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Drei Fragen - drei Antworten: Grippevirus contra Coronavirus | BR24

© picture alliance/Bildagentur-online

Wie unterscheiden sich der Grippevirus und der Coronavirus voneinander?

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    Drei Fragen - drei Antworten: Grippevirus contra Coronavirus

    Grippevirus und Coronavirus oder auch SARS-CoV-2: Ob und inwieweit ist der neue Erreger mit dem bekannten Grippevirus vergleichbar? Wie ansteckend ist das neue Virus? Und was ist gefährlicher: Grippe oder Corona? Drei Fragen - drei Antworten!

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    Frage 1: Coronaviren und Grippeviren – sind das ähnliche Erreger?

    Trockener Husten, Schnupfen, Halsschmerzen, Abgeschlagenheit, Gliederschmerzen und Fieber – die Symptome sind bei beiden Erkrankungen ähnlich. Doch während bei einer Grippeerkrankung das Fieber plötzlich und schnell auf über 40 Grad Celsius steigt, verläuft eine Erkrankung mit dem Coronavirus zu Beginn eher langsam und ohne spezifische Symptome wie bei einer Erkältung. Coronaviren und Grippeviren sind ganz unterschiedliche Erreger. Die echte Virusgrippe – nicht zu verwechseln mit einem grippalen Infekt – wird durch das Influenzavirus verursacht.

    Warum soll man sich gegen Grippe impfen lassen?

    Coronaviren bilden eine eigene Virenfamilie, die neben der jetzt auftretenden Krankheit SARS-CoV-2 auch SARS-CoV (Pandemie 2002/2003) und MERS-CoV (2012) verursachen. Das erklärt, warum eine von der STIKO jährlich empfohlene Grippeimpfung nicht gegen das neue Coronavirus schützt. Allerdings wird insbesondere chronisch erkrankten und älteren Personen dazu geraten, sich gegen Grippe und Pneumokokken, die Haupterreger einer bakteriellen Lungenentzündung, impfen zu lassen. So schützt man sich davor, fälschlicherweise in Verdacht zu geraten, das Coronavirus zu haben, obwohl man an der Grippe leidet. Allerdings bietet die Grippeimpfung leider keinen hundertprozentigen Schutz. Doch sie ist immer noch besser als keine Schutzimpfung.

    Frage 2: SARS-CoV-2 und Grippe - wie sehen die Ansteckungswege aus?

    Die Ansteckungswege sind vergleichbar. Sowohl der Erreger von SARS-CoV-2 als auch der Influenza-Erreger breiten sich im gesamten Atemwegstrakt aus. Bislang gingen Ärzte davon aus, dass der Coronavirus hauptsächlich in den tieferen Regionen der Atemwege vorkommt und deshalb zu Atemnot und möglicherweise einer Lungenentzündung führen kann. Doch inzwischen weisen Ärzte den Erreger bei einem Abstrich auch im Rachen nach, sagt der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité. Dabei kann die Virendichte im oberen Rachenraum deutlich höher liegen als bei Grippepatienten.

    Grippe und Corona werden durch Tröpfcheninfektion verbreitet

    Im Gegensatz zum schon länger bekannten SARS vermehren sich die Erreger also nicht nur in der Lunge, sondern auch im Rachen. Das birgt zweierlei Risiken: In der Lunge ist mehr Immungewebe als im Rachen vorhanden und daher lösen Infektionen dort schneller ein Krankheitsgefühl aus. Ist im Rachen bereits eine hohe Viruskonzentration festzustellen, bestehe außerdem das Risiko, dass Infizierte Erkrankungssymptome erst bemerken, wenn sie andere Personen bereits angesteckt haben. Das Virus verbreitet sich vor allem durch Tröpfchen etwa beim Husten und Sprechen. Dies kann direkt von Mensch zu Mensch über die Schleimhäute der Atemwege geschehen oder auch indirekt über Hände, die dann mit Mund- oder Nasenschleimhaut sowie der Augenbindehaut in Kontakt gebracht werden.

    "Die fliegen vielleicht so eineinhalb Meter weit und fallen relativ schnell zu Boden. Es ist das Einatmen einer solchen Wolke, die einen infiziert in den meisten Fällen." Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie an der Charité in Berlin

    Die neuartigen Coronaviren wurden auch in Stuhlproben einiger Betroffener gefunden. Ob das Virus auch über das Verdauungssystem und einige Tage über Oberflächen verbreitet werden kann, ist nach Angaben des Robert Koch-Instituts noch nicht abschließend geklärt.

    Händehygiene und Husten- und Nies-Etikette sind wichtig

    Deswegen lautet die Aufforderung der Mediziner im Fall von Influenza und Corona, sich häufig und gründlich die Hände zu waschen und in die Armbeuge zu niesen und zu husten. Außerdem schützt ein Abstand zu Erkrankten von einem bis zwei Metern auch vor einer Übertragung der Viren. Beim Aufenthalt in öffentlichen Räumen sollte man das Berühren der Nasenschleimhäute und das Reiben der Augen vermeiden, sagt der Greifswalder Hygienefacharzt Günter Kampf. "Das Virus will in die Atemwege."

    Zu erwartender Rückgang der Erkrankungen im Sommer

    Die Grippe und andere Erkältungskrankheiten haben im Winter Hauptsaison. Auch bei Sars-CoV-2 gibt es die Hoffnung, dass die Epidemie in den wärmeren Monaten abflaut. Helfende Effekte sind Christian Drosten zufolge "die Wärme im Sommer, UV-Strahlen und die Tatsache, dass Leute vermehrt draußen sind und sich weniger aneinander infizieren können". Im Herbst, wenn die Tage wieder kürzer werden und es weniger Sonnenlicht gebe, müsse man sich aber in Europa darauf einstellen, dass diese Effekte wegfallen und die Zahl der Erkrankungen wieder ansteige.

    Frage 3: Was ist gefährlicher: Grippe oder Corona?

    Das ist wohl die Frage, die am häufigsten gestellt wird, aber auch am schwierigsten zu beantworten ist. Wie gefährlich eine Viruserkrankung ist, wird anhand ihrer Sterblichkeitsrate erklärt. Damit ist die Rate der Todesfälle unter allen Virusinfizierten gemeint, beziehungsweise wie viele aller mit einem bestimmten Virus infizierten Personen letztlich versterben. Bei den jährlichen Influenzawellen schätzt man eine Sterberate von 1 bis 2 Verstorbenen auf 1.000 Infizierte, also 0,1 bis 0,2 Prozent. Ulrike Protzer vom Institut für Virologie der Technischen Universität München setzt bei der Grippe sogar eine Sterblichkeit an von geschätzten 0,5 Prozent bis fünf bis acht Prozent – je nach Grippesaison.

    Allerdings muss man bei dem Vergleich der Sterberaten vorsichtig sein. Denn die Zahlen werden unterschiedlich erhoben. Bei der Grippe wird eine sogenannte Übersterblichkeit erhoben. Das heißt, die Wissenschaftler schauen, wie viel Menschen mehr sterben, wenn die Grippesaison läuft, als in den restlichen Monaten des Jahres. Im Fall von SARS-CoV-2 schauen sie aber die Sterblichkeit bei gesicherten Infektionsfällen an. Die Zahlen sind also nicht einfach zu vergleichen. Aber nach Ansicht von Ulrike Protzer seien sie so ähnlich wie bei einer durchschnittlichen Grippesaison.

    Corona-Sterblichkeitsrate in China scheint höher

    Eine Auswertung in China hatte kürzlich ergeben, dass im Land etwa 2,3 Prozent der mit Sars-CoV-2 Infizierten sterben. Experten gehen aber davon aus, dass dieser Schätzwert zu hoch liegt, weil viele milde Infektionen nicht mit in die Statistik eingeflossen sind. Bruce Aylward, ein Vertreter der Weltgesundheitsorganisation WHO, nannte eine mögliche Sterblichkeitsrate in Chinas Regionen ohne das Epizentrum Hubei von 0,7 Prozent, das wären 7 Verstorbene pro 1.000 Infizierte.

    Viele milde Krankheitsverläufe in Deutschland

    Inwieweit diese Rate auch für europäische Länder gelten wird, kann derzeit niemand abschließend beantworten. SARS-CoV-2 kann bei älteren Personen mit chronischen Vorerkrankungen zu schweren Verläufen führen. Zudem scheint die Krankheit für Männer gefährlicher zu sein als für Frauen. Laut Angaben des Charité-Virologen Christian Drosten sprechen die Daten insgesamt dafür, dass Kinder deutlich seltener ernsthaft erkranken als Erwachsene, und auch dafür, dass Schwangere nicht besonders gefährdet sind.

    "Wir haben viele milde Fälle", sagte Drosten auf einer Pressekonferenz in Berlin. Die Sterblichkeitsrate liege bei 0,3 bis 0,7 Prozent der Fälle. Das bedeutet, dass von 1.000 Infizierten 3 bis 7 sterben. Wahrscheinlich werde die tatsächliche Rate mit einer weiteren Verbreitung des Virus eher noch sinken.

    Ältere Menschen mit Vorerkrankungen sind gefährdet

    Rund 15 von 100 Infizierten erkranken schwer, heißt es vonseiten des Robert Koch-Instituts (RKI). Sie bekommen etwa Atemprobleme oder eine Lungenentzündung und müssten intensiv-medizinisch betreut werden. Betroffen sind zumeist Menschen aus Risikogruppen wie Krebskranke in Chemotherapie, alte Menschen und solche mit Vorerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder auf Diabetes zurückgehenden Organschäden. Todesfälle - etwa durch Atemstillstand, septischen Schock oder Multiorganversagen - sind aber eher selten.

    Weitere Informationen zum Coronavirus finden Sie auch auf folgenden Seiten:

    Robert Koch-Institut: https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/NCOV2019/FAQ_Liste.html

    Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: https://www.infektionsschutz.de/coronavirus-sars-cov-2.html