Odyssee im Kulturweltraum #2 Was das Zukunfts-Design aus 2021 so machen könnte

Corona-Tests mit Bienen, künstliche Kuhmägen, die Biogas produzieren und Schnee mit Vanillegeschmack: Spekulatives Design eröffnet ganz neue Möglichkeiten der Kooperation zwischen Mensch und Natur. Joana Ortmann spekuliert mit.

Von: Joana Ortmann

Stand: 21.12.2020 | Archiv

20. März 2021, Frühlingsanfang. Die Impfstrategie der Bundesregierung ist auf ganzer Linie gescheitert. Das Virus breitet sich unkontrolliert aus, die Politik ist nicht mehr systemrelevant. Ein Künstlerpaar hat die Macht übernommen und Deutschland in eine de-föderalisierte Einheitsrepublik umgewandelt. Es handelt sich um Fiona Raby und Anthony Dunne, zwei Brexit-Flüchtlinge und Pioniere des spekulativen Designs.

Bienen für den Corona-Test

Mit ihnen kommt endlich Bewegung in die Sache. Wir müssen wirklich visionär werden, um diesen Herausforderungen zu begegnen, fordert Anthony Dunne. Seine erste Amtshandlung: der Bee-C-R-Test. Mithilfe von Bienen kann sich nun jeder selbst (fast kostenlos) innerhalb von wenigen Minuten auf Covid-19 testen. Bienen sind bekannt für ihren außerordentlich guten Geruchssinn und lernen in kurzer Zeit Gerüche zum Beispiel von Sprengstoff, aber auch von bestimmten Krankheiten zu identifizieren. Dann braucht man nur noch das Diagnose-Glas der portugiesischen Designerin Susana Soares. Zwei, drei Bienen rein, in die Öffnung atmen – schon stellt die Biene ihre Diagnose und schickt den Menschen in Quarantäne. Für Dunne ist das keine Konkurrenz zur klassischen Medizin, sondern der Beginn eines Umdenkens. Und erst der Auftakt einer großangelegten Anti-Corona-Design-Strategie. 

Küchenkühe zur Energiegewinnung

24. Mai 2021, Pfingstmontag. Der 7-Tage-R-Wert ist kleiner 0 – auch dank Moovel lab, einer Tochter von Daimler-Benz, die ein kleines Pfingstwunder vollbracht hat: eine garantiert virenfreie Taxi-Drohne. Solo-Selbsttransport durch die Lüfte, sicher und erschwinglich für jeden. Was wiederum zur Folge hat, dass sich die Politiker bzw. die spekulativen Designer endlich wieder den anderen Problemen der Welt zuwenden können, zum Beispiel dem Klimawandel. Lokal funktioniert das schon ganz gut: Die Mehrheit der Deutschen ist mittlerweile mit steuerlich subventionierten "Küchenkühen" versorgt, so heißen liebevoll die kuhmagenartigen Glasballons, die aus Bio-Abfällen Methangas produzieren und – etwa beim Kochen – in Energie umwandeln.

Kein Alter mehr – und keine Bundestagswahl

30. Juli 2021, Beginn der Sommerferien in Bayern. Pünktlich zur Bade-Saison stellt die finnische Designerin Emilia Tikka ihre CRISPR-Kur vor, eine Art Gen-Schere für den Alltag. Tikka hat einen stylishen Inhalator entwickelt, der bei täglicher Anwendung den Prozess des körperlichen Alterns umkehrt. Das Thema Risiko-Patienten in Pandemien hat sich damit ein für alle Mal erledigt. Der ewige Traum, dass smarte Dinge alles für uns erledigen, was unangenehm ist – wir sind ihm nun bedeutend näher. Ethische Widersprüche? Zweitrangig. Sagt auch die deutsche Design-Kanzlerin Fiona Raby: Man müsse einfach glücklich sein über das, was die Natur uns so zur Verfügung stelle. Und: Es mag ja egoistisch sein, das Beste zu wollen – "aber wenn du es kannst, warum nicht?"

26. September 2021, Bundestagswahl. Die CDU hat sich umsonst mit der Frage nach dem Kanzlerkandidaten gequält. Die Wahl fällt aus. Die spekulative Design-Koalition regiert Deutschland bomben- und zielsicher durch alle Krisen. Was vom Design zu lernen ist: Je mehr wir über die Zukunft fantasieren, desto besser verstehen wir, wer wir sind und wer wir sein könnten. Und das wiederum ermöglicht uns, voller Vorfreude nach vorne zu schauen.

Schnee, der nach Vanille schmeckt

22. Dezember 2021, heute in genau einem Jahr: Es schneit! Die Flocken sind zart schmelzend wie Eiscreme und schmecken nach Vanille – dank einer Kooperation zwischen Nano-Technik und Future-Design. Ein angenehmer Nebeneffekt der inzwischen gängigen Wolken-Impfung mit Kondensations-Keimen zur Steuerung des Niederschlags. Lassen wir das Jahr im "Personal Augmentation Spa" ausklingen – zu Deutsch etwa: "Selbsterweiterungs-Spa". Ein digitaler Therapie-Raum für erschöpfte Individualisten, eine Mischung aus OP-Saal, Luxus-Shop und Relax-Zone. Corona ist schon wieder mutiert?? Spielt in dieser Welt keine Rolle.

Die kulturWelt, das aktuelle Feuilleton auf Bayern 2, begibt sich in einer kleinen Serie auf eine "Odyssee im Kulturweltraum", übt sich im Futur II - und malt sich jetzt schon mal aus, wie 2021 für die Kultur so gewesen sein wird.