Ein weiblicher Kanon Diese 10 Bücher von Frauen müsst Ihr lesen

Zu wenige weibliche Autorinnen im öffentlichen Bewusstsein? Hier eine knappe und also unvollständige Liste mit Büchern, die locker mit jedem Grass oder Walser mithalten können.

Von: Martin Zeyn

Stand: 21.09.2021

"Lisbeth 1897", Illustration zu Carl Larsson "Das Haus in der Sonne", 1917 | Bild: picture alliance / imageBROKER | Michael Nitzschke

1. Ingeborg Bachmann: "Der Gute Gott von Manhattan"
 
Eine moderne Variante von "Romeo und Julia", die in New York spielt. Die heftige Kernaussage: Liebende müssen sterben. Denn sonst würde das, was sie empfinden, die Ordnung der Welt aus den Angeln heben. 
"Der gute Gott von Manhattan": Ausgezeichnetes Original-Hörspiel

2. Brigitte Reimann: "Franziska Linkerhand"
Ein Buch mit vielen autobiografischen Bezügen. Eine Frau aus bürgerlichen Verhältnissen will am Aufbau des neuen Staates mitwirken. Statt Hurra-Patriotismus viele exakte Beobachtungen vom Scheitern im Kleinen.

3. Joan Didion: "Das Jahr magischen Denkens"
Das wichtigste Buch über Trauer. Vor Didions Augen bricht ihr Mann tot beim Abendessen zusammen – währenddessen liegt ihre Tochter im Koma. Wer einen nahen Angehörigen verloren hat (und das tun wir alle über kurz oder lang), findet Trost in diesem Buch. 

4. Susan Sontag: Essays 
Die US-Vorzeige-Intellektuelle, die für sehr viele Frauen den Weg frei gemacht hat. Die wenigen Seiten ihres Aufsatzes "Über Camp" ersetzen ganze Bibliotheken über Gender und Zwitter. Und "Krankheit als Metapher" zeigt, wie stark unser Körper von Kultur geprägt ist.  

5. Mary Gaitskill: "Der verschwundene Kater" 

Ein Buch über Schmerz. Über den, den wir uns selbst zufügen, und den, den uns andere zufügen. Und wie ein kleiner Kater aus dem Tierheim zum Katalysator wird, endlich über all die Verletzungen sprechen zu können. 

6. Kathrin Röggla: "Wir schlafen nicht"

Ein Buch, das auf Interviews mit Brokern und Beratern basiert. Menschen, die von neoliberalen Floskeln zerrieben werden, weil sie tatsächlich glauben, immer arbeiten zu müssen.  

7. Anne Carson: "Rot" 

Die Antike ist weit weg. Nicht aber bei Carson. Sie macht aus Heldensagen ein homosexuelles Coming-out (hart, fast schroff und anrührend zugleich) – wobei Carsons Sprache gleichermaßen archaisch wie modern wirkt. Viele Texte sind eine Herausforderung, manche Zeilen aber von einer hinreißenden Schlichtheit: "Mutter/Liebe meines Lebens". 

8. Simone de Beauvoir: "Das andere Geschlecht" 

Klassiker. Wer wissen will, wieso es immer noch eine gläserne Decke gibt, die verhindert, dass genauso viele Frauen wie Männer in Machtpositionen sitzen, muss dieses Buch lesen.  

9. Judith Butler: "Ein Körper von Gewicht" 

Ein Augenöffner. Butler macht Frauen zu einem Gegenstand der Philosophie, indem sie Sex von Gender trennt, also das biologische von dem sozialen Geschlecht. "Als Frau wird man nicht geboren, zur Frau wird man gemacht", hatte schon Simone de Beauvoir geschrieben, Butler macht aus diesem fundamentalem Satz einen Hammer, um das phallozentrische Weltbild zu zerstören. 

10. NN

Und Buch Nr. 10 ist das Buch, das eine Frau gerade jetzt schreibt, obwohl Männer ihr lang und breit zu erklären versuchen, wie Frauen so ticken und wie wirklich gute Literatur zu sein habe.