Diese Ausstellungen haben wieder geöffnet Jetzt! Endlich! Wieder! Kunst! Anschauen!

Wann kann das Publikum wieder zur Kunst? Die Lage ist unübersichtlich, aber endlich gibt es Kunst-Licht am Ende des Lockdowntunnels. Noch scheinen nicht alle der neuen Freiheit zu trauen, doch einige Museen öffnen gerade. Hier drei Empfehlungen sehenswerter Ausstellungen.

Von: Martin Zeyn

Stand: 17.05.2021

Felix Brenner, "Ohne Titel": Schwarzweiß-Fotografien von einem Gesicht, einer Tür, einem Raum, mit kräftigen Strichen in Orangerot übermalt | Bild: Augustinum / Barbara Donaubauer

Die Sehnsucht ist groß, die Vorfreude meldet sich: Bald könnten wieder viele Museen öffnen. Wir stellen fürs Erste drei besondere Ausstellungen vor, die schon jetzt wieder zu sehen sind: Arbeiten einer begnadeten Täuschungskünstlerin aus Schottland, eines deutschen Künstlers, der für Schwergewichtiges bekannt ist, hier aber ganz leise Töne anschlägt, und Kunst von Außenseitern an einem historisch heiklen Ort.

Wozu wurde Malerei benutzt? Lucy McKenzie im Museum Brandhorst

Diese Ausstellung ist ein Augenschmaus – und ein Augenöffner. Selten hat sich genaues Hinschauen so gelohnt, selten täuscht der erste oberflächliche Blick so sehr wie bei der Kunst von Lucy McKenzie. Neben der Geschichte der Malerei interessiert die britische Künstlerin auch, wie Dekoration wirkt, sie baut alte Ladengeschäfte nach oder ein Büro in faschistischer Ausstattung. Hinreißend komisch ist ihre Präsentation von pornografischen Comics oder Graffitis. McKenzie erzählt spannend und überaus klug eine alternative Geschichte des Bildes. Die Illusion des Himmels wird als Illusion, die Menschen über Jahrhunderte geliebt haben, vorgeführt. Eine der klügsten und zugleich der humorvollsten Ausstellungen der letzten Jahre. Den Besuch nicht auf die lange Bank schieben – Sie werden es bereuen, die Ausstellung verpasst zu haben.

Die Ausstellung "Lucy McKenzie - Prime Suspect" im Museum Brandhorst in München läuft noch bis zum 6. Juni.

Literatur wird zur Skulptur: Vitrinen von Anselm Kiefer in Kochel

Anselm Kiefer, das ist Bedeutungsschwere auf Leinwand. Manchmal hinreißend anspielungsreich, manchmal nahe am Kunstgewerbe. Wofür ich ihn aber uneingeschränkt schätze: seine Auseinandersetzung mit der deutschen Kultur. Deutschland, das ist bei ihm das Land der Dichter und Denker – und das Schindluder, das mit diesem Slogan getrieben wurde. 1969 reiste Kiefer durch Europa und fotografierte sich immer in derselben Pose: frontal mit Hitlergruß. Joseph Beuys erkannte sofort, hier nimmt jemand stellvertretend eine Bürde auf sich. Und außerdem sei der Mann einfach nicht zackig genug, um ein Nazi zu sein. Damals hatte Kiefers Zugriff noch etwas von einer Wurzelbehandlung, schmerzhaft, aber nötig. Heute geht er vorsichtiger mit seinen Betrachterinnen und Betrachtern um. Für die Ausstellung im Franz-Marc-Museum in Kochel haben Schriftstellerinnen und Schriftsteller Texte zu den Vitrinen von Kiefer geschaffen.

Die Ausstellung "Anselm Kiefer. Opus Magnum" im Franz Marc Museum Kochel läuft noch bis zum 6. Juni.

Hitler würde toben: Art Brut im Haus der Kunst

Ein toller Scoop: Kunst von Menschen mit geistiger Behinderung im Haus der Kunst auszustellen. Hitler selbst hat sich in die Planung des Baus eingemischt und ließ es sich nicht nehmen, das neue Museum zu eröffnen. Wenige 100 Meter weiter zeigten die Nationalsozialisten die Ausstellung "Entartete Kunst" – und verglichen Werke der Moderne mit den Hervorbringungen von Geisteskranken. Umso schöner, wenn jetzt die drei Preisträger des Euward-Preises für Menschen mit geistiger Behinderung hier ausgestellt werden: Der Schweizer Felix Brenner, der Kölner Andreas Maus und der chinesisch-niederländische Zeichner Kar Hang Mui. Wenn im Gebäude noch ein Rest vom braunen Mief hängen sollte, diese drei werden ihn endgültig vertreiben.

Die Öffnung der Häuser ist abhängig von den Inzidenzzahlen. Bitte informieren Sie sich vorab auf den Homepages der Museen, ob die Ausstellungen wirklich geöffnet sind.