im Mittelalter wurde die mit Gold aufgewogen. Und immer noch ist sie ein exklusives Geschäft: Kilopreis 19.000 Euro. Mit diesem Blau schminkten sich schon die alten Ägypter die Augen. Das Kupfermineral Azurit. Christliche Mönche verzierten damit ihre Handschriften. Und heute nutzen es wieder Restauratoren – dank einer Farbenmühle aus dem Allgäu.