Zusammen ist man weniger alt Mehrgenerationenhaus als Jungbrunnen

Früher normal, heute die Ausnahme: Mehrere Generationen, die in einem Haus als WG zusammenleben. Trotz Chaos - gerade die Älteren genießen es, mit Kindern und jungen Menschen unter einem Dach zu wohnen, erzählt Bestsellerautor Lorenz Wagner.

Von: Max Sippenhauer

Stand: 09.06.2021

Kinderbild | Bild: BR

In der Nähe von München steht ein besonderes Haus. Ein Jungbrunnen, raunen manche. Denn dort lebt eine Wohngemeinschaft, die seine Bewohner auf wundersame Weise fit hält. Denn hier teilen sich vier Generationen ein Haus. Susanna und die vierjährige Sophia gehen jeden Morgen die Hühner füttern: "Die Hühner sind eigentlich irgendwie so, ja irgendwie sehr gesellig. Ja. Also es leben auch immer im Verbund, aber sind total unsozial. Also wenn eine irgendwas hat, dann wird die niedergemacht." 

Wer hier wohnt, wirkt jünger als er ist: Papa Lorenz, schon 50. Uroma Helga, 85. Oma Susanna, 64. Ihre Tochter Franziska, bekannte Musikerin, 40. Statt kleiner Wohnung in der Großstadt wollte sie diese Mehrgenerationen-WG: Franziska: Früh und nachmittags ist immer so der Treffpunkt. Das ist eigentlich das Schöne, weil oben im Haus hat man dann so seine Privatsphäre. Und hier, wenn man irgendetwas Lebendiges will, dann kommt man hier rein.

Chaos, das jung hält

Zusammenleben mit drei anderen Generationen ist anstrengend. "Das ist Chaos hoch zehn", sagt Lorenz Wagner, ein anderer Mitbewohner und Buchautor. Aber Chaos kann überraschen, vitalisieren. Alt und Jung bereichern einander. Das Mehrgenerationenhaus ist eigentlich keine neue Idee, sondern war bis vor wenigen Jahrzehnten Normalität. Gerade in der bäuerlichen Welt bedeutet dieses Miteinander soziale Absicherung.

Lorenz Wagner recherchiert seit dem Einzug ins Mehrgenerationenhaus zum Thema “Alter” und wie Alt und Jung in Zukunft zusammenleben: "Ich finde, es ist eine Utopie zu glauben, wir könnten so weitermachen. Noch mehr Altenheime. Wo ist denn der Platz einer Stadt dafür? Wo sollen die alten Menschen hin? Statt Und ist es in der Stadt eine gute Lösung, so viele Single Wohnungen zu haben? Ist das die Zukunft? Ich glaube es nicht." Die Begegnung von Jung und Alt ist nicht nur gesund, sie verhindert auch die Grausamkeit, die ein einsamer letzter Lebensabschnitt sonst bedeuten kann. Für die Jungen bedeutet das mehr Verantwortung. Aber am Ende profitieren doch beide Seiten voneinander.

Das Buch "Zusammen ist man weniger alt" von Lorenz Wagner ist bei Goldmann erschienen.