Royaler Reading Room Herzogin Camillas Buchclub auf Instagram

Auch Royals langeweilen sich im Lockdown. Camilla, Duchess of Cornwall, versucht es mit einem Buchclub. Retro-analoge Lektüreempfehlungen lässt sie auf Instagram hochladen. Wirklich ein Weg aus der Langeweile? Oder gar ein Ablenksmanöver, um das Volk von anderen Medienerzeugnissen fernzuhalten?

Von: Justina Schreiber

Stand: 14.01.2021 | Archiv

Bücher von Jane Austen gestapelt , daneben eine Tasse Tee | Bild: picture alliance / Zoonar | Katerina Solovyeva

Camilla, ehemals Parker-Bowles, jetzt Duchesse of Cornwall, eröffnet heute auf Instagram einen Lese-Zirkel. My Goodness! Instagram bietet die Möglichkeit, Bildchen und Filmchen hochzuladen. Hier gibt es keinen Live-Chatroom. Von einer lebhaften Diskussion kann also keine Rede sein. Mister Hinz und Misses Kunz werden sich auf andächtiges Lauschen und Betätigen der Kratzfuß- beziehungsweise Daumen-rauf-Funktion beschränken müssen. Dass das Volk abfällige Meinungen zu Camilla und ihren literarischen Statements kundtut, weiß die Web-Administration sicher zu verhindern. Bei aller Liebe zum Buch und zum englischen Königshaus, was ist denn das für eine langweilige Idee? Da hat wohl jemand gerade sehr viel Zeit.

Angstgegner: "The Crown"

Als der Terminkalender noch voll war: Camilla und Charles beim Besuch in Bayern 2019.

Klar, was ihre royale Highness sonst so tut, Kindern über den Kopf streicheln, Hände schütteln und in Menschenmengen baden, ist im Moment verboten. Nach dem ersten Rausch des "Endlich-ganz-viel-Zeit-mit dir-allein-Charles!" wird sich auch für Camilla die Frage gestellt haben: was tun, wenn der Terminkalender für die kommenden Wochen lauter leere Seiten aufweist? Die Arme kann ja in ihrer aktuellen Nichtsnutzigkeit nicht wie normal sterbliche Hausfrauen und -Männer zum Putzeimer greifen. Dabei gäbe es allein im Londoner Palast Fenster genug. Vom Dreck unter den schweren Teppichen ganz zu schweigen. Was also tun? Ach ja, Serien gucken, das wird ja wohl noch erlaubt sein. "The Crown" zum Beispiel. Camilla soll sich die Netflix-Serie über das britische Königshaus tatsächlich genüsslich reinziehen, heißt es. Ganz anders der Rest der angeheirateten Verwandtschaft, der sich mit Grausen vom Bildschirm abwendet, weil hier "schmerzlichste Familien-Ereignisse" ausgeschlachtet und breitgewalzt werden. Etwa Lady Di’s Leid mit ihrer Ehe zu dritt.

Analoge Lektüre statt Digitale Hetze

Camilla auf ihrem instagram account "The Reading Room"

Vor diesem Hintergrund erscheint die Idee, dass sich die mittlerweile fest etablierte Gespielin des Thronfolgers jetzt über Instagram fürs Romanelesen ins Zeug legt, nahezu genial. Hauptsache, die Leute wechseln den Kanal. Neugierig sind sie allemal. Vielleicht gibt Camillas Bücherliste ja dann doch den ein oder anderen versteckten persönlichen Hinweis – nach dem Motto: Was! So viele Krimis und Thriller! Hegt sie vielleicht Mordgedanken oder fürchtet Opfer eines Rache-Komplotts zu werden? Nein, Spaß beiseite. Kein vernünftiger Mensch wird die sorgfältig kuratierte PR-Aktion derartig missverstehen. Vielmehr geht es der Herzogin mit ihrem Reading-Room darum, eine Tätigkeit zu promoten, die im viktorianischen Zeitalter noch für gefährlich galt, zumindest für Frauen. Was wenn sie beim Romane lesen den Realitätssinn verlören und absurde Ideen entwickelten? Heute dagegen kann man sich offenbar nichts Harmloseres vorstellen, als dass ein Mensch eine Zeitlang zwischen zwei Buchdeckeln verschwindet. Die Duchess of Cornwell jedenfalls wirbt dafür, während des Lockdowns Trost im Lesen zu suchen. Wobei sie eben genau nicht den Kram im Internet meint, sondern gedruckte Literatur, im Retro-Stil analog genossen. Insofern geht der Plan auf: Solange man ihren Empfehlungen folgt, müssen Hate-Speech und Hetze die Klappe halten.

Die Glosse ist ein Beitag der kulturWelt auf Bayern 2 vom 15.1. um 8:30 Uhr. Den Podcast zur kulturWelt können Sie hier abonnieren.