Kultur-Reportage Vorhang auf – Die Kultur kehrt zurück

Endlich gehen die Vorhänge wieder vor Publikum auf. Aber wie sieht es hinter den Kulissen aus? Gehen die Menschen wie gewohnt ins Theater nach der langen Auszeit? Welche Perspektiven haben kleinere Institutionen, welche existentiellen Folgen hatte der monatelange Lockdown für einzelne Künstler? Und wie sieht unser Kulturleben und die Kulturbranche in Zukunft aus?

Von: Michael Mandlik

Stand: 25.05.2021 | Archiv

Die Kultur kehrt zurück – auch hier am Gärtnerplatz in München.  | Bild: BR

"Das war die größte Freude, dass die Leute, die an den Türen gerüttelt und gesagt haben: 'Wir wollen wieder rein!', dass die auch wirklich kommen", sagt Josef E. Köpplinger, Staatsintendant des Münchner Gärtnerplatztheater. Nach Monaten ist dort mit Tschaikowskys Oper "Eugen Onegin" der Vorhang wieder aufgegangen. Zwar hatten die Mitarbeitenden auch während des Lockdown mit zahlreichen Livestreams den Betrieb am Laufen gehalten, aber dann muss eben doch, von jetzt auf gleich, ein vollständiges Programm auf die Bühne. Plötzlich geht der Vorhang vor Publikum wieder auf ...

Im Kontrast dazu die privat betriebenen Kleinkunstbühnen, vor allem auf dem Land. Monatelanger Lockdown bedeutet hier vor allem existentielle Schwierigkeiten. Und mit der Wieder-Eröffnung zeigt sich, dass oftmals die Räumlichkeiten so klein sind, dass die nach den entsprechenden Hygiene- und Abstandsregelungen meist enge Bestuhlung nun auf ein Minimum reduziert werden müsste. "Das ist absolut unrealistisch, das kannst net machen. Auch wenn ich Abstandsregeln einhalte, dann habe ich unter 20 Leute und das macht keinem Spaß", sagt Sylvester Denk vom Kulturverein Tutuguri, der die gleichnamige Bühne in Attenkirchen bei Freising betreibt. Manche Bühnen stehen wegen der Unwirtschaftlichkeit nun vor dem Aus.

Von Blechbläsern bis zum Buchhandel

Die Reportage "Vorhang auf – Die Kultur kehrt zurück" begleitet Künstlerinnen und Künstler aus verschiedenen Branchen in Bayern. In Episoden erzählt der Film von Erfahrungen des monatelangen Lockdowns und erfasst Stimmen und die Stimmung bei der Rückkehr des Kulturlebens. Wie geht es jungen Musical-Darstellerinnen, die nach erfolgreichem Abschluss ihrer künstlerischen Ausbildung im vergangenen Sommer bereits Zusagen für Engagements in der Tasche hatten und seit dem Lockdown arbeitslos sind? Welche Perspektiven haben sie, wenn jetzt nach einem Jahr bereits die neuen Musical-Absolventinnen auf den Markt drängen?

Die Reportage zeigt Menschen aus ganz unterschiedlichen Bereichen bayerischer Kulturinstitutionen wie das Blasmusik-Ensemble "Wanderblech" in Unterfranken. Hier zeigt sich, wie sehr die besonders in Franken gepflegte Blechbläser-Musikkultur während des Lockdowns gelitten hat. Der Buchhandel, eine andere Station, hat dank vorzeitiger Wiedereröffnung zwar neue Perspektiven, aber es hat sich einiges verändert: Ein Buchhändler und ein Verleger erzählen, was sie falsch gemacht haben bzw. was sie für die Zukunft als wirtschaftlich überlebenswichtig einstufen.