Hilfe für Live-Branche Joy Denalane zum Charity-Konzert #lauterwerden

Joy Denalane spielt am Wochenende beim dem digitalen Festival #lauterwerden. Zahlreiche Stars wollen damit Spendengelder für Crews & Künstler sammeln und auf die Notlage der Branche aufmerksam machen.

Von: Redaktion BR Kultur/dpa

Stand: 11.12.2020 | Archiv

Joy Denalane | Bild: BR

Der Veranstaltungsbranche ist wie kaum eine andere von den Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie betroffen. Nicht nur die Künsterinnen und Künstler sind betroffen, auch die vielen Menschen, die außerhalb des Rampenlichts beschäftigt sind, können seit März 2020 kaum mehr ihrer Arbeit nachgehen.

Bei dem virtuellen Festival #lauterwerden treten deshalb heute am 12. Dezember ab 15.55 Uhr Stars wie LEA, Peter Maffay, Die Fantastischen Vier, Milky Chance, Adel Tawil und Rea Garvey auf, um gemeinsam auf die Not der Branche aufmerksam zu machen und Spendengelder zu sammeln. Mit dabei: Die Soul-Sängerin Joy Denalane, die vor kurzem mit "Let Yourself Be Loved" als erste Deutsche ein Album auf dem legendären Motown Label veröffentlicht hat. Im Interview mit der dpa sprach sie über die Situation der Live-Branche und wie sie selbst das Jahr erlebt hat.

Stephan Maurer (dpa): Sie treten beim digitalen Festival #lauterwerden auf, das Spenden für die Live-Branche sammelt und Aufmerksamkeit generieren will. Wie ist die Situation der vielen Crew-Helfer hinter der Bühne?

Joy Denalane: Den vielen Menschen hinter den Kulissen geht es natürlich nicht gut. Davon kann man sich ja überall überzeugen. Zum größten Teil sind sie seit Monaten ohne Arbeit und haben aktuell auch keine Perspektive. Natürlich planen alle von ihnen in Richtung Frühjahr 2021, genauso wie ich selbst auch, obwohl noch gar kein wirkliches Ende in Sicht ist. Von daher herrscht auch Ratlosigkeit und Verzweiflung, weil es für all die Helfer*innen und Crews bedeutet, dass sie keine Einnahmen haben. Es ist für mich wirklich unvorstellbar, dass diese Menschen, die hinter der Bühne stehen und Konzerte und Produktionen überhaupt erst möglich machen und damit Kunst und Kultur auf die Bühne bringen, dermaßen sich selbst überlassen werden. Und das, obwohl sie eben das Rückgrat unserer Kultur sind!

Der Lockdown wurde nun weiter bis in den Januar verlängert und wird nach Weihnachten wahrscheinlich weiter verschärft. Was bedeutet das für die Live-Branche? Reichen die Hilfen aus?

Momentan lässt sich noch gar nicht genau absehen, wie die Spätfolgen und Auswirkungen von Corona für die Live-Branche sein werden. Ich persönlich glaube leider, dass es sehr bitter ausgehen wird. Ich kann mir vorstellen, dass viele Veranstaltungsorte und Konzerthäuser diese Krise nicht überstehen werden. Vielleicht bleiben die Locations selbst erhalten, aber die Betreiber*innen dieser nicht – was genauso tragisch wäre. Hier sollte man in Zukunft ganz genau hinschauen, denn, wenn ein Veranstaltungsort selbst überlebt, heißt es nicht auch, dass die Betreiber*innen überlebt haben.

Welche langfristigen Folgen wird Corona für die Branche haben?

Ich vermag natürlich nicht zu sagen, wie sich die Pandemie auf die gesamte Musikbranche auswirken wird. Ich kann mir jeweils nur eine Momentaufnahme anschauen und antizipieren, was all das gerade bedeutet. Ich bin der Überzeugung, dass der Leidensdruck so hoch ist bei den Kolleg*innen, dass es die Konsequenz sein muss, sich zu sammeln, gemeinsam zu überdenken, aber eben auch dafür zu kämpfen, dass zum Beispiel die Verwertung von Musik neu gedacht wird. Es muss letztlich Wege geben, auch die Musiker*innen wieder mehr an der Arbeit partizipieren zu lassen, die er/ sie da leistet. Das gilt natürlich nicht nur für die Musiker*innen, sondern auch für all jene, da aktiv dabei mithelfen, eine Karriere voranzutreiben.

Wie erleben Sie selbst aktuell die Corona-Krise und den Lockdown?

Es fällt mir schwer, in wenigen Worten zu erklären, wie sich die Krise und dieser Lockdown anfühlt, weil es einfach eine außerordentliche Zeit ist, in der wir uns alle gemeinsam befinden. Das Gute daran ist, dass diese Krise eine kollektive Erfahrung ist. Sie bringt unglaublich viele Herausforderungen mit sich und zwingt uns praktisch dazu, das Leben mit neuen Denkmechanismen anzugehen – was ich zum Teil auch als positiv empfinde. Auf der anderen Seite ist man oft am Verzweifeln, weil man sich nicht vorstellen kann, wie und vor allem wann es weitergeht und man jetzt noch nicht sagen kann, was noch übrig sein wird, wenn wir über den Berg sind.

Das digitale Festival #lauterwerden kann diesen Samstag, den 12.12.2020 ab 15.55 Uhr gestreamt werden. Die Spendenaktion will damit Gelder für Crews und Künstler sammeln. Mit dabei: Peter Maffay, Joy Denalane, Die Fantastischen Vier, LEA, Rea Garvey, Johannes Oerding, The BossHoss, Milky Chance, Fritz Kalkbrenner, Adel Tawil und Eskimo Callboy.