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Digitale Museen Große Kunst jetzt von Zuhause aus

Die Museen sind im Pandemiemodus. Sie bemühen sich im Netz Kontakt zu ihrem Publikum zu halten. Mit Erfolg. Hier drei besonders gelungene Beispiele:

Von: Stefan Mekiska

Stand: 03.04.2020

Blick in den Raum „Kunst und Form“ im Ägyptischen Museum | Bild: Staatliches Museum Ägyptischer Kunst

1. Ägypten in München: Eine Reise in die geheimnisvolle Ferne

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Kunstspaziergang durch das Alte Ägypten | Bild: horncastleverlag (via YouTube)

Kunstspaziergang durch das Alte Ägypten

Von allen bayerischen Museen verfolgt das Staatliche Museum Ägyptischer Kunst in München, kurz SMÄK, eine der eindrucksvollsten Digitalstrategien. Zum Beispiel mit einem Ausstellungsrundgang. Hier betont Museumsleiterin Sylvia Schoske, dass in diesem Museum 5000 Jahre Menschheitsgeschichte nicht nach Epochen oder dem Alter nach präsentiert werden, sondern nach Themen. Sie beginnt mit einer Parade der Schreiberfiguren, der Meister der Hieroglyphen. Texte zur Sammlungsgeschichte rühmen die Rolle des kunstsinnigsten Herrschergeschlechts, das sich denken lässt – der Wittelsbacher. Ohne die hätte es Ägypten in München wohl nie gegeben.

Auch feministische Inhalte

Ein 45-Minuten-TV-Interview mit der Direktorin und ihrem Mann Dietrich Wildung kann auch bei Feministinnen und Feministen Interesse erwecken. Schließlich schildert Schoske ihre Schwierigkeiten als Frau, als sie 1989 Direktorin der Staatlichen Sammlung Ägyptischer Kunst München geworden ist. Eine Frau? Direktorin eines staatlichen Museums?

Nicht nur Museum: Auch Archäologie

Ganz spannend wird es, wenn das Museum sein aktuelles, archäologisches Grabungsvorhaben vorstellt. In Naga (Sudan), irgendwo im Nirgendwo fernab jeder heutigen Zivilisation, werden seit fast 30 Jahren unter Münchner Regie die Reste einer beachtlichen Kultur ausgegraben, die es vor fast 2500 Jahren als "Königreich von Meroe" mit den antiken Ägyptern aufnehmen konnte.

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Naga, Tempel 1200 | Bild: Staatliches Museum Ägyptischer Kunst (via YouTube)

Naga, Tempel 1200

Irgendwann soll daraus vor Ort ein Museum werden, für das Stararchitekt David Chipperfield schon Pläne entwirft.

Archäologie für die Kleinen

Und an die Kinder und Jugendlichen wird auch gedacht: Das Video "Ramses – Sonne Ägyptens" entstand während einer Ferienaktion. YouTube-Video von Staatliches Museum Ägyptischer Kunst: "Ramses - Sonne Ägyptens". In einem putzigen Puppenspiel erklären Kinderstimmen, wie sich 1270 vor Christus "das Leben von Ramses II. … hätte abspielen können". Dazu gibt es für die Jüngeren Malvorlagen im Download-Bereich zum kreativen Weitermachen.

2. Ein hyper-professioneller Digitalauftritt aus Frankfurt

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MAKING VAN GOGH. Geschichte einer deutschen Liebe – Ausstellungsfilm | Bild: Städel Museum (via YouTube)

MAKING VAN GOGH. Geschichte einer deutschen Liebe – Ausstellungsfilm

Das Städel Museum Frankfurt bietet ein ganzes Füllhorn von digitalen Angeboten, die einen, je nach Interesse, auch ganze Wochen beschäftigen könnten.

Amüsante Kunstfahndung

Zur Ausstellung "Making van Gogh", mit über 500 000 Besuchern eine der erfolgreichsten der letzten Jahre in Deutschland, findet sich immer noch der sehr unterhaltsame mehrteilige Podcast Finding van Gogh über die Suche nach dem Vincent-Meisterwerk "Das Bildnis des Dr. Gachet" auf der Seite.

Das Bild hat bis zum Nationalsozialismus dem Städel-Museum Frankfurt gehört. Seit einer spektakulären Auktion in den 90er Jahren, als es nach Japan ging, verliert sich die Spur dieses Gemäldes. Wer besitzt es heute? EIne Spurensuche, die ein großes Vergnügen ist.

Die wichtigsten Künstler und Kunstvermittler kennenlernen

Großartig ist auch die Website mit dem Oral-History-Projekt Café Deutschland/ Im Gespräch mit der ersten Kunstszene der BRD. Das gibt es zwar auch zweibändig als Buchprojekt, aber die Gespräche mit wichtigen Protagonist*innen wie Georg Baselitz, Mary Bauermeister, Bazon Brock, Herzog Franz von Bayern, Karl Otto Götz, Hans Haacke, Ulrike Rosenbach, Katharina Sieverding und vielen anderen lassen sich auch auf der Seite des Städel bequem nachlesen. Ein Stück deutscher Kunstgeschichte.

Stoff für Kunstforscher

Natürlich lässt sich beim Frankfurter Museum auch die digitale Sammlung besichtigen. Zu jedem Bild gibt es eine sehr genaue Abbildung, einen Erklärtext und die Provenienzgeschichte, also wem das Werk früher gehört hat und wie es ins Städel gekommen ist. Ein persönlicher Favorit: "Oberon" von Georg Baselitz, eine unglaubliche Ansammlung von Glatzköpfen.

Und an die Kinder ist mit einem "Tablet Game" gedacht.  In „Imagoras – der Spiele-App“ tummeln sich die Jüngeren in der Kunstgeschichte – und lernen dabei. Das freut bestimmt auch die Eltern.

3. Der Blätterkatalog im Netz - Ein fast gleichwertiger Ersatz

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Blauer Reiter - Das Moment der Abstraktion | Bild: Franz Marc Museum (via YouTube)

Blauer Reiter - Das Moment der Abstraktion

Es gibt auch ganz einfache Lösungen, die das Publikumsinteresse an Museumausstellungen auch während der Corona-Schließtage erhalten können. Ein Beispiel ist das Franz-Marc-Museum im oberbayerischen Kochel am See.

Das Haus für den "Blauen Reiter" würde aktuell eigentlich die Ausstellung Franz Marc. Die Skulpturen zeigen. Als Platzhalter und Appetizer lässt sich jetzt auf der Seite der komplette Katalog mit einfachen Mausklicks durchblättern.

Das ersetzt zwar keinen leibhaftigen Museumsbesuch. Aber wen die Frage "Was, Franz Marc hat auch Tierskulpturen gemacht" bewegt, der oder die kann sich schon jetzt kostenlos davon überzeugen.


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