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Thrombosen und Lungenembolien häufig Todesursache bei Covid-19 | BR24

© picture alliance / Hans Wiedl/dpa-Zentralbild/ZB

Eine Spritze mit Heparin, einem gerinnungshemmenden Mittel.

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Thrombosen und Lungenembolien häufig Todesursache bei Covid-19

Neue Studien deuten darauf hin, dass Covid-19-Patienten oft Blutgerinnsel entwickeln, die zu tödlichen Lungenembolien führen können. Gerinnungshemmende Medikamente könnten die Überlebenschancen der Patienten verbessern.

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Es ist inzwischen bekannt, dass das Corona-Virus neben der Lunge auch weitere Organe und das Nervensystem angreifen kann. Außerdem sorgt es unter anderem für Entzündungen in den Blutgefäßen. Diese Entzündungen können im Rahmen der Immunreaktion zu Gerinnseln führen, das heißt es entstehen Blutpfropfe, die mit dem Blutstrom wandern und zum Beispiel zu einer Lungenembolie führen können. Dass Thrombosen und Lungenembolien eine größere Rolle bei Corona-Infektionen spielen als bisher bekannt, hat eine Studie in Hamburg gezeigt.

Mehr Obduktionen, mehr Erkenntnisse

Durch mehr Obduktionen versuchen Wissenschaftler, das Virus SARS-CoV-2 noch besser zu verstehen. Die Rechtsmediziner des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) haben in den vergangenen Wochen rund 170 verstorbene Covid-19-Patienten untersucht. Das sind bisher die meisten Obduktionen in einem Bundesland. Die Ergebnisse wurden am 6. Mai 2020 in der amerikanischen Fachzeitschrift "Annals of Internal Medicine" veröffentlicht.

Thrombosen und Lungenembolien

Eine erste Auswertung der Untersuchungen des UKE befasste sich genauer mit 12 der obduzierten Patienten. Das Durchschnittsalter der Verstorbenen lag bei 73, sie hatten alle Vorerkrankungen. Bei sieben von ihnen traten Krankheitsbilder wie Thrombosen und Lungenembolien auf, vier der 12 Patienten starben laut Studie direkt an einer Lungenembolie. Prof. Klaus Püschel, Direktor des Instituts für Rechtsmedizin des UKE, fand auch bei weiteren Obduktionen Hinweise auf Lungenembolien.

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Nicht jeder, der sich mit dem Coronavirus infiziert, zeigt Symptome. Doch in manchen Fällen geht Covid-19 auch weit über eine Atemwegserkrankung hinaus. Das Virus richtet in einigen Fällen gravierende Schäden im Körper an.

Tests auf Embolien noch selten

Bereits am 23. April 2020 erschien eine andere Studie zu Blutgerinnseln bei Covid-19-Patienten. Nils Kucher, Direktor der Klinik für Angiologie am Universitätsspital Zürich, untersuchte mit italienischen Kollegen 388 positiv auf Covid-19 getestete Patienten an einer Universitätsklinik in Mailand. Kumulativ wurden bei 21 Prozent der Patienten Blutgerinnsel nachgewiesen. Computertomographien zum Aufspüren von Lungenembolien werden bisher bei Covid-19-Patienten relativ selten eingesetzt. Bei einem Drittel der Patienten dieser Studie, bei denen Computertomographien zum Einsatz kamen, wurden Lungenembolien festgestellt.

Hilfe durch gerinnungshemmende Mittel?

Diese Erkenntnisse deuten darauf hin, dass gerinnungshemmende Medikamente Covid-19-Patienten helfen könnten, die Krankheit zu überleben. Zu diesem Ergebnis kommt auch eine weitere Studie vom 6. Mai 2020. Wissenschaftler des Hasso Plattner Institute for Digital Health at Mount Sinai und des neuen Mount Sinai COVID Informatics Center der Icahn School of Medicine at Mount Sinai in New York haben herausgefunden, dass Covid-19-Patienten, die mit höheren Dosen Blutverdünnern behandelt worden waren, als zur Vorbeugung üblich, einen besseren Genesungsverlauf zeigten.

Neue Therapiemöglichkeiten

Man kann aufgrund der Erkenntnisse nicht jedem Covid-19-Patienten gerinnungshemmende Medikamente verpassen. Aber diese Studien eröffnen neue Therapiemöglichkeiten.

"Wir haben schon im klinischen Alltag gesehen, dass COVID-19 in ungewöhnlich vielen Krankheitsfällen zu Thrombosen sowie Lungenembolien bei den Patientinnen und Patienten geführt hat. Die Bestätigung haben jetzt Sektionen der Verstorbenen geliefert. Diese wichtigen Hinweise werden wir in die Behandlung der Corona-Patienten übertragen und wägen sorgfältig ab, ob wir Patientinnen und Patienten primär mit einem Blutverdünnungsmittel behandeln könnten." Prof. Stefan Kluge, Direktor der Klinik für Intensivmedizin des UKE