ARD-weites TV- und Mediatheks-Event "Feinde" nach Ferdinand von Schirach

Bei diesem TV-Event hat das Publikum die Wahl. Welche Perspektive wählt man: die des Ermittlers oder die des Strafverteidigers? "Feinde" ist ein Wettlauf gegen die Zeit – und ein Spielfilm-Experiment, das nachhallt.

Stand: 03.01.2021

Strafverteidiger Biegler (Klaus Maria Brandauer) hat unbeugbare Grundsätze. | Bild: ARD Degeto/BR/Moovie GmbH/Stephan Rabold

An einem Wintertag in Berlin wird die zwölfjährige Lisa von Bode auf dem Weg in die Schule entführt. Ihre Eltern erhalten kurz darauf eine Lösegeldforderung: fünf Millionen Euro in Bitcoins. Für den erfahrenen Kommissar Peter Nadler (Bjarne Mädel) steht fest, dass der Täter aus dem Umfeld der Familie kommen muss. Als Nadler den Sicherheitsmann Georg Kelz kennenlernt, sagt ihm seine Intuition: Das ist der Täter. Da Kelz in den Vernehmungen schweigt, setzt der Ermittler ihn unter Druck. Denn die Zeit drängt. Mit brutaler Gewalt erzwingt Nadler von Kelz den Aufenthaltsort des Mädchens. Dieser verspricht dem Kommissar, den Grund seines überraschenden Geständnisses für sich zu behalten.

Als der Fall vor Gericht kommt, scheint es nur noch um das Strafmaß zu gehen. Kelz‘ Strafverteidiger Biegler (Klaus Maria Brandauer) setzt jedoch auf eine hieb- und stichfeste Argumentation, ganz im Sinne des Rechtsstaats. Er unterzieht den Kommissar einer geschickten Zeugenbefragung, um zu zeigen, dass das Geständnis des Angeklagten unter Gewalteinwirkung erzwungen wurde und somit nicht verwendet werden darf. Die Schuldfrage spielt für den Anwalt keine Rolle. Er fordert Freispruch und eine Bestrafung des Polizeibeamten.

Recht und Gerechtigkeit auf dem Prüfstand

TV-Events hat es in der Geschichte der ARD schon viele gegeben. Aber dieses ist eine Premiere. "Ferdinand von Schirach: Feinde" behandelt in zwei parallel ausgestrahlten Spielfilmen einen Kriminalfall aus unterschiedlichen Perspektiven. Alles geschieht gleichzeitig – und das Publikum wird tief hineingezogen in die Handlung, die sich um Recht und Gerechtigkeit dreht.

Die Zuschauerinnen und Zuschauer haben bei diesem Filmprojekt die Wahl: Entweder folgen sie dem Kommissar, der im Spielfilm "Gegen die Zeit" agiert – oder dem Strafverteidiger, der parallel in dem 90-Minüter "Das Geständnis" zu sehen ist.

Das Besondere ist: Der jeweils andere Film wird sowohl im Ersten als auch in den Dritten noch am gleichen Abend gezeigt. Der Zuschauer verpasst also nichts. Er kann sich das komplette Bild von der Geschichte machen. Zusätzlich stehen die Filme zeitgleich in der ARD-Mediathek. Hier gibt es auch Interviews zum Film mit Ferdinand von Schirach, Bjarne Mädel und Klaus Maria Brandauer.

Begleitender Film in der ARD Mediathek

Für das Publikum der ARD-Mediathek ist außerdem ein eigener Film namens "Der Prozess" entstanden. Hier finden sich formal und ästhetisch beide Filme destilliert wieder. Die Mediatheks-Version ist radikaler und konsequenter, denn das Konzept des TV-Events wird noch zugespitzt und ist mit einer Länge von 45 Minuten auch explizit auf die Sehgewohnheiten eines non-linearen Publikums zugeschnitten. Inhaltlich konzentriert sich der Film ausschließlich auf die Hauptverhandlung und Rechtsfragen im Strafprozess.

"Feinde" nach Ferdinand von Schirach: Am Sonntag, 3. Januar 2021, um 20:15 Uhr im Ersten und synchron in allen Dritten Programmen der ARD und bei ONE. Begleitet wird das Event zudem von einer Dokumentation, die die übergeordnete Frage nach Recht und Gerechtigkeit aufwirft. Sämtliche Filme sind noch am selben Abend in der ARD-Mediathek abrufbar.