"All Things Trump" Trump-Fanartikel als Kunstwerk?

Andres Serrano hat ein Faible für Donald Trump. Der amerikanische Fotokünstler, berühmt geworden mit seinem "Piss Christ", weiß nur zu gut, wie man durch Provokation zum Gewinner wird. Kein Wunder also, dass er dem amtierenden US-Präsidenten ein Porträt gewidmet hat.

Von: Iris Buchheim

Stand: 04.11.2020 | Archiv

Donald-Trump-Poster mit Autogramm | Bild: © Andres Serrano

Mit Provokation kennt sich Andres Serrano aus. Vor 33 Jahren versenkte der New Yorker Künstler ein Kruzifix in seinem Urin, fotografierte es und übermalte das Foto zum Teil, es war nun ein Kunstwerk. Serranos "Piss Christ" wurde weltberühmt – gegen alle Kritik von katholischer Seite versicherte der Künstler konstant, er sei ein christlicher Künstler. Egal, ob man ihm das abnimmt oder nicht, so bleibt er im Gespräch. Und das zählt.

Früher hatte er gern unappetitliche Fotos gemacht: Im Leichenschauhaus aufgenommene Körperteile von verstorbenen Ku-Klux-Klan-Mitgliedern oder klassische Standbilder, umflossen von Urin, Milch oder Blut. Dann hat sich Serrano Trump zum Objekt gemacht: Mit der Ausstellung "The Game: All Things Trump" im angesagten Meatpacking District irritiert Andres Serrano 2019 die Kunstszene.

Masse ohne Klasse

Aber statt den Präsidenten, der sowieso seit Jahrzehnten auf allen Kanälen präsent ist, selbst vor die Linse zu holen, hat er etliche Dinge von und über Trump gesammelt: Ein Stück seiner Hochzeitstorte, jede Menge Krawatten und Shirts, signierte Trump-Titelblätter, Werbefotos für "Trump-Steaks", frühe signierte Trump-Poster als "Lord of The Financial Jungle" oder Glücksspieler – stets mit einer knackigen Schönen an seiner Seite  – und späte Poster, Trump triumphierend auf einem Panzer und als US-amerikanischer Einzelkämpfer mit dem Kommentar "Die Welt ist gegen mich, es wäre sonst unfair" und seinem Slogan "Make America great again".

Rund 200.000 US-Dollar hat sich Serrano diese Dinge nach eigener Aussage kosten lassen und viel Zustimmung geerntet – auch von vielen Trump-Fans. Ein "ehrliches" Trump Porträt wollte er durch diese Objekte schaffen, sagte Serrano damals der Zeitschrift Monopol. Und in der Tat kapiert man beim Anblick einiger Dinge recht gut, wie der Präsident der USA tickt: Etwa bei den Magazinen mit Trump-kritischen Titeln: Die hat Donald Trump einfach signiert und mit seiner Unterschrift die Schlagzeile verdeckt. "Er sagt damit: Ich kümmere mich nicht darum, was ihr denkt, ich bin größer als all das. Das einzige, was mich kümmert ist, dass ihr über mich sprecht – egal, ob ihr provoziert oder inspiriert seid", sagt Serrano. Er muss es ja wissen, er ist ja selber ein Meister der Provokation.