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#Faktenfuchs: Keine Schauspieler in Corona-Zentrum | BR24

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Screenshots (Instagram & Twitter): Keine Schauspieler als Corona-Kranke im Krankenhaus.

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    #Faktenfuchs: Keine Schauspieler in Corona-Zentrum

    Ein Video soll belegen, dass Schauspieler eingesetzt werden, um ein Krankenhaus voller Corona-Kranker zu zeigen. Die Behauptung: Die Pandemie werde inszeniert. Doch das ist falsch. Das Video entstand bei einem Test im Krankenhaus. Ein #Faktenfuchs.

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    Von
    • Sammy Khamis
    • Sophie Rohrmeier

    Eine junge Frau liegt in einem Krankenhausbett. Aus ihren Armen ragen Infusionsschläuche. Über eine Nasenbrille (auch "Sauerstoffbrille") wird ihr Sauerstoff zugeführt. Das alles ist in einer Instagram-Story festgehalten. Der Eindruck: Die junge Frau ist Patientin in einem Krankenhaus. Unterlegt sind diese Sequenzen mit drastischer Musik.

    Dieses Video wird aktuell von Corona-Leugnern und Verschwörungsideologen verwendet, um Falschmeldungen und Verschwörungstheorien über die Corona-Pandemie zu verbreiten und Zweifel an der Glaubwürdigkeit von Politik, Wissenschaft und Medien zu säen.

    In dem Video hört man die junge Frau sagen:

    "Wir liegen und simulieren, wie man gut sehen kann. Weil das das neue Corona-Zentrum ist und jetzt ein Testdurchlauf vorgenommen wird. Wir haben bestimmte Aufgaben bekommen. Das ist meine: Informieren Sie einen Mitarbeiter darüber, dass Sie das Gefühl haben, schlechter Luft zu bekommen. Um genau 13.35 Uhr. Wir haben 13.30 Uhr. Ich habe noch fünf Minuten. Das ist meine Bettnummer [zeigt ein Blatt in die Kamera]. Und ich kriege für das Ganze hier Geld." - Instagram-Nutzerin am 10. September

    Instagram-Story von Corona-Kritikern weiterverbreitet

    Die kursierende Story griffen Kritiker der Corona-Maßnahmen und Pandemie-Leugner innerhalb weniger Stunden auf und verbreiteten sie auf diversen anderen Plattformen, darunter Twitter, Facebook, Instagram oder Telegram.

    Sie haben das Video mit Aussagen versehen wie: "gedreht für #MSM [Abkürzung für Mainstream Medien, eine abwertende Bezeichnung für Qualitätsmedien und den öffentlich-rechtlichen Rundfunk] als Nebenverdienst. Drehbuch vorgegeben. Coronakrank Posen & Geld vom Staat".

    Auf Instagram wird spekuliert "Schauspieler werden engagiert, um neues Coronazentrum einzuweihen". In den Kommentaren ist von "false flag" die Rede, also von einer inszenierten Aktion. Diese solle "in den Nachrichten" als eine "2. Welle an den Bürger verkauft" werden. Doch diese Behauptungen sind falsch.

    Statisten bei Klinikübung

    Bei der gefilmten Aktion handelt es sich um einen Testlauf im Berliner Corona-Behandlungszentrum in der Jafféstraße. Das Krankenhaus ist ein sogenanntes Reservekrankenhaus auf dem Gelände der Messe Berlin. Das Krankenhaus wurde im Mai als Notfallkrankenhaus eröffnet und solle "die Versorgung von Corona-Patienten sicherstellen, sobald diese Aufgabe von den insgesamt 50 Notfallkliniken in Berlin nicht mehr erfüllt werden kann", schrieb damals rbb24. (Quelle)

    Aktuell bestehe dafür noch kein Bedarf, sagte eine Sprecherin des Klinik-Betreibers Vivantes im Gespräch mit BR24. Dennoch müsse das medizinische Personal regelmäßig geschult werden, um einen geregelten Ablauf zu gewährleisten. Eine solche Übung fand am Donnerstag, 10. September, in dem Reservekrankenhaus in der Jafféstraße statt.

    Klinikbetreiber: Übung unter "realistischen Bedingungen"

    Für diese Übungen wurden, wie die Sprecherin gegenüber BR24 bestätigt, rund 70 Statistinnen und Statisten benötigt. Diese erhielten eine Aufwandsentschädigung von 50 Euro. Die Sprecherin betonte, dass diese Art der Übung in Krankenhäusern normal sei. In der Regel würde in regulären Kliniken der Ausnahmefall geprobt (beispielsweise die gleichzeitige Versorgung vieler Patienten in der Notaufnahme). Bei einem Reservekrankenhaus gehe es jedoch darum, den Normalfall zu erproben und Abläufe einzuüben. Da das Reservekrankenhaus nicht in Betrieb sei, müsse das medizinische Personal regelmäßig unter realistischen Bedingungen geschult werden.

    Es sind also zu keinem Zeitpunkt Schauspieler eingesetzt worden.

    Die Urheberin des ursprünglichen Videos war für ein Statement bis zur Veröffentlichung dieses Artikels nicht zu erreichen. In dem Original-Video auf ihrem Instagram-Profil macht sie jedoch deutlich, dass es sich um einen "Prank", also um einen Scherz handelte. Sie wäre nicht zur Behandlung im Krankenhaus gewesen, sondern für einen Testlauf. Diese Aussagen wurden falsch interpretiert und zum Teil verändert. So finden sich Videos, in denen das Wort "Prank", also Scherz, herausgeschnitten wurde. In einer späteren Story distanziert sich die junge Frau von der Instrumentalisierung des Videos durch Corona-Relativierer oder Verschwörungsideologen.

    Vorwurf der "Inszenierung" im Laufe der Pandemie wiederholt geäußert

    Seit Beginn der Pandemie behaupten zahlreiche Personen aus dem Kreis der selbsternannten "Querdenker" oder "Corona-Rebellen", dass die Pandemie inszeniert sei. So wurde nach dem Vorfall am Reichstagsgebäude Ende August spekuliert, dass bezahlte Kräfte den "Sturm auf den Reichstag" initiiert hätten, um die Bewegung zu diskreditieren. Für diese Behauptung gibt es ebenso wenig Beweise wie für die Unterstellung, die Krise sei lediglich inszeniert, da in Deutschland Krankenhäuser nicht überfüllt gewesen wären. Diese Falschbehauptung haben wir hier widerlegt. Auch das ZDF und die ARD-Tagesschau gingen darauf ein.

    Fazit:

    Die aktuell kursierenden Aufnahmen einer jungen Frau in einem Berliner Krankenhaus werden aus dem Kontext gerissen. Es handelt sich nicht, wie behauptet wird, um Schauspieler, sondern um Probanden. Es soll nicht eine angebliche zweite Welle inszeniert, sondern der Ernstfall in einem Berliner Reservekrankenhaus geprobt werden.

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    Anmerkung 14. September, 12.30 Uhr: Nach Veröffentlichung des Textes erfuhren wird, dass die Urheberin des Videos von zahlreichen Kritikern der Corona-Maßnahmen angeschrieben und zum Teil belästigt wurde. Sie löschte daraufhin ihren Instagram-Account. Aus diesem Grund haben wir nachträglich ihr Gesicht in den Bildern am Anfang des Artikels unkenntlich gemacht