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Archiv: Die gesammelten Fakes zu Corona | BR24

© BR Grafik / dpa

Links: aus dem Kontext gerissenes Bild; rechts: tatsächlich aus Bergamo

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    Archiv: Die gesammelten Fakes zu Corona

    Was ist Fakt und was ist Behauptung? Das Faktencheck-Team vom #Faktenfuchs hat bereits zahlreiche Fakes zu Corona gesammelt und entlarvt. Mit dieser Dokumentation behalten Sie den Überblick.

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    In diesem Artikel sammelt das #Faktenfuchs-Team ältere Fakes und Desinformation rund um das Thema Corona. Die aktuellsten Fakes rund um das Thema Corona finden Sie hingegen hier.

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    Das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 hat Deutschland im Januar erreicht. Seither steigen die Zahlen der Infizierten. Viele Menschen sind verunsichert. Gerade im Internet und in den sozialen Netzwerken verbreiten sich Gerüchte, Verschwörungstheorien und Mutmaßungen. Dafür braucht es nicht viel: Ein einzelner Nutzer kann eine Falschbehauptung in die Welt setzen – wenn andere sie aufgreifen, verbreitet sie sich schnell weiter. Der #Faktenfuchs sammelt die Gerüchte hier und klärt auf, was wirklich stimmt.

    31. März: Deutsche Saisonarbeiter aus Tiroler Skigebieten nach Mittenwald gebracht

    Aktuell verbreitet sich in den sozialen Medien ein Video, in dem ein Mann mit dem Auto von Österreich in Richtung Mittenwald unterwegs ist. Im Video sieht man einen Polizeiwagen und mehrere Busse auf der Straße in Richtung Deutschland fahren. Wer der Fahrer des Autos ist, sieht man nicht, die Kamera ist auf die Straße gerichtet. Der Mann behauptet, dass er in den Bussen "lauter schwarze Köpfe" sehe und empört sich: "Wir werden eingesperrt in Deutschland, in ganz Europa und dieses Volk darf ohne Probleme rüberfahren und noch mehr Krankheiten mitbringen." Das ist falsch. In den Bussen sitzen deutsche Saisonarbeiter, die in den Tiroler Quarantäne-Gebieten um St. Anton und Ischgl gearbeitet hatten.

    Der Bayerische Rundfunk hat am Montag darüber berichtet, wer in den Bussen saß und weshalb es eine Ausnahmeregelung für den Grenzübertritt gab. Unter anderem BR-Reporter Martin Breitkopf, der selbst bei den Grenzkontrollen mit dabei war, erhielt das betreffende Video gleich auf mehreren Wegen.

    Die Deutsche Botschaft in Wien hatte den Transport für die deutschen Saisonarbeiter am Sonntag organisiert und angekündigt.

    30. März: Schwarzer Patient in Italien nicht behandelt - Video ein Jahr alt, keine Verbindung zu Corona

    Aktuell verbreitet sich auf Twitter ein Video aus Italien. Es zeigt einen schwarzen Patienten. In dem Tweet heißt es, der Mann werde trotz einer Corona-Erkrankung in einem italienischen Krankenhaus nicht behandelt. Auf dem Video in dem Tweet ist zu hören, wie ihn mutmaßlich das medizinische Personal rassistisch beleidigt und ihm sogar den Tod wünscht. Das Video wurde hunderttausende Male abgerufen.

    Doch das Video ist bereits über ein Jahr alt. Es zeigt den jungen Ivorer Souleymane Rachidi (heute 21 Jahre alt, seit fünf Jahren in Italien), der am 24. Februar 2019 wegen Brustschmerzen in das Krankenhaus von Salerno eingeliefert worden war. Salerno liegt im Süden Italiens nahe Neapel. Auf dem Video ist nicht zu erkennen, wer ihn rassistisch beleidigt, zu hören ist nur die Stimme einer Frau. Damals berichteten mehrere lokale Medien darüber, dass Rachidi rassistisch beleidigt wurde.

    Das Video liefert auch ein ganz aktuelles Beispiel dafür, wie man Videos im Netz überprüfen kann: Zwar kann der Patient durchaus an Corona erkrankt sein sichtbare Corona-Symptome wie beispielsweise Atemwegserkrankungen scheinen nicht vorzuliegen. Hinzu kommt, dass das Video nicht direkt von einem Account des Betroffenen geteilt wird - der darüber hinaus auch nicht von einer Corona-Erkrankung spricht. Eine einfache Google-Bilderrückwärtssuche liefert entsprechend die Verweise auf die damalige Berichterstattung über die rassistischen Beleidigungen gegen Rachidi vor einem Jahr.

    © Screenshots/ Grafik BR24

    Ein viel geteiltes Video zeigt Rassismus in einem italienischen Krankenhaus - ein Corona-Bezug besteht nicht

    28. März: In Spanien werden Patienten über 65 nicht die Beatmungsgeräte weggenommen

    In einem Video, das sich auf Facebook und WhatsApp schnell verbreitet, behauptet ein Mann, Arzt in Spanien zu sein und von mehreren älteren Corona- Patienten Sprachnachrichten erhalten zu haben. Darin soll dem angeblichen Arzt berichtet worden sein, dass den älteren Menschen die Beatmungsgeräte weggenommen werden, um sie jüngeren Patientinnen und Patienten zur verfügung zu stellen.

    Das Video ist auf Spanisch mit englischen Untertitel. Es hat unter anderem deshalb eine weite Verbreitung, weil der angebliche Arzt emotional über die Situation spricht. Unter Tränen behauptet er: "Menschen über 65 werden in Madrid die Atemschutzmasken entfernt. Sie werden sediert, so dass sie sterben, weil es nicht genug Atemschutzmasken gibt und sie sie den Jüngsten geben wollen."

    Er behauptet also, dass in Madrid aktive Sterbehilfe an älteren Menschen geschieht. Das stimmt jedoch nicht, schreiben spanische Faktenchecker.

    Zum einen fanden die Faktenchecker von heraldo.es und maldita.es heraus, dass es sich bei dem im Video zu sehenden Mann nicht um einen Arzt handelt. Auch stellte das Gesundheitsministerium klar, dass in Madrid keine Masken zur Beatmung fehlten, so der Generaldirektor für sanitäre Infrastrukturen der Stadt Madrid, Alejo Miranda de Larra,:

    Zwar steigen die Zahlen an Covid-19 Erkrankten, doch die Krankenhäuser sind auch in Spanien angehalten, von Fall zu Fall zu entscheiden. Eine grundsätzliche Entscheidung im Zusammenhang mit dem Alter gibt es nicht. Der spanische Ethikrat schreibt:

    "Es ist wichtig, eine Einkommensanalyse durchzuführen, die auf der Privilegierung der 'längsten Lebenserwartung' basiert."

    Die schwierige Situation für Ärztinnen und Ärzte, in Corona-Fällen über Leben und Tod zu entscheiden, fasste die Tagesschau hier zusammen.

    27. März: Intervallfasten gegen Coronaviren? Ein “Ammenmärchen!”

    In einem Whatsapp-Kettenbrief wurde die These verbreitet, mit Intervallfasten könne man die Corona-Viren aus dem Körper schwemmen. „Ammenmärchen“, sagt Hendrik Streeck, Virologe an der Bonner Uniklinik. „Es gibt keine Hinweise, dass Intervallfasten oder irgendein Fasten Einfluss hat auf das virale Wachstum – oder aber auch auf die Stärke des Immunsystems.“ Ein Ausschwemmen von Viren, so etwas gebe es nicht. Viren würden entweder vom Immunsystem gestoppt oder von Medikamenten. Es gebe auch keinen Mechanismus, bei dem man Viren einfach aus dem Körper rauswaschen könne.

    27. März: Keine Hinweise, dass chinesische Gemeinde für Ausbruch von Corona in Italien verantwortlich ist

    In den letzten Tagen wurde vermehrt darüber spekuliert, ob die chinesische Gemeinde in Italien für den Ausbruch der Coronakrise vor Ort verantwortlich ist. Die These wird in Italien breit diskutiert, auch in etablierten Medien. Von rechten politischen Kräften im Land wird die chinesische Community für den Ausbruch der Corona-Krise verantwortlich gemacht. Italien ist europaweit am stärksten von der Corona-Pandemie betroffen. Mehr Menschen als in China sind in Italien der Lungenkrankheit Covid-19 zum Opfer gefallen.

    In der Vergangenheit wurde immer wieder über chinesische Arbeiterinnen und Arbeiter in Italien berichtet, vor allem über die Stadt Prato in der Toskana, bekannt für die dort ansässige Textilindustrie. Jedoch ist der Virus nicht in der Toskana sondern in Norditalien ausgebrochen.

    Die Kolleginnen und Kollegen des faktenfinder der Tagesschau haben in ihrer Recherche festgestellt, dass der Bevölkerungsanteil chinesischer Bürgerinnen und Bürger in den Regionen in denen das Virus zuerst auftrat oder die besonders stark von der Pandemie betroffen sind „eine unterdurchschnittlichen chinesischen Bevölkerungsanteil“ haben.

    So lange der erste Corona-Patient, der sogenannte "Patient Null" in Italien nicht ermittelt ist, bleibt unklar auf wen und auch welche Verbreitungswege der Ausbruch in Italien zurückzuführen ist. "Die Pandemie in Italien nahm ihren Ausgang am 20./ 21. Februar, als im Norden des Landes der erste Infizierte und der erste Tote registriert wurden. In den Tagen danach verbreitete sich das Virus rasend schnell vor allem in der Lombardei", so ARD-Korrespondent Jörg Seisselberg im faktenfinder der Tagesschau.

    Er kommt zu dem Schluss: "Es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass der Ausbruch der Pandemie in Italien mit der dortigen chinesischen Gemeinde in Verbindung steht."

    27. März: Keine Beweise für Einfluss von Handcreme auf Corona

    Ein weiteres Gerücht, das derzeit im Netz kursiert: Befördert die Verwendung von Handcreme die Verbreitung des Virus? Laut dem Virologen Hendrik Streeck (Uniklinik Bonn) gebe es dafür keine Beweise. Viren seien durchaus beständig und könnten eine gewisse Zeit überleben. Es sei nicht, bekannt, dass man seine Hände besonders behandeln könnte, damit das Leben der Viren verlängert werde. Oder das man etwas auf die Hände schmiert, damit die Viren kürzer überlebten. Anderes gelte natürlich für die Händehygiene. Waren Viren auf der Hand, dann könne man sie mit Desinfektionsmittel oder Seife beseitigen.

    26. März: Blutgruppe entscheidend für Krankheitsverlauf? Studie noch nicht evaluiert

    Eine wissenschaftliche Studie aus China legt nahe, dass die Blutgruppe eines Menschen Einfluss auf den Verlauf der Covid-19-Infektion haben könnte. Die Studie ist eine Vor-Veröffentlichung und noch nicht von Experten geprüft. In der Studie wird berichtet, Menschen mit Blutgruppe A seien für schwere Infektionsverläufe am anfälligsten, gefolgt von Blutgruppe AB und B. Am seltensten seien demnach Menschen mit Blutgruppe 0 von schweren Verläufen betroffen. Im Podcast „B5 extra Coronavirus“ warnte Hendrik Streeck, Virologe der Uniklinik Bonn, vor einer Überinterpretation der Ergebnisse der Studie. Man müsse bedenken, dass es sich bei der Studie um eine sehr kleine Stichprobenanzahl gehandelt habe und auch andere Faktoren wie zum Beispiel Rauchen in die Ergebnisse mitreinspielen könnten. Die wissenschaftliche Prüfung der Studie durch Experten und Fachleute läuft derzeit noch.

    25. März: Keine Belege dafür, dass Jugendliche ältere Menschen anspucken und mit Corona anstecken wollen

    Seit einigen Tag verbreitet sich auf Facebook eine Tafel, auf der behauptet wird, dass in München "jugendliche Migranten" ältere Personen bespuckt und dazu "verreckt an Corona" gerufen hätten. Diese Behauptung wurde bereits über 15.000-mal geteilt. Eine Quelle dafür wird auf Facebook nicht angegeben. Der Account, der die Meldung verbreitet, stammt augenscheinlich von einer Person aus Brandenburg, die der AfD nahesteht.

    Die Polizei München gibt auf BR24-Nachfrage an, dass ein "derartiger Fall der Polizei München nicht bekannt" sei. Sollte sich so etwas tatsächlich zugetragen haben, dann könnte man davon ausgehen, dass ein solcher Fall durchaus bekannt wäre, so ein Sprecher der Polizei. Seitdem vor einigen Tagen bekannt wurde, dass ein Mann wegen der sogenannten "Coronachallenge" in der Münchener U-Bahn Gegenstände abgeleckt hatte, beobachte die Polizei auch das Netz nach vergleichbaren Vorgängen. Dass Jugendliche ältere Personen angespuckt hätten sei der Polizei nicht aufgefallen. Laut Polizei hat niemand wegen eines solchen Falles Anzeige erstattet. Der Sprecher der Polizei München hält die Behauptung auf Facebook als "schwer bis gar nicht nachvollziehbar".

    © Screenshot/ BR24 Grafik

    Polizei München: Keine Belege dafür, dass Jugendliche ältere Menschen anspucken

    24. März: Chlordioxid ist kein Mittel gegen Corona - es ist gesundheitsschädlich

    Derzeit verbreitet sich sowohl auf diversen Webseiten als auch in Messenger-Diensten und auf Facebook die Meldung, das Trinken von Chlordioxid könne den Corona-Virus (Sars-CoV-2) abtöten. Diese Meldung erreichte uns unter anderem aus dem oberfränkischen Landkreis Kronach. Dort wurde der Aufruf eines Tierarztes geteilt, der empfiehlt, morgens und abends eine kleine Dosis selbst hergestellten Chlordioxids zu sich zu nehmen. Das Trinken von Chlordioxid ist jedoch gesundheitsschädlich und auch kein Mittel gegen Corona. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO gibt es aktuell noch kein Mittel gegen das Virus.

    Chlordioxid wird in der Industrie als Bleichmittel verwendet. Seit Jahren warnen verschiedene Institute und Ämter davor, Chlordioxid zu sich zu nehmen. Die Faktenchecker von Correctiv weisen in einem längeren Artikel auf die Gefahren hin und führen die Quellen zusammen.

    Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung schreibt: "Chlordioxid weist stark oxidative Wirkungen auf und wirkt auf Haut und Schleimhaut je nach Konzentration reizend bis ätzend." In der Industrie wird dieser Stoff als Mittel zur Desinfektion sowie zum Bleichen von Textilien verwendet. Laut Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit wurde "bei Menschen von gastrointestinalen Störungen wie Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall, teilweise mit Blutdruckstörungen und erheblichen Flüssigkeitsverlusten bis hin zu schweren Nierenfunktionsstörungen nach der Einnahme berichtet."

    23. März: Verfälschte Bilder von Medizinpersonal

    Fotos von Ärztinnen und Ärzten sowie dem Pflegepersonal in italienischen Krankenhäusern sind in den vergangenen Tagen tausendfach geteilt worden. Sie zeigen Menschen, deren Gesichter vom Tragen der Schutzmasken und Schutzbrillen dunkelrot unterlaufene Druckstellen aufweisen. Tatsächlich ist zumindest das Bild eines Mannes bearbeitet.

    Twitternutzer machten schnell auf Unstimmigkeiten aufmerksam und verbreiteten die Originalaufnahme. Die Kontraste in dem bearbeiteten Bild wirken im Vergleich zum Original deutlich verstärkt. Das gesamte Bild ist aufgehellt. Die Augenpartie weicht im Vergleich zum Originalbild ebenfalls ab. So sind die Augenbrauen runder und leicht nach oben gezogen. Die Augen selbst erscheinen größer und dunkler. Der abgebildete Mann wirkt dadurch traurig.

    Ob das Foto mit der Bildbearbeitungssoftware Photoshop bearbeitet wurde, oder ob ein Filter darüber gelegt wurde, ist unklar.

    © BR24 Grafik/ privat

    Italienischer Arzt nach Arbeitstag: Schwellungen und Druckstellen von Atemschutzmaske und Schutzbrille

    23. März - Falschmeldung über angebliche Flüchtlingsmassen in München

    Seit dem Wochenende wird auf dem Messenger-Dienst WhatsApp eine Sprachnachricht verbreitet, in der ein Mann mit bayerischem Dialekt behauptet, gehört zu haben, dass die Polizei zahlreiche Kräfte in München zusammenziehe, da "in den nächsten Tagen 20 000 Flüchtlinge" aus Griechenland per Bahn, Bus und Flugzeug in München ankämen.

    Der Zeitpunkt für die Ankunft sei nicht zufällig gewählt, behauptet er zudem. Die Ausgangsbeschränkungen, die in der Sprachnachricht als "Ausgangssperren" bezeichnet werden, hätten zum Ziel, die Ankunft der Geflüchteten zu verschleiern.

    Die Polizei München warnt seit Sonntag auf Twitter vor diese Falschnachricht und nennt sie eine Falschmeldung und ein "böswilliges Gerücht".

    Sowohl das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge als auch die Polizei in München dementieren, dass am Wochenende 20 000 Flüchtlinge aus Griechenland angekommen sind oder entsprechende Pläne vorliegen. Es handle sich um eine eindeutige Falschmeldung, so ein Sprecher des Bamf. Derzeit komme allein durch die europaweit geltenden Reisebeschränkungen kein Flüchtling über die Grenzen.

    An zahlreichen Grenzen in Europa herrschen derzeit strenge Kontrollen. So sind die Grenzen nach Bayern nur für Berufspendler, den Warenverkehr und Reisende mit dringendem Reisegrund passierbar. Auf dem Balkan wurden bereits am 13. März die Mehrzahl der Grenzübergänge geschlossen. Der Fährverkehr zwischen Griechenland und Italien ist seit dem 15. März eingestellt.

    20. März: Särge, die an Corona verstorbene Menschen zeigen

    Im Netz kursiert ein Bild, das reihenweise Särge zeigt. Diese Särge sollen aus Bergamo stammen, der norditalienischen Stadt, in der es besonders viele Todesfälle durch das Coronavirus gegeben hat. Tatsächlich aber entstand dieses Bild 2013 auf der italienischen Insel Lampedusa. Es handelt sich um die Särge von afrikanischen Flüchtlingen, die auf der Überfahrt nach Italien ums Leben gekommen waren. Es gibt aber auch aktuelle Bilder mit Särgen von Corona-Opfern, die tatsächlich aus Bergamo stammen. Auch die Bilder, die Militär-LkWs zeigen, die Särge mit Corona-Opfern abtransportieren, sind authentisch.

    19. März - Arzt setzt viele falsche Behauptungen in die Welt

    Wolfgang Wodarg, ein deutscher Arzt, behauptet auch in Youtube-Videos, die Corona-Pandemie sei reine Panikmache. Doch die Fakten widersprechen seinen Aussagen, wie der #Faktenfuchs recherchiert hat.

    Als ehemaliger SPD-Bundestagsabgeordneter und Lungenarzt finden seine Videos einige Verbreitung Aber Wodarg setzt aktuell viele falsche Behauptungen in die Welt. Karl Lauterbach, SPD-Bundestagsabgeordneter und ebenfalls Mediziner, kritisierte ihn auf Twitter heftig: "Wodargs Position ist unverantwortlicher FakeNews."

    Wodarg behauptet, dass das neuartige Coronarvirus Sars-Cov-2 nicht neu sei und die Folgen der Infektion nicht schlimmer seien als die jeder anderen Grippe-Saison. Er operiert mit falschen Zahlen, liefert für seine Behauptungen keine Belege. Die Analyse finden Sie im #Faktenfuchs.

    19. März - Gerüchte-Kette um Ibuprofen

    Die WHO hat am 19. März ihre Warnung vor Ibuprofen zurückgenommen. "Auf der Basis der heute vorhandenen Informationen rät die WHO nicht von der Einnahme von Ibuprofen ab", teilte die Weltgesundheitsorganisation mit. Das vorläufige Ende einer längeren Kette von Meldungen, die zu Unsicherheit geführt hatte. Am Wochenende vom 14./15. März hatte sich das Gerücht über einen WhatsApp Kettenbrief verbreitet, dass Ibuprofen zu einer Verschlimmerung der Covid-19 Erkrankung führe: eine Einnahme beschleunige die Vermehrung des Virus. Das hätten Forschungen der Universität Wien ergeben, so die Behauptung. Die medizinische Universität Wien hatte die Meldung jedoch dementiert.

    Das Gerücht kursierte dennoch über Tage hinweg - und die Verwirrung um die tatsächlichen Fakten half nicht bei der Klärung. Auch auf BR24 spiegelte sich das Hin und Her wieder - angesichts einer Warnung, die die Weltgesundheitsorganisation WHO herausgab. Sie hatte sich darin zunächst der Warnung angeschlossen. Am 19.3. nahm die WHO ihre ursprüngliche Warnung jedoch wieder zurück.

    19. März - AfD-Politiker beschuldigt Fridays for Future

    In einem Tweet machte der Chef der Berliner AfD-Fraktion Georg Pazderski am 19. März Jugendliche, speziell Anhänger der Klimaschutz-Bewegung Fridays for Future (FFF), für die Verbreitung des Coronavirus verantwortlich.

    In dem inzwischen gelöschten Tweet hieß es: "Empathielose, dumme Wohlstandskinder, die freitags bei #FFF auf der Straße hüpfen und den Älteren vorwerfen ihre Zukunft zu verspielen, zeigen eindrücklich wie weit ihr Horizont tatsächlich reicht. Aber #SPD #GRÜNE #LINKE wollen Wahlrecht ab 16. #Corona". Dazu hängte er ein Video an, das eine Reihe Jugendlicher zeigt, die alle am selben Lutscher schlecken.

    Dieses Video stammt vom Oktober 2019 - lange vor dem Corona-Ausbruch. Außerdem riss Pazderski es mit seiner Verbreitung völlig aus dem Kontext: Es handelt sich dabei um einen Beitrag zur so genannten Lollipop-Challenge, bei der Nutzer des sozialen Netzwerks TikToks aufgerufen wurden, Videos zu posten, in denen mehrere Personen sich einen Lutscher teilen.

    19. März – Facebook-Post zu "Massenschluckimpfung"

    Im Netz kursiert ein Facebook-Post, in dem zur Teilnahme am Mitterteicher Starkbierfest im Landkreis Tirschenreuth (am Samstag, den 7. März, ab 18 Uhr) aufgerufen wird. Dort gebe es der Werbung nach eine "Massenschluckimpfung" mit dem Starkbier "Süffikus". Der Post ist eine Werbung der Brauerei Hösl aus Mitterteich.

    In Mitterteich in der Oberpfalz gilt seit Dienstag (18.3.) eine Ausgangssperre wegen zahlreicher Corona-Infektionen. Wie in der Regierungsansprache von Ministerpräsident Markus Söder am Mittwoch (19.3.) zu hören war, werde derzeit geprüft, ob das Mitterteicher Starkbierfest vom 7. März der Ausgangspunkt für die hohe Infektionsrate in der Ortschaft sei. Belege dafür gibt es bislang allerdings nicht.

    Wie die Brauerei auf BR-Nachfrage bestätigte, handelte es sich bei dem Facebook-Post tatsächlich um eine Werbeaktion der Brauerei, die allerdings nicht der Ausrichter des Fests, sondern nur der Bierlieferant gewesen sei. Ausrichter war der Mitterteicher Burschenverein. Das Starkbierfest am 7. März sei von den örtlichen Gesundheitsbehörden genehmigt gewesen. Die Ausgangssperre in Mitterteich gilt erst seit dem 18. März.

    Fazit: Der Facebook-Post ist echt. Die Brauerei hat ihn mittlerweile gelöscht.

    18. März – Zwiebeln wirken nicht gegen Viren

    Einem Gerücht zufolge sollen Zwiebeln bei der Bekämpfung von Sars-CoV-2 helfen. Denn sie sollen die Coronaviren wie eine Art Magnet aus der Luft herausziehen.

    Richtig ist, dass Zwiebeln antimikrobiell wirken. Das heißt, sie schränken die Ausbreitung von Mikroorganismen ein, indem sie diese töten oder deren Wachstum lähmen. Da die im Zwiebelsaft enthaltenen antimikrobiellen Schwefelverbindungen flüchtig sind, können Mikroorganismen durchaus auch in der Luft abgetötet werden.

    Aber: Nach Aussage von Haike Antelmann, Professorin für Mikrobiologie an der Freien Universität, sind davon allerdings vor allem Bakterien betroffen. Es gebe bisher keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass die antimikrobielle Wirkung der Zwiebel auch bei Viren wirkt.

    Fazit: Zwiebeln wirken gegen Bakterien und können sie abtöten. Gegen Viren haben sie solche Heilkräfte nicht.

    Quelle: dpa

    Grippe oder Corona - was ist gefährlicher?

    17. März - Was ist gefährlicher: Influenza oder Corona?

    Auf der Straße und im Netz versuchen viele Menschen, das aktuelle Corona-Virus und seine Gefährlichkeit einzuordnen. Dafür greifen sie oft auf die Frage zurück: Grippe oder Corona - was ist gefährlicher? Eindeutig und abschließend lässt sich das derzeit nicht beantworten. 

    Bei den Influenza-Wellen jedes Jahr schätzt man eine Sterberate von 1 bis 2 Verstorbenen auf 1.000 Infizierte, das sind 0,1 bis 0,2 Prozent.

    Ulrike Protzer vom Institut für Virologie der Technischen Universität München geht bei der Grippe - je nach Saison - von einer Sterblichkeit von Patienten, die im Krankenhaus behandelt werden, von 0,5 Prozent bis acht Prozent aus. Die Sterblichkeit hängt vom jeweils zirkulierenden Virus ab und ist laut Protzer extrem altersabhängig.

    Der Virologe Christian Drosten vom Berliner Charitè-Klinikum nannte für das aktuelle Corona-Virus eine Sterblichkeitsrate von 0,3 bis 0,7 Prozent der Fälle. Das heißt, dass von 1.000 Infizierten 3 bis 7 sterben. Mit einer weiteren Verbreitung des Virus werde die tatsächliche Rate allerdings eher sinken. 

    Aber Achtung: Ein Vergleich dieser beiden - geschätzten - Sterberaten ist kaum zielführend, da die Zahlen unterschiedlich erhoben werden. Bei der Grippe nehmen Wissenschaftler die sogenannte Übersterblichkeit: Wie viele Menschen mehr sterben während der Grippesaison als in den restlichen Monaten des Jahres? Bei SARS-CoV-2 hingegen wird die Sterblichkeit bei gesicherten Infektionsfällen betrachtet - ein wesentlicher Unterschied. 

    Der aktuelle Corona-Virus-Typ ist aus mehreren Gründen besonders gefährlich: Es überträgt sich leichter als etwa das gefährliche Sars-1-Virus. Es ist krankheitserregender als bisherige Coronaviren und sogar als Influenza. Zudem gibt es nach wie vor keine Behandlung, keine Impfung, anders als bei Grippe und anderen Infektionen. Viele Menschen infizieren sich, ohne zu erkranken, stecken aber genau deshalb ältere und immungeschwächte Personen an, die daran schwer erkranken und sterben können. Der explosionsartige, exponentiell ansteigende Infektionsverlauf (anders als bei Influenza) kann eine Überlastung der Krankenhäusern herbeiführen, so dass auch hier die Todesfallzahlen steigen können.

    16. März - Coronavirus als Biowaffe

    Die Corona-Pandemie ist ein Schwerpunkt auf der Verschwörungs-Website Klagemauer-TV. Hier gibt es (Stand 20.3.) zehn Videos, die Unwahrheiten über das Coronavirus verbreiten, oft in alarmistischem Ton. Zum Beispiel, dass das Coronavirus eine biologische Waffe sei. Dieses Video wurde auch auf Facebook stark verbreitet, bis die Plattform einen Faktencheck von Radio Canada einblendete, der diese Behauptung als falsch einstuft. Auch BR24 widerlegte diese auch von anderen Accounts gestreute Behauptung (siehe den Eintrag "Das Virus wurde als Kampfstoff im Hochsicherheitslabor in Wuhan entwickelt" weiter unten in diesem Artikel).

    Hinter Klagemauer-TV steckt die Sekte "Organische Christus Generation (OCG)", die der Schweizer Prediger Ivo Sasek führt. Der Web-Sender produziert Inhalte in 43 Sprachen, Studios unterhält er zum Teil auch in bayerischen Städten. Die Seite bezichtigt die "Hauptmedien" einer "konsequenten Unterdrückung von Gegenstimmen". Politiker werden bei der hinter Klagemauer-TV stehenden Sekte OCG in Freundes- und Feindeslisten eingeteilt, wie eine BR-Recherche im Januar zeigte.

    13. März – Desinformation: Verwendung der Risikoanalyse von 2012

    Im Netz wird ein Dokument des Deutschen Bundestags verbreitet: Im "Bericht zur Risikoanalyse zum Bevölkerungsschutz 2012" vom 3. Januar 2013 geht es neben dem Risiko eines Schmelzhochwassers auch um eine Analyse einer möglichen Pandemie durch ein Virus. Dabei wurden sehr hohe Sterblichkeitszahlen genannt. Sie passen aber nicht zur aktuellen Entwicklung um das Coronavirus. Der "Bericht zur Risikoanalyse im Bevölkerungsschutz 2012" war eine Risikoanalyse mit einem Worst-Case-Szenario. Die dort für möglich erachtete Sterblichkeitsrate entspricht nicht der aktuellen Situation um SARS-CoV-2. Beides in Zusammenhang zu setzen, ist Desinformation und Panikmache.

    12. März – Gefährliche Kettenbriefe auf Whatsapp

    Vor allem auf WhatsApp kursieren Kettenbriefe mit Tipps, wie man sich selbst auf das Coronavirus testen und eine Ansteckung vermeiden kann. Die Luft über zehn Sekunden anhalten zu können, ist kein Beweis dafür, sich nicht infiziert zu haben. Alle 15 Minuten zu trinken schützt nicht vor einer Infektion. Die Tipps sind laut Ärzten nicht korrekt. Generell sollte man vorsichtig mit Selbsttests und Verhaltenstipps zum Coronavirus umgehen, die nicht direkt bei einer vertrauenswerten Quelle zu finden sind.

    6. März - Überträgt sich Corona zwischen Mensch und Tier?

    Viele Halter von Haustieren fragen sich, ob das Coronavirus vom Menschen zum Tier übertragen werden kann – und umgekehrt. Bislang gibt es keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass mit dem aktuellen Coronavirus infizierte Menschen das Virus auf ihr Haustier übertragen haben, wie der #Faktenfuchs recherchierte. Auch für den umgekehrten Weg – die Übertragung des SARS-CoV-2 von einem heimischen Haustier auf Menschen – gibt es keine Beweise. Dennoch empfehlen Behörden und Forschungsinstitute Menschen, die in Kontakt mit Haustieren sind, besonders auf Hygiene zu achten.

    Erwiesen ist hingegen, dass das Coronavirus von Tieren auf den Menschen übertragen werden kann. Ungeklärt ist, ob das aktuelle SARS-CoV-2 direkt von Fledermäusen auf Menschen übertragen wurde oder ob es einen weiteren tierischen Zwischenwirt gegeben hat.

    Die Faktenchecker von Correctiv wiederum prüften eine etwas andere Frage: nämlich ob das Coronavirus Hunde und Katzen mehr als Menschen gefährde. Das wurde im Titel eines Artikels behauptet, der am 29. Februar bei der Frankfurter Neuen Presse veröffentlicht wurde. Dafür gibt es laut Correctiv bisher keine Hinweise. Zwar übertragen sich manche Coronaviren auf Haustiere – ob das auch für SARS-CoV-2 gilt, war aber auch laut diesen Faktencheckern Anfang März noch unklar.

    2. März – Falschbehauptung über Grünen-Abgeordnete

    Der Account "AfD Kreisverband Kelheim" behauptete auf einer Bildtafel: "Grüne gibt ernsthaft AfD Schuld an Corona-Pandemie!" Diese Behauptung bezieht sich auf die Grünen-Bundestagsabgeordnete Kordula Schulz-Asche, die während einer Aktuellen Stunde im Februar im Bundestag sagte: "Verschwörungstheorien und Rassismus fördern die Verbreitung von Viren, und zwar nicht nur in China, sondern auch hier bei uns." Sie sagte weiter: "Der WHO-Chef rief dieser Tage zur globalen Solidarität auf. Genau das ist die richtige Antwort zur Vermeidung einer Pandemie, und nicht, meine Damen und Herren von der AfD, Hass und Hetze; die sind genau das Gegenteil von einer vernünftigen Antwort."

    Die Behauptung der AfD verzerrt den Inhalt der Aussage. Schulz-Asche sagt nicht, die AfD sei die Ursache der Pandemie. Sie sagte vielmehr, die AfD habe aus ihrer Sicht die falsche Antwort zur Vermeidung einer Pandemie.

    2. März – Fake News zu Papst und Corona

    Auf einer Nachrichten-Webseite wird behauptet, der Papst und zwei Assistenten hätten sich mit Corona infiziert. Angeblich habe der Vatikan das offiziell bestätigt. Die Behauptung ist falsch. Die Fake News kursiert derzeit in Sozialen Netzwerken und Messengern. Aber: "Es gibt keine Anzeichen, die uns dazu veranlassen, etwas anderes als eine leichte Erkrankung zu diagnostizieren", sagte ein Vatikan-Sprecher zu Journalisten am Sonntag, den 1. März. Wegen einer Erkältung - so der Papst zuvor selbst - könne er nicht an einer mehrtägigen Klausur mit der römischen Kurie teilnehmen. Bei seiner Ansprache auf dem Petersplatz hatte der Papst mehrere Hustenanfälle. Außerdem auffällig: Die Webseite, auf der der Fake-News-Artikel erschien, ging erst vor fünf Tagen online und ist derzeit nicht erreichbar. Das könnte daraufhin deuten, dass sie eigens für die Verbreitung von Fake News erstellt wurde.

    19. Februar - Vitamine gegen das Coronavirus?

    In den Kommentarspalten von BR24, auf Youtube und Twitter teilen Nutzer Links zu Videos, in denen vor allem zwei Behauptungen auftauchen:

    1. Ein Vitamin-D-Mangel mache Menschen anfälliger für das neuartige Coronavirus, die Ausbreitung von Corona könne daher mit der Gabe von Vitamin D bekämpft werden.

    2. Vitamin C könne helfen, Corona zu heilen.

    Barbara Schmidt, Professorin am Institut für Mikrobiologie und Hygiene in Regensburg, sagt dazu auf Anfrage von BR24: "Beides ist völlig absurd." Richtig sei zwar, dass viele Menschen in West- und Mitteleuropa einen Vitamin-D-Mangel hätten. Ein Vitamin-C-Mangel sei dagegen in West- und Mitteleuropa sehr ungewöhnlich. Dass ein Vitamin-Mangel Ursache einer Erkrankung mit dem neuen Coronavirus sei, lasse sich aber nicht nachweisen. Auch dafür, dass sich diese Virusinfektion mit Vitamin C oder D behandeln lasse, gebe es bisher keine Belege.

    Das Robert Koch Institut empfiehlt stattdessen auf seiner Webseite die folgenden Maßnahmen zum Schutz vor Infektionen:

    "Wie bei Influenza und anderen akuten Atemwegsinfektionen schützen Husten- und Nies-Etikette, gute Händehygiene sowie Abstand zu Erkrankten (ca. 1 bis 2 Meter) auch vor einer Übertragung des neuen Coronavirus. Diese Maßnahmen sind in Anbetracht der Grippewelle aber überall und jederzeit angeraten."

    Die Weltgesundheitsorganisation sammelt auf ihrer Webseite Mythen rund um Corona-Therapie. Wieder das ernüchternde Fazit: Weder Knoblauch noch Alkoholsprays oder UV-Desinfektions-Lampen sind geeignete Mittel, um Corona-Viren zu bekämpfen.

    18. Februar – Falsche Onetz-Nachricht verbreitet

    Ein unbekannter Urheber hat per Whatsapp im Namen des Portals Onetz von Oberpfalz-Medien eine gezielte Falschmeldung verbreitet. Demnach solle es zwei Corona-Infizierte in Weiden geben.

    Oberpfalz-Medien hat die Meldung auf der Seite onetz.de als Fake zurückgewiesen. Laut dem Artikel hätten der oder die Unbekannten ein Bild "geklaut" und einen Bildautoren dazu erfunden. Ein Klick auf den Link leitete User zunächst nach Zentralafrika, später nach Österreich weiter.

    Chefredakteur Kai Gohlke sagte dem BR, das sei ärgerlich, "weil wir nicht viel dagegen tun können". Juristen prüften gerade, ob das Verbreiten der Falschmeldung im Namen von Oberpfalzmedien strafrechtlich relevant sei. Aber rechnen müsse man mit sowas immer, so Gohlke. So eine Falschmeldung könne jeder Zwölfjährige herstellen. Das Gesundheitsamt Weiden/Neustadt bestätigt, es gebe keine Fälle von Corona-Virus in Weiden und dem Landkreis.

    18. Februar – Gerüchte um Schulschließung in Rosenheim

    Die Astrid-Lindgren Grundschule in Rosenheim hatte zwei Tage lang geschlossen, weil so viele Kinder krank waren. Daraufhin kam im Internet und auf Social Media das Gerücht auf, die Schule habe wegen des Coronavirus geschlossen. Zudem wurden Beziehungen konstruiert zu dem Ort Siegsdorf - dem Ort, in dem eine vom Coronavirus betroffene Familie lebt.

    Das Landratsamt Rosenheim dementierte das Gerücht und sprach von einer Verschwörungstheorie. Es gebe bei keinem einzigen Fall den Nachweis oder den Verdacht auf den Coronavirus und auch keine Beziehungen nach Siegsdorf, betonte Pressesprecher Michael Fischer. Die Kinder seien entweder stark erkältet oder vom Magen-Darm-Virus geplagt gewesen.

    Ende Januar: Ein Video mit Verschwörungstheorien

    Ein User namens "Odysseus" lud im Januar auf Youtube ein Video zum neuartigen Coronavirus hoch - es verbreitete sich hunderttausendfach über Youtube und Whatsapp. Der Hauptvorwurf darin: Medien und Regierung würden wichtige Informationen zum Coronavirus zurückhalten, die "Coronavirus-Pandemie" sei weitaus schlimmer als berichtet.

    Das Video war für viele Nutzer auch deshalb schwer als Desinformation zu erkennen, weil einige richtige mit vielen falschen Informationen vermischt wurden. Das Video ist inzwischen gelöscht (Stand 19.02.2020), Behauptungen daraus halten sich allerdings hartnäckig.

    © Youtube

    Screenshot aus dem Video mit Verschwörungstheorien

    Richtig ist, dass es bisher keine spezifische Therapie für den neuartigen Coronavirus gibt. Auch eine Schutzimpfung gibt es bisher nicht; allerdings gibt es Fortschritte bei Impfstoffen gegen MERS-Coronaviren, die momentan in klinischen Studien erprobt werden, aber noch nicht zur Anwendung zur Verfügung stehen. Die meisten Patienten in Deutschland können allerdings auch ohne spezifisches Medikament gut behandelt werde – denn sie weisen bisher nur normale Erkältungssymptome auf.

    Als teilweise richtig hat sich inzwischen die Behauptung des Erstellers erwiesen, dass das neuartige Coronavirus schlimmer ist als SARS. Durch die Atemwegserkrankung SARS sind 2002/2003 in Festlandchina und Hongkong fast 650 Menschen gestorben, weltweit 774. Durch das neuartige Corona-Virus sind weltweit schon mehr als 2000 Menschen verstorben (Stand: 19.02.2020), der weitaus größte Teil davon in China. Aktuelle Fallzahlen der Weltgesundheitsorganisation finden sich hier.

    Auch die Inkubationszeit ist bei SARS-CoV-2 mit bis zu 14 Tagen (Robert Koch Institut) länger als bei SARS (zwei bis 10 Tage). Allerdings scheint die Mortalitätsrate – also der Anteil der Infizierten, der verstirbt – beim neuartigen Coronavirus geringer zu sein als bei SARS. Einer aktuellen Studie des Chinesischen Zentrums für Krankheitsvorsorge- und kontrolle zufolge liegt er bei etwa zwei Prozent, bei SARS ging man von etwa 11 Prozent aus.

    Nicht verifizierbar oder falsch sind hingegen einige der weiteren Behauptungen, die in dem Video verbreitet werden:

    1. Kein "juckender Hautausschlag mit roten Punkten, in der Mitte mit schwarzem Punkt, der sich verhärtet und stark juckt": Hartmut Hengel, Virologie-Professor am Universitätsklinikum Freiburg und Präsident der Gesellschaft für Virologie, bewertet diese Aussage als falsch. "Meiner Kenntnis hatten Patienten weder bei SARS noch beim neuartigen Coronavirus einen Hautauschlag, geschweige denn so einen spezifischen", sagt der Virologe.

    Das Robert Koch Institut listet folgende Symptome auf: "Husten, Schnupfen, Halskratzen und Fieber (…), einige Betroffene leiden auch an Durchfall. Bei einem Teil der Patienten scheint das Virus mit einem schwereren Verlauf einherzugehen und zu Atemproblemen und Lungenentzündung zu führen."

    2. Fallen die Menschen in China einfach auf der Straße um? Das wird in dem Video behauptet und mit eingebetteten Videoschnipseln, die angeblich aus Wuhan stammen, "belegt". Quellen werden nicht genannt. Faktenchecker von Correctiv, einem renommierten deutschen Recherchezentrum, haben versucht die eingebetteten Videos zu überprüfen, konnten aber nicht verifizieren, ob sie tatsächlich aus Wuhan stammen.

    Auch ob die gezeigten Bilder wirklich mit dem Coronavirus in Zusammenhang stehen, bleibt unklar. Einige der Videos wurden in Boulevardmedien aufgegriffen oder in Blogbeiträgen verlinkt. "Mehr können wir aktuell nicht zu den Videos sagen", so das Fazit von correctiv.

    28.01.2020 – Falschmeldung über Corona-Infektion in Passau

    In der Social-Media-App "Jodel" hat eine Falschmeldung über einen angeblichen Corona-Fall in Passau die Runde gemacht. Wie die Universität Passau in einer Mitteilung schrieb, war in der App ein Screenshot eines gefälschten Artikels der Süddeutschen Zeitung verbreitet worden. Der Screenshot zeigte einen gefälschten Artikel der "Süddeutschen Zeitung" mit der Schlagzeile "Coronavirus in Passau: Verdacht bestätigt sich." Das Titelbild zeigte den Passauer Campus, sodass der Eindruck entstand, dass es einen Coronavirus-Fall an der Uni gegeben hätte. Die Passauer Polizei ermittelte zunächst wegen der Falschmeldung – musste die Ermittlungen schließlich aber einstellen, da keine Straftat vorlag. Die Polizei weist allerdings in einer Pressemitteilung darauf hin, dass aus solchen Falschmeldungen resultierende Polizeieinsätze den Verursachern in Rechnung gestellt werden können.

    Ende Januar – "Das Virus wurde in Laboren entwickelt (und Bill Gates profitiert davon)"

    Im Internet kursiert die Theorie, das neuartige Coronavirus sei in Laboren entwickelt und dann ausgesetzt worden, um Impfungen zu vermarkten. Der "Beweis": Im Internet lassen sich Patente auf Coronaviren finden.

    Tatsächlich existieren Patente auf bestimmte Gensequenzen der Coronaviren. Allerdings sind die Corona eine große Familie von Viren und keines der Patente bezieht sich auf die neue in China aufgetretene Variante 2019-nCoV. Der Virologe Matthew Frieman von der Universität Maryland sagte der Seite factcheck.org, dass eine der Gensequenzen während des SARS-Ausbruchs 2003 isoliert und patentiert worden sei. Ein anderes Patent existiere hingegen für eine mutierte Form des Virus, das Geflügel befällt. Die abgeschwächten Virus-Mutationen würden patentiert, um daraus Impfstoffe herzustellen.

    Eine spezifische Form dieses Gerüchts bringt Bill und Melinda Gates mit dem Corona-Virus in Verbindung. Angeblich wollten auch sie Geld mit einer Impfung verdienen. Die Verbindung: Das amerikanische Forschungs-Institut Pirbright hält ein Patent auf eine Form des Coronavirus; das Institut wurde 2019 unter anderem von der Bill & Melinda Gates-Stiftung gefördert.

    Das Institut hält allerdings nur ein Patent für eine abgeschwächte Form des Coronavirus, das als Impfstoff gegen Bronchitis bei Geflügel eingesetzt werden soll (siehe oben).

    Ende Januar – "Das Virus wurde als Kampfstoff im Hochsicherheitslabor in Wuhan entwickelt"

    Andere Social-Media-User vermuteten, dass das Virus aus dem Hochsicherheitslabor in Wuhan stammen könnte. Dort ist das Nationale Chinesische Labor für Biosicherheit angesiedelt. So kam in der "Washington Times" am 26. Januar ein israelischer Geheimdienstler zu Wort, dessen Ansicht nach sich das Labor wahrscheinlich zumindest in Teilen mit biologischen Waffen befasst habe.

    Das Labor gibt es tatsächlich. Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen dem Labor und dem neuartigen Coronavirus gibt es hingegen nicht. Trevor Bedford, Teil einer internationalen Gruppe von Forschern, die derzeit Genanalysen am Coronavirus durchführen, um seine Verbreitung besser zu verstehen, schloss Mitte Februar mit Sicherheit aus, dass das Virus künstlich im Labor hergestellt worden sei. Die Mutationen des neuen Coronaviruses entsprächen einer natürlichen Evolution.

    Derzeit nehmen Experten des Robert Koch Instituts an, dass der Vorläufer des SARS-CoV-2 von Wildtieren stammt. Als wahrscheinlich gilt, dass sich die ersten Patienten Anfang Dezember auf einem Markt in Wuhan angesteckt haben. Der Markt wurde am 01.01.2020 geschlossen.

    24.01.2020 – "Grundschulen in Starnberg wurden wegen des Virus geschlossen"

    Die Behauptung verbreitet sich auf Twitter. Tatsächlich waren kurzzeitig zwei Grundschulen im Landkreis Starnberg sowie die Mittagsbetreuung in Weßling und der Hort in Hochstadt geschlossen. Mit dem neuartigen Coronavirus habe das allerdings nichts zu tun, sagte ein Sprecher des Staatlichen Schulamtes Starnberg auf BR24-Anfrage. Die Schulen wollten eine Ausbreitung des Influenza-Virus verhindern, weil sich offenbar viele Schüler mit der Grippe angesteckt hatten. Auch der BR hatte darüber berichtet.

    14. April 2020: Wir haben nach Veröffentlichung des Eintrags zum Vergleich Influenza und Corona Angaben zu Prozentzahlen präzisiert, um sie korrekt einzuordnen.

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