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Coronavirus - Die Suche nach neuen SARS-CoV-2-Schnelltests | BR24

© picture alliance/Waltraud Grubitzsch/dpa-Zentralbild/ZB

Coronavirus-Schnelltest in einem Leipziger Labor

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Coronavirus - Die Suche nach neuen SARS-CoV-2-Schnelltests

Coronavirus-Schnelltests liefern innerhalb von fünf Stunden ein zuverlässiges Ergebnis. Wenn ein Labor in der Nähe ist. Wenn nicht, verzögert sich die Auswertung deutlich. Nun suchen Forscher nach neuen Testverfahren.

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Bislang wird in Fachlaboren die sogenannte Polymerase-Kettenreaktion (PCR) zum Nachweis einer Coronavirus-Infektion verwendet. Das Verfahren liefert zuverlässige Testergebnisse innerhalb von bis zu fünf Stunden, beim Versand an diese Labore verstreicht aber zu oft wertvolle Zeit. Zeit, in der Infizierte ohne Diagnose weitere Menschen anstecken können. Vermeiden könnte man das mit Schnelltests, die Ärzten vor Ort Ergebnisse zeigen. Forscher, Labore und verschiedene Hersteller arbeiten an neuen Methoden.

Die Übersichtskarte zu den aktuellen Coronavirusfällen in Bayern finden Sie hier.

Schnellere Tests und Geräte

Momentan werden sowohl neue Schnelltest-Verfahren als auch die Beschleunigung von bewährten Testverfahren getestet. Die Geräte arbeiten zwar genauso wie Geräte in medizinischen Laboren, liefern im Idealfall aber schneller Ergebnisse. Was gerade getestet wird:

  • Kartuschentests: Das sind Geräte mit vollautomatischen Analysesystemen, in die man Kartuschen mit Atemwegsproben hineinstellt. Nach etwa einer Stunde ist das Ergebnis da. Kartuschensysteme arbeiten sehr zuverlässig, sind aber teuer und deshalb wie der PCR-Test nur etwas für Labore.
  • Neue Schnelltests: Sie sollen ähnlich wie Schwangerschaftstest funktionieren und direkt in Arztpraxen durchgeführt werden können, anhand eines Rachenabstrichs. Manche der neuen Tests suchen nach Antigenen der Viren und können zeigen, dass ein Patient akut erkrankt ist. Andere spüren Antikörper auf und weisen nach, dass jemand infiziert war. Das Problem: Antikörper-Test weisen nur eine Reaktion des Immunsystems auf das Virus nach, nicht das Virus selbst. Zudem zeigen sie eine Erkrankung erst nach ein paar Tagen an oder, nachdem eine Infektion durchgemacht wurde. Noch können sie einen PCR-Test nicht ersetzen.
  • Bluttests: Eine Berliner Firma hat einen Schnelltest entwickelt, der Antikörper im Blut nachweisen will. Doch Virologe Hendrik Streeck und sein Team am Universitätsklinikum Bonn stellten fest, dass der Bluttest zwei Drittel der Coronavirus-Erkrankten nicht erkennt.
  • Tests mit Rachen-Abstrich: Virologen erwarten sich viel von solchen Tests. Sie schlagen besonders gut an, wenn ein Patient erste Krankheitsanzeichen zeigt. Christian Drosten, Leiter des Instituts für Virologie an der Charité in Berlin: "Zu dieser Zeit wissen wir inzwischen aus eigener Laborerfahrung, dass Patienten - egal welcher Altersgruppe - sehr viel Virus im Rachen haben, und das macht mich sehr optimistisch, dass diese Tests gut funktionieren werden und gut empfindlich sein werden, um dieses Virus in der Anfangsphase der Krankheit nachzuweisen."

Coronavirus: Alles Wissenswerte finden Sie hier.

Wie bislang auf das Coronavirus getestet wird

Professor Bernd Salzberger, Infektiologe am Uniklinikum Regensburg und Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie (DGI), erklärt, wie der Coronavirus-Schnelltest bislang abläuft: Getestet wird mit der PCR-Methode (Polymerase-Kettenreaktion), die nur Fachlabore durchführen können.

Die Polymerase-Kettenreaktion (PCR)

Mit der Polymerase-Kettenreaktion werden DNA-Stücke kopiert und vervielfacht, um nach speziellen DNA-Stücken zum Beispiel des Coronavirus zu suchen. Das heißt, es steht am Anfang immer ein klarer Suchauftrag, eine eindeutige diagnostische Fragestellung. Dann wird gezielt ein ausgewähltes DNA-Stück in einer speziellen Maschine kopiert, erhitzt, gekühlt und zum Schluss in einem Medium unter Strom gesetzt. Mit der PCR-Methode werden zum Beispiel Erbkrankheiten abgeklärt sowie bestimmte Tumorerkrankungen (Brustkrebs) und Metastasierung. In der Gerichtsmedizin wird sie für Vaterschaftstests und den genetischen Fingerabdruck eingesetzt.

Die Polymerase-Kettenreaktion eignet sich aber auch, um Viren, Bakterien und Parasiten bei Infektionskrankheiten nachzuweisen. Das Verfahren zeigt auch an, wie viele Erreger im Körper sind. Bei Virus-Infektionen nennt man das die "Viruslast". Die Polymerase-Kettenreaktion wurde 1983 vom US-amerikanischen Biochemiker Kary B. Mullis entwickelt. 1993 erhielt Mullis den Chemie-Nobelpreis dafür.

Wie schnell kann man mit einem Testergebnis rechnen?

Salzberger: "Ist die Probe einmal im Labor, ist ein Ergebnis nach wenigen Stunden vorhanden - kritisch sind deshalb eher die Transportzeiten."

Wann und wie werden Proben versandt?

Proben, die mit Verdacht auf eine Coronavirus-Infektion genommen wurden, dürfen zum Versand an ein Labor nicht einfach in den Briefkasten gesteckt werden. Laut Robert Koch-Institut müssen solche klinischen Proben als "Biologischer Stoff, Kategorie B" der UN-Nr. 3373 ausgewiesen sein. Die Verpackung muss aus drei Komponenten bestehen: dem Probengefäß, einem Schutzgefäß und einer kistenförmigen Umverpackung. Das verschlossene Versandstück muss mit der Telefonnummer einer verantwortlichen Person gekennzeichnet sein, per Paketdienst befördert werden und nur nach vorheriger Absprache mit dem untersuchenden Labor.

Welche Proben werden genommen?

Salzberger: "Es gibt verschiedene Proben: einen Nasen-Rachenabstrich, einen Rachenabstrich oder ein Rachenspülwasser."

Das Robert Koch Institut empfiehlt zudem bei begründetem Verdacht, nicht nur Proben aus den oberen Atemwegen zu entnehmen, sondern auch aus den tiefen Atemwegen, also zum Beispiel ausgehustetes Sekret aus Bronchien/Lunge.

Wer wird wann getestet?

Salzberger: "Getestet wird bei Verdacht auf eine Coronavirusinfektion. Ein Verdacht ist aber klar definiert, nicht jeder Schnupfen oder Husten ist verdächtig auf eine SARS-CoV-2-Infektion."

Virologe Streeck: "Schnelltests sollten ausgeweitet werden"

© BR

Audio: Das Corona-Virus ist in Europa angekommen. Derzeit breitet es sich rapide in Italien aus. Professor Hendrik Streeck, Direktor des Instituts für Virologie an der Uni Bonn ordnet die Maßnahmen ein und erklärt, was über SARS-Cov-2 bekannt ist.