Kunst im Club Technoclub Rote Sonne eröffnet Ausstellung

Die Sehnsucht nach Clubs ist groß, und doch kann sie gerade nicht gestillt werden. Die Räume der Nacht sind verwaist. Das Berliner Berghain hat begonnen, Kunst auszustellen, der Münchner Club Rote Sonne auch: ein Experiment.

Von: Ronja Dittrich

Stand: 15.10.2020 | Archiv

Leinwand mit einem gezeichneten Mädchen in einem dunklen Raum | Bild: BR / Elliott Jamal Robbins

Der Weg in die Nacht führt über die Stufen nach unten. Hier, im legendären Münchner Techno-Club Rote Sonne. Wo sich normalerweise Menschen eng aneinander vorbeischlängeln, wo mit jedem Schritt die Bässe lauter werden und das Versprechen der Nacht größer – hier hört man gerade nur den Klang seiner eigenen Schritte. Seit 219 Tagen ist der Club geschlossen, heute macht er zum ersten Mal wieder auf: nicht als Club, sondern als Ausstellungsort. Dorothea Zenker, Vertreterin der Clubbesitzer der Roten Sonne, freut sich nach monatelangem Leerstand sehr darauf, endlich wieder Publikum ins Haus laden zu können: "Man will einfach man wieder was von Bedeutung zeigen."

Amerikanische Popkultur dekonstruiert: Der Künstler Elliott Jamal Robbins

Im dunklen Clubraum sind große Leinwände von der Decke herunter gespannt, auf die Videos des afroamerikanischen Künstlers Elliott Jamal Robbins projiziert werden. Er zeigt darin, wie sehr Rassismus in amerikanischer Popkultur verankert ist – auch in der Disney-Welt, in vermeintlich subtilen Gesten: den weißen Handschuhen von Mickey Mouse zum Beispiel oder dem englischen Wort für Schneewittchen, "Snowwhite". In einem Video wird der Trickfilm mit Zeichnungen schwarzer Körper ergänzt, um die Diskrepanz von Repräsentation sichtbar zu machen.

Besonderer Sog

Die Rote Sonne in München

Die Videos entfalten im dunklen Raum des Clubs einen besonderen Sog, und für die gerade erst neu angeschaffte Soundanlage hat der Künstler eine eigene Tonspur entwickelt. So wird er wiederbelebt: der Klangraum dieses Ortes, an dem sich Menschen normalerweise treffen, um Ektase in der Musik zu finden. Die Idee zur Ausstellung hatte der Kunstliebhaber Joerg Geissler. Als wir ihn treffen, bastelt er gerade live mit dem Künstler in Arizona ("9 Stunden Zeitunterschied!") daran, dass die Videos und Sounds optimal im Raum zur Geltung kommen. Und er plant bereits die nächste Ausstellung für die Rote Sonne: Musiklegende Brian Eno soll demnächst ebenfalls den Raum des Clubs verwandeln.

Den Tag zur Nacht machen

Die Orte der Nacht wiederzubeleben, darum geht es auch Kuratorin Claudia Illi. Sie möchte künftig auch Münchner Künstler*innen die Gelegenheit geben, ihre Arbeiten in der Roten Sonne zu präsentieren. Im Mittelpunkt soll das physische Erleben von Kunst stehen, nach dem sich gerade viele sehnen, die die vergangenen Monate vor Bildschirmen verbracht haben. Einen wirklichen finanziellen Ausgleich zu den verlorenen Einnahmen aus dem regulären Betrieb kann die Ausstellung hingegen kaum leisten, meint Dorothea Zenker, Vertreterin der Clubbesitzer der Roten Sonne. Sie hofft auch für die kommenden Monate auf die dringend benötigten Übergangshilfen der Politik.

Die Ausstellung "NODANCE #1: Elliott Jamal Robbins" ist ab dem 15.10. für drei Wochen geöffnet, immer donnerstags bis samstags, nach Anmeldung auf der Homepage der Roten Sonne.