Dina Nayeri über undankbare Flüchtlinge  "Wir Geflüchteten sind keine Bürger zweiter Klasse"

Sie floh als Kind aus dem Iran, lebte in Dubai, Rom, den USA. Sie weiß, was es bedeutet, die Heimat zu verlieren. Ihre Bücher sind leidenschaftliche Plädoyers für Menschlichkeit ohne Herablassung. Für ihr Engagement erhält Dina Nayeri den diesjährigen Geschwister-Scholl-Preis.

Stand: 26.10.2020 | Archiv

Exil-Iranerin Dina Nayeri  | Bild: Anna Leader

"Hört auf, Flüchtlinge aus der Perspektive der Wohltätigen, der Gebenden zu betrachten. Auf der Flucht werden diese Menschen so oft ihrer Würde und ihrer Identität beraubt. Selbst Gutmeinende tragen zu dieser Entmenschlichung bei!" Dina Nayeri weiß, wovon sie spricht. Zusammen mit ihrer Mutter und ihrem Bruder floh sie aus dem Iran, lebte in Dubai und Rom, bis sie Asyl in den USA erhielt. Mit eiserner Disziplin schaffte sie es an die Eliteuniversität Princeton – immer im Wissen, besser sein zu müssen als ihre Mitschüler*innen.

Aus der Erfahrung, es schaffen zu können, speist sich das neue Buch der 41-Jährigen: "Der undankbare Flüchtling". Darin weigert sie sich, als Bittstellerin aufzutreten. Ihr Argument: Vom Asyl profitieren beide, sowohl die Flüchtenden als auch die Gesellschaft, die sie aufnimmt. "Mein Buch ist unverschämt", sagt Nayeri. "Wir Geflüchteten sind keine Bürger zweiter Klasse, haben nicht weniger das Recht in Frankreich, den USA oder Deutschland zu leben als irgendwer, der zufällig dort geboren wurde."

Geschwister-Scholl-Preis für Dina Nayeri

Argumente, die die Jury des Geschwister-Scholl-Preises überzeugten – sie kürte Dina Nayeri zur Preisträgerin der Literaturauszeichnung. Ihre Entscheidung begründete sie so: "Die eigene Biographie verbindet Dina Nayeri mit anderen Fluchtgeschichten unserer Zeit. Sie berichtet – einfühlsam und eindringlich – von Menschen, die vor Verfolgung, Kriegen und Bürgerkriegen fliehen, in der Hoffnung auf ein Leben in Frieden und Freiheit."