Maigret – Die besten Fälle Georges Simenons Kult-Krimis als Podcast

George Simenon war einer der erfolgreichsten Krimiautoren, seine Maigret-Hörspiele echte Straßenfeger. Jetzt gibt es die Klassiker zum ersten Mal als Krimi-Podcast.

Von: Christian Lösch

Stand: 10.03.2021

Mit obligatorischer Pfeife - Maigret-Erfinder Georges Simenon
1957 aufgenommen von Daniel Frasnay / akg-images | Bild: picture-alliance/dpa/ akg-images

Kühl kalkulierte Morde, Verbrechen aus Leidenschaft, rätselhafte Tote, mysteriöse Anschläge und spurlos Verschwundene: Der Belgier Georges Simenon gehört mit seinem Pariser Kommissar „Maigret“ zu den meistgelesenen, meistübersetzten und meistverfilmten Autoren des 20. Jahrhunderts. In Deutschland wurde er erst Mitte der 1950er Jahre – über zwei Jahrzehnte nach dem ersten Fall – durch die Taschenbuchreihe bekannt. Die Hörspiele hatten einen großen Anteil an der wachsenden Popularität. Mit den Fällen des brummigen Pariser Kommissars wehte eine Brise Realismus und einfühlsamer Psychologisierung ins Kriminalhörspiel. Maigret, immer mit Hut und Pfeife, lotet die inneren Beweggründe der Täter aus, die meist aus dem gleichen kleinbürgerlichen Milieu stammen wie er. Und zu Hause wartet Frau Maigret mit dem Essen.

Maigret-Fieber

Spätestens 1965, mit der ersten Maigret-Serie im deutschen Fernsehen – eine Verfilmung der britischen BBC mit Rupert Davies – wurde Maigret zum „Straßenfeger“: TV- und Radio-Krimis wie „Maigret“ oder „Paul Temple“ schafften damals, was heute nur dem totalen Lockdown gelingt: menschenleere Straßen.

Der neue BR Podcast "Maigret" versammelt die Kult-Hörspielreihe mit sechs außergewöhnlichen Fällen von George Simenon. Die Stimmen der Maigret-Hörspiele rufen Erinnerungen an längst vergangene Zeiten wach. Da ist der Big-Band-Jazz des Komponisten Herbert Jarczyk, von dem auch die Titelmelodie zur TV-Serie "Der Kommissar" stammt. Für die Hörspielbearbeitungen war Gert Westphal verantwortlich, wegen seiner herausragenden Rezitationen und Lesungen als "König der Vorleser" bezeichnet.

Die Figur des Maigret spricht Paul Dahlke, der 1954 in der Verfilmung von Erich Kästners "Das fliegende Klassenzimmer" den Lehrer spielte, der seinen Unterricht so eindrücklich gestaltet, dass die Schüler das Gefühl haben, die Welt aus einem Flugzeug zu sehen. Die Volksschauspielerin und Soubrette Traute Rose, die in den 1930er Jahren in Berlin ein eigenes Theater betrieb und als „Nachtigall des Ostens“ bekannt war, lieh ihre Stimme Frau Maigret. In weiteren Rollen zu hören sind Fritz Straßner, der bis Anfang der 1990er Jahre in über 700 Vorstellungen des Münchner Residenztheaters den Brandner Kaspar spielte, Hans Clarin, der der Nachwelt für immer als Pumuckl in Erinnerung bleiben wird und Rolf Boysen, "der brodelnde Gigant" der Münchner Kammerspiele.

Und hier noch ein Tipp für alle Simenon-Fans: "Die Wahrheit über Georges Simenon“ ergründet der ehemalige Verleger Hans Altenhein in einem Radiofeature. Darin ein ausführliches Interview aus dem Jahr 1977.