BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

#Faktenfuchs: Überträgt sich Corona zwischen Mensch und Tier? | BR24

© picture alliance/APA/picturedesk.com

Ein besonders besorgter Tierhalter hat seinem Hund aus Angst vor dem Coronavirus einen Mundschutz angelegt.

4
Per Mail sharen

    #Faktenfuchs: Überträgt sich Corona zwischen Mensch und Tier?

    Viele Halter von Haustieren fragen sich, ob das Coronavirus vom Menschen zum Tier übertragen werden kann – und umgekehrt. Ein #Faktenfuchs zum Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse.

    4
    Per Mail sharen

    Weltweite Schlagzeilen macht seit vergangener Woche ein Hund aus Hongkong, der mehrfach positiv auf das Coronavirus getestet worden ist. Da seine Halterin selbst an dem Virus erkrankt ist, geht die Frage um, ob die Frau das Virus auf ihren Hund übertragen hat. Das wäre die erste bekannte Übertragung des SARS-CoV-2-Virus von Menschen auf ein Haustier.

    Doch schon länger bewegt einige Menschen die Frage, ob das Virus zwischen Tier und Menschen übertragen werden kann. Auf Facebook hat uns beispielsweise eine Leserin geschrieben:

    "Liebes BR24-Team, könnt Ihr mir vielleicht helfen? Es wird ja immer davon gesprochen, dass Tiere eventuell diesen Virus in sich tragen, beziehungsweise Überträger sind. Dazu findet man aber wenig Ausführliches, aber es wird viel nachgefragt. Zum Beispiel: Sind Fledermäuse Überträger oder Schlangen und so weiter. Könntet Ihr diesbezüglich vielleicht auch noch mal einen Bericht herausbringen?" BR24-Facebook-Nutzerin

    Der #Faktenfuchs beantwortet diese Fragen nach dem aktuellen Wissensstand.

    Kann das Coronavirus von Mensch zu Tier übertragen werden?

    Bei der Beurteilung des Falles aus Hongkong ist Vorsicht geboten: Der Hund zeigt keine Krankheitssymptome. "Es ist unklar, ob es sich um eine aktive Infektion oder eine passive Verunreinigung durch die Virusmengen in der Umgebung handelt", schreibt das Friedrich-Löffler-Institut (FLI), das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit in einem FAQ-Dokument zur Rolle von Haus- und Nutztieren beim SARS-CoV-2. Der Hund befindet sich in Quarantäne und wird weiter untersucht.

    Bisher gibt es laut FLI keinen wissenschaftlich belegbaren Hinweis auf eine epidemiologisch relevante Infektion von Haustieren durch infizierte Personen. Dennoch rät das FLI bestätigt infizierten Personen, engen Kontakt zu ihren Haustieren – wie zum Beispiel das Abschlecken des Gesichts durch die Tiere – zu vermeiden.

    💡 Unterschied zwischen SARS-CoV-2 und COVID19

    Was umgangssprachlich als Coronavirus bezeichnet wird, heißt medizinisch SARS-CoV-2-Virus. Wenn durch das Virus eine Lungenkrankheit ausbricht, hat der Betroffene die so genannte "Corona Virus Disease" = COVID-19.

    Kann das Coronavirus von Katzen und Hunden auf den Menschen übertragen werden?

    Zur umgekehrten Richtung – der Übertragung von Haustieren auf den Menschen – sagt das FLI: "Es gibt weiterhin keine Hinweise darauf, dass Hunde oder Katzen ein Infektionsrisiko für den Menschen darstellen oder eine Rolle bei der Verbreitung von SARS-CoV-2 spielen."

    Der Kontakt gesunder Personen zu Haustieren muss nach Ansicht des FLI nicht eingeschränkt werden. Allerdings sei es als allgemeine Vorsichtsmaßnahme immer ratsam, grundlegende Prinzipien der Hygiene zu beachten, wenn man mit Tieren in Kontakt kommt; zum Beispiel sich die Hände gründlich mit Seife zu waschen.

    Albert Osterhaus, Virologe an der Tierärztlichen Hochschule Hannover, hält das Risiko einer SARS-CoV-2-Übertragung vom Haustieren auf den Menschen für sehr gering. Man könne es nicht komplett ausschließen, aber eine Übertragung auf den Menschen sei nicht wahrscheinlich. Es gebe Coronaviren auch bei Hunden und Katzen, dies seien aber andere Erreger als SARS-CoV-2.

    Laut Robert-Koch-Institut wurden Coronaviren, die natürlicherweise auch bei Heim- und Nutztieren vorkommen, erstmals Mitte der 1960er-Jahre identifiziert.

    Kann das Coronavirus von Tieren auf den Menschen übertragen werden?

    Während bei Hunden und Katzen bislang kein wissenschaftlich belegter Fall für den Infektionsweg von Tier zu Mensch bekannt ist, gibt es Fälle, in denen Tiere Menschen mit einem Virus aus der Familie der Coronaviren infiziert haben. Diesen Fall bezeichnet man als Zoonose. 2012 übertrugen einhöckrige Dromedare das so genannte "Middle East Respiratory Syndrome Coronavirus" (MERS-CoV) auf Menschen. Im Mittleren Osten werden Dromedare als Haustiere gehalten.

    Auch das aktuelle SARS-CoV-2 ist ein Beispiel für eine Zoonose. Allerdings ist ungeklärt, ob SARS-CoV-2 direkt von Fledermäusen auf Menschen übertragen wurde oder ein tierischer Zwischenwirt eine Rolle bei der frühen Übertragung auf den Menschen gespielt hat.

    Als Schutzmaßnahme gegen SARS-CoV-2 empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO), auf eine gute Lebensmittelhygiene zu achten, besonders bei rohem Fleisch und Milch, um eine mögliche Infektion zu vermeiden. Die WHO rät davon ab, rohes oder halbgares Fleisch zu verzehren.

    Wer einen Tiermarkt besucht, sollte der WHO zufolge direkten Kontakt mit Tieren und mit Oberflächen vermeiden, mit denen Tiere in Berührung kommen.

    Fazit

    Bislang gibt es keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass mit dem aktuellen Coronavirus infizierte Menschen das Virus auf ihr Haustier übertragen haben. Auch für den umgekehrten Weg – die Übertragung des SARS-CoV-2 von einem heimischen Haustier auf Menschen – gibt es keine Beweise. Dennoch empfehlen Behörden und Forschungsinstitute Menschen, die in Kontakt mit Haustieren sind, besonders auf Hygiene zu achten.

    Erwiesen ist hingegen, dass das Coronavirus von Tieren auf den Menschen übertragen werden kann. Ungeklärt ist, ob das aktuelle SARS-CoV-2 direkt von Fledermäusen auf Menschen übertragen wurde oder ob es einen weiteren tierischen Zwischenwirt gegeben hat.

    💡 Was macht der #Faktenfuchs?

    Der #Faktenfuchs ist das Faktencheck-Format des Bayerischen Rundfunks. Wir gehen Gerüchten auf den Grund - und wir beantworten Fragen. Die Journalistinnen und Journalisten im #Faktenfuchs-Team klären absichtlich verbreitete Falschmeldungen oder sich haltende Gerüchte auf. Die Ideen für unsere Artikel kommen vor allem aus den Social Timelines und Kommentarspalten. So erklärt sich die Vielfalt der Themen beim #Faktenfuchs: Politik, Umwelt, Wirtschaft, Gesellschaft, Landwirtschaft oder Medizin. Wirken Inhalte verdächtig oder tritt der Breaking-News-Fall ein, dann prüfen wir auch Bilder oder Videos auf ihre Echtheit und ihren Faktengehalt. Hier erklären wir das ausführlicher. Warum eigentlich “Faktenfuchs”? Wir arbeiten mit einer Software, dem "factfox". Sie hilft uns, die Fakten im Internet besser zu verbreiten.

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!