Diversity-Tag im BR Filmschaffende fordern mehr Vielfalt

Vor und hinter der Kamera die Gesellschaft richtig abbilden - das ist das erklärte Ziel vieler Filmschaffenden. Braucht es dafür feste Diversity-Quoten? Eine BR-Podiumsdiskussion stellte die Frage, wie mehr Vielfalt gelingen könnte.

Von: Christine Memminger

Stand: 12.05.2021

Serie "All You Need" | Bild: dpa-Bildfunk

Grundsätzlich waren sich alle Beteiligten der Diskussion am Diversity-Tag im BR einig: In Film und Fernsehen soll die Gesellschaft in ihrer ganzen Vielfalt abgebildet werden. Die gute Nachricht: Es tut sich bereits was. Die Schlechte: Noch immer sind Frauen, LGBTQI, People of Color und Menschen mit Behinderung in der deutschen Filmlandschaft deutlich unterrepräsentiert.

Hier geht es zum Webtalk über Vielfalt im Film anlässlich des Diversity-Tags

Kritik am "homogen weißen“ deutschen Fernsehen

"Die Struktur im Deutschen Fernsehen ist homogen weiß“, kritisierte Produzent und Schauspieler Tyron Ricketts. „Das gilt vor und hinter der Kamera. Und eine Struktur erzählt sich auch gerne selbst.“ Ricketts produziert mit seiner Firma "Panthertainment“ Inhalte rund um People of Color und war zuletzt maßgeblich an einer Vielfaltsstudie beteiligt. Inzwischen hätten 25 Prozent der Menschen in Deutschland einen "sogenannten Migrationshintergrund“, erklärte Rickets. Das Fernsehen zeichne jedoch ein anderes Bild der Gesellschaft und das sei "ein großes Problem“.

Janine Jackowski, Produzentin und Gründerin der Firma "Komplizen Film“, machte auf einen besonderen Aspekt aufmerksam: In Filmen und Serien für Kinder sei besonders wenig Diversität vorhanden. "Man muss sich dessen bewusst werden, um dann Antworten zu finden, wie man diese Struktur verändern kann“, sagte  Jackowski.

Bewusstseinswandel in den Redaktionen

BR Kulturdirektor Dr. Reinhard Scolik betonte, dass dieser Bewusstseinswandel in den Redaktionen bereits stattfinde. "Wir wissen um die Problematik“, sagte er. "Wir haben sie aber noch nicht in allen Fällen gelöst." Lange gewachsene Strukturen könne man nicht "von heute auf morgen“ verändern, so Scolik. Das gelte vor allem für die Positionen hinter der Kamera. Der BR bemühe sich jedoch aktiv darum, denn: "Je mehr unterschiedliche Menschen zusammenkommen, umso mehr Möglichkeiten haben wir, dass kreativ etwas entsteht."

Die Leiterin des Bereichs Spiel-Film-Serie im BR, Bettina Ricklefs, nannte konkrete Beispiele. So sei es in den letzten Jahren gelungen, den Frauenanteil vor der Kamera in BR-Produktionen wie "Lebenslinien“ oder "KinoKino" auf 50 Prozent anzuheben. Außerdem gebe es unter anderem eine "Diversity-Checkliste“ für alle Produktionen. Diese sei "ein wunderbares Gerüst“, um das eigene Handeln kritisch zu überprüfen.

Diversität sollte für uns alle Normalität sein

"Eine Checkliste reicht nicht“, entgegnete Leila Fatima. Sie studiert an der Hochschule für Fernsehen und Film in München und ist dort Mitglied der BiPOC-Gruppe. Leider sei Diversity in der Ausbildung kaum relevant. Ihrer Meinung nach müsste es feste Quoten geben, um den Anteil diverser Gruppen an Film- und Fernsehproduktionen zu erhöhen. "Wir müssen Pläne machen, wo wir in zehn Jahren sein wollen“, sagte Fatima. "Eine Quote bringt da was.“ Auch Janine Jackowski und Tyron Ricketts setzten sich in der Diskussion für eine Quote ein. "Jeder kann das am besten erzählen, was er selbst kennt“, erklärte Ricketts. Menschen mit entsprechenden Erfahrungen müssten an den entscheidenden Stellen "mit am Tisch sitzen“, um die Qualität zu erhöhen. Er meinte, eine Quote wäre "eine Krücke“, um dies schneller zu erreichen.

Für BR Kulturdirektor Dr. Reinhard Scolik kommt das jedoch nicht in Frage. "Die Frauenförderung funktioniert auch ohne fixe Quoten“, sagte er. Man müsse Menschen aller Gruppen die Chance geben, entsprechende berufliche Erfahrungen zu machen. Jobs sollten jedoch nach Kompetenz statt nach Quote vergeben werden. "Diversität sollte für uns alle Normalität sein“, betonte Scolik.

Veranstaltung im Rahmen des Diversity-Tages

Die Diskussion unter dem Motto "Bunt statt schwarz weiß - Mehr Vielfalt im Film“ fand am 18. Mai im Rahmen des Diversity-Tages der ARD statt. Im Anschluss wurde in einer weiteren Diskussionsrunde über Vielfalt im Personal des BR debattiert. Moderatorin Özlem Sarikaya fasste zusammen: "Diversity ist mehr als nur ein Tag, an dem wir die Vielfalt unserer Gesellschaft feiern“, sagte sie. "Diversity ist eine gesellschaftliche Realität, für die wir als Medienschaffende eine ganz besondere Verantwortung haben.“