Herbst-Lesungen Lesen und lesen lassen – 9 Lesungen als Video-Podcast

Die BR KulturBühne präsentiert Lektüretipps für den Herbst und gegen die Monotonie. In einem Video-Podcast lesen Schauspieler*innen aus kürzlich erschienenen Romanen, Bestsellern und nostalgischen Erzählungen.

Stand: 06.11.2020

Herbst-Lesungen – Lektüretipps für den Herbst und gegen die Monotonie | Bild: BR

Keine großen Buchmessen und kaum Lesungen vor Publikum: Schriftsteller*innen haben die vergangen Monate zwar nicht aufgehört Bücher zu schreiben, aber die Verlage haben wenig Möglichkeiten sie zu präsentieren. Und auch Schauspieler*innen brauchen eine Bühne und haben mit stark eingeschränkten Auftritts- und Arbeitsmöglichkeiten zu kämpfen.

Deshalb knüpft der Bayerische Rundfunk an die Initiative "Sommer-Lesungen" an und bietet auf der BR KulturBühne eine große Auswahl an druckfrischer Lektüre als Video-Podcasts. Die Texte werden von Schauspieler*innen, bekannten Sprecher*innen und jungen Bühnentalenten gelesen. Bei der Auswahl der Literatur kooperierte der Bayerische Rundfunk erneut mit dem Team der Literaturplattform zehnSeiten.

Flucht nach vorn, in die Bücherwelten hinein

Bei den "Herbst-Lesungen" bietet wir eine lesens- und hörenswerte Mischung aus Entwicklungsromanen, Coming-Of-Age-Erzählungen, Familienhistorien, Grotesken und Fiktionen. Darunter eine Neuveröffentlichung von Bestsellerautor Joachim Meyerhoff. In Hamster im hinteren Stromgebiet stellt sich der Autor während eines Krankenhausaufenthalts die Frage: Kann das Erzählen von Geschichten zur Rettung des physischen Lebens beitragen? Die Tsantsa-Memoiren von Jan Koneffke sind dagegen ein surrealistischer Bildungsroman mit einem der wohl ungewöhnlichsten Erzähler der deutschen Literatur: einem Schrumpfkopf, dem der renommierte Theater- und Filmschauspieler Alexander Duda seine Stimme leiht.

Die Geschichte einer großen Sehnsucht vor der Kulisse Sibiriens erzählt die vielfach preisgekrönte österreichische Autorin Beatrix Kramlovsky. Gelesen von der Oberammergauer Fernsehschauspielerin und Moderatorin Ursula Maria Burkhart. Lola Randl legt einen der ersten Romane über das Coronavirus und seine Auswirkungen vor. Allerdings nicht dort wo das Leben pulsiert, sondern in der Provinz. Die Krone der Schöpfung zeichnet im Stile eines postmodernen Dorfromans nach, wie eine globale Pandemie auch das Leben in der vermeintlichen Einöde verändert. Und Clemens Berger beschreibt in "Der Präsident" einen Helden, der keiner sein wollte. Jay ist liebender Ehemann und rechtschaffener Polizist in Chicago bis ihn plötzlich der amerikanische Traum ereilt. Er wird zum 40. Präsidenten der USA gewählt, genauer gesagt: zu dessen Doppelgänger. Als solcher vertritt er Ronald Reagan überall dort, wo dieser nicht sein kann: bei Shopping-Mall-Eröffnungen und Burger-Wettessen, auf Partys, bei Fototerminen.

Und wer vertritt uns dort, wo wir gerade nicht sein können? Im Theater, im Kino, im Literaturcafé? Die Herbst-Lesungen sind eine Flucht nach vorn, hinein in Bücherwelten. Zusammen mit einer heißen Tasse Tee und warmen Socken helfen sie vielleicht die momentane Situation etwas erträglicher zu machen:

"Carnival" / "Fanny oder Das weiße Land" / "Der Präsident"

"Carnival" von Philipp Winkler: In seinem gefeierten Debütroman "Hool" hat Philipp Winkler Menschen eine Sprache gegeben, die keine haben. Nun setzt Winkler diese Idee fort. Sein Erzähler beschwört einen Reigen der Träumer und Traurigen, der Unerschütterlichen und Unverstandenen herauf: das Personal eines über das Land ziehenden Wanderjahrmarkts.

"Fanny oder Das weiße Land" von Beatrix Kramlovsky: Seit 1914 sitzt Karl in Kriegsgefangenschaft in Sibirien und kämpft gegen Hunger und Kälte. Er sehnt sich nach der Heimat und wünscht sich nichts mehr als die Rückkehr zu seiner geliebten Fanny. Beatrix Kramlovsky erzählt von vergessenen Kriegsgefangenen, von Künstlern, Schlossern und Träumern, die einzig die Liebe aufrecht hält.

"Der Präsident" von Clemens Berger: Seit 1914 sitzt Karl in Kriegsgefangenschaft in Sibirien und kämpft gegen Hunger und Kälte. Er sehnt sich nach der Heimat und wünscht sich nichts mehr als die Rückkehr zu seiner geliebten Fanny. Beatrix Kramlovsky erzählt von vergessenen Kriegsgefangenen, von Künstlern, Schlossern und Träumern, die einzig die Liebe aufrecht hält.

"Die Unschärfe der Welt" / "Bodensee" / "Die Krone der Schöpfung"

"Die Unschärfe der Welt" von Iris Wolff: Iris Wolff erzählt über vier Generationen hinweg die bewegte Geschichte einer Familie aus dem Banat, deren Bande so eng geknüpft ist, dass sie selbst über Grenzen hinweg nicht zerreißt. Der Roman stand auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis und ist für den Bayerischen Buchpreis nominiert.

"Bodensee" von Dietmar Sous: Anfang der 60er Jahre, eine Kleinfamilie in einer rheinischen Stadt. Dietmar Sous entfaltet ein großes Panorama der Nachkriegs- und Wirtschaftswunderzeit mit all ihrer Verklemmtheit und Grausamkeit, gespickt mit kauzigen Charakteren, Querköpfen und skurrilen, oft unfreiwillig komischen Situationen - und das in lakonischer, pointenreicher und literarisch gekonnter Sprache.

"Die Krone der Schöpfung" von Lola Randl: Lola Randl erzählt hochamüsant, in einer klugen und launigen Mischung aus Chronik und Dorfroman wie eine globale Pandemie auch das Leben in der vermeintlichen Einöde verändert. Und dabei dachten alle, hier seien sie sicher... Ein Abgesang auf die Welt, wie wir sie vor Kurzem noch kannten.

"Die Tsantsa-Memoiren" / "Beinahe Alaska" / "Hamster im hinteren Stromgebiet"

"Die Tsantsa-Memoiren" von Jan Koneffke: Eine grandiose Tour de Force durch zwei Jahrhunderte und zwei Kontinente: Um das Jahr 1780 gelangt ein Schrumpfkopf in den Besitz eines Beamten der spanischen Krone in Caracas. Als Wandschmuck in dessen Schreibstube hängend beobachtet er das Geschehen um sich herum - und bemerkt beiläufig, dass er gerade dabei ist, ein Bewusstsein zu entwickeln. Und: dass er sprechen kann.

"Beinahe Alaska" von Arezu Weitholz: Eine Fotografin, 45, kein Partner, keine Kinder, keine Eltern mehr, geht auf eine Expeditionskreuzfahrt von Grönland nach Alaska. Sie ist froh, dass ihr Beruf es ihr erlaubt, "dauernd nach vorn zu sehen". Doch natürlich melden sich die nicht zu Ende gedachten Gedanken und offenen Fragen... Arezu Weitholz erzählt davon so hintergründig-witzig wie warmherzig-entlarvend.

"Hamster im hinteren Stromgebiet" von Joachim Meyerhoff: Was passiert, wenn man durch einen gesundheitlichen Einbruch aus dem prallen Leben gerissen wird? Kann das Erzählen von Geschichten zur Rettung beitragen? Joachim Meyerhoff schildert seinen Krankenhausaufenthalt mit einer unvergleichlichen Fähigkeit, auch dem größten Drama eine komische Seite abzugewinnen.