Film von Julia von Heinz "Und morgen die ganze Welt" geht für Deutschland ins Rennen um den Oscar

"Und morgen die ganze Welt", der neue Film von Julia von Heinz über eine Jugend in der Antifa, wird für Deutschland ins Rennen um den Oscar für den besten internationalen Film gehen. Ein Porträt der Wahlbayerin.

Von: Markus Aicher/KulturBühne

Stand: 01.09.2020 | Archiv

Filmemacherin Julia von Heinz im Halbprofil vor einer orangefarbenen Wand | Bild: BR

Die gebürtige Berlinerin Julia von Heinz kennt das Filmgeschäft sowohl von der empirischen als auch von der praktischen Seite sehr gut. Nach einem Studium im Fachbereich audiovisuelle Medien in Berlin machte sie 2005 ihr Diplom als Kamerafrau. Und untersuchte gleichzeitig in ihrer Diplomarbeit mit dem Titel "Der verflixte zweite Film" die Realisierungsaussichten von Debütfilmen im Vergleich zum Nachfolgeprojekt.

Nach diversen Kurzfilmen arbeitete das kreative Energiebündel als künstlerische Mitarbeiterin für den Regisseur Rosa von Praunheim an der Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf in Potsdam Babelsberg. Für dessen Inspiration und Unterstützung bedankte sich Julia von Heinz auch mit einem filmischen Beitrag in der TV-Würdigung "Rosa Kinder", der bei den Hofer Filmtagen gezeigt wurde - zusammen mit den Regisseuren Tom Tykwer, Chris Krauss, Axel Ranisch und anderen. Ihr Langfilmdebüt "Was am Ende zählt" lief 2007 auf der Berlinale und erhielt den Deutschen Filmpreis in Gold als bester Jugendfilm.

Wahlbayerin mit Doktortitel

Szene aus dem TV-Film "Katharina Luther"

Den bayerischen Fernsehpreis 2009 erhielt die Wahlbayerin, die mittlerweile am Ammersee wohnt, für ihren klugen und unterhaltsamen Dokumentarfilm "Standesgemäß", der Heirat in deutschen Adelskreisen zum Thema hatte. Große Publikumserfolge feierte die umtriebige Regisseurin, die 2012 mit einer Doktorarbeit über den Einfluss des öffentlich-rechtlichen Fernsehens auf den deutschen Kinofilm promoviert wurde, mit dem Kinderfilm "Hanni und Nanni 2". Es folgten der zu großen Teilen in Israel gedrehte "Hannahs Reise", die Komödie "Ich bin dann mal weg" nach dem gleichnamigen Bestseller von Hape Kerkeling und 2017 der erfolgreiche TV-Film "Katharina Luther". Daneben hat sie auch 2019 den Tatort "Für immer und dich" gedreht.

Was ist erlaubt im Kampf gegen Rechts

Mit dem Antifa-Drama "Und morgen die ganze Welt" ist die dreifache Mutter, die außerdem noch als Gastprofessorin an der HFF München lehrt, zum ersten Mal im Wettbewerb des prestigeträchtigen Festivals an der italienischen Lagune. Das Drehbuch zum Film hat sie übrigens zusammen mit ihrem Lebenspartner John Quester geschrieben, der auch als Koproduzent fungiert. "Der Film speist sich aus eigenen Erlebnissen, obwohl er nicht autobiografisch ist. In der Antifa zu sein – mit allen Widersprüchen, die das mit sich bringt, das war einfach die intensivste Zeit meines Lebens." Der Film thematisiert die Diskussion, was erlaubt ist im Kampf gegen die Rechte. Schon vor den Enthüllungen von rechten Netzwerken in der Polizei und der Bundeswehr fragte sich die Regisseurin: "Was passiert denn, wenn die Menschen das Vertrauen in die Demokratie und das Funktionieren des Staates verlieren?"

Die Hofer Filmtage finden bis zum 25. Oktober statt, einerseits als Präsenzveranstaltung, andererseits kann unter HoF On Demand viele Filme online abgerufen werden.

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UND MORGEN DIE GANZE WELT | Offizieller Trailer deutsch | Ab 29.10. im Kino | Bild: Alamode Film (via YouTube)

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