BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Rückblick 2020: Hochkonjunktur für Fakes - und Faktenchecks | BR24

© BR24
Bildrechte: BR24

Rückblick 2020: Hochkonjunktur für Fakes - und Faktenchecks

33
Per Mail sharen

    Rückblick 2020: Hochkonjunktur für Fakes - und Faktenchecks

    Nicht nur das Coronavirus selbst verbreitete sich in diesem Jahr rasant, sondern auch viele Falschmeldungen darüber. Es gab aber auch noch andere Themen, die der #Faktenfuchs richtigstellen musste - ein Rückblick.

    33
    Per Mail sharen
    Von
    • Bernd Oswald

    2020 ist nicht nur das Jahr der Corona-Pandemie, sondern zugleich auch das Jahr der "Infodemie": Das Wort setzt sich zusammen aus den Begriffen "Information" und "Epidemie"; es beschreibt, dass vor allem auch Falschinformationen "viral" gehen können. Und so waren und sind in diesem Jahr jede Menge Falschinformationen in Umlauf und sehr viele davon haben mit dem Coronavirus zu tun. Denn gerade in Krisensituationen verbreiten sich "Fakes" besonders gut; dafür ist die Corona-Pandemie ein anschauliches Beispiel.

    Beim #Faktenfuchs haben wir 2020 mehr als 150 Artikel geschrieben - etwa zwei Drittel davon drehten sich um das Coronavirus und seine Folgen. Trotz all der verschiedenen Aspekte, die wir dazu beleuchtet haben, lassen sich vier Schwerpunkte ausmachen:

    1. Gefährlichkeit des Virus

    Gerade zu Beginn der Pandemie wurde vielfach verbreitet, das neue Coronavirus sei bei weitem nicht so gefährlich, wie die Politik die Leute glauben machen wolle. SARS-CoV-2 sei auch nicht schädlicher als das Grippevirus, wurde und wird immer wieder behauptet. Zu Beginn der Pandemie konnte man das noch nicht eindeutig sagen, weil Corona- und Influenza-Sterberaten unterschiedlich gemessen werden und noch nicht klar war, wie sich die Ausbreitung und die Zahl der Todesfälle des neuen Coronavirus entwickeln würden. Der #Faktenfuchs, der die Gefährlichkeit der beiden Krankheiten verglich, war der am häufigsten angeklickte #Faktenfuchs-Text 2020.

    Inzwischen ist aber klar, dass Covid-19 gefährlicher ist als eine Grippe: weil es lange keine Impfung gab, wegen möglicher langfristiger Schäden, wegen möglicher schwerer Verläufe und vor allem wegen der höheren Sterbezahlen.

    © BR
    Bildrechte: BR

    Rauchen schützt nicht vor einer Infektion mit dem Coronavirus

    Wir vom #Faktenfuchs-Team beschäftigten uns auch mit - oft in Kettenbriefen verbreiteten - Vorschlägen, wie man das Coronavirus vermeintlich bekämpfen kann: etwa mit Zwiebeln, Intervallfasten, Vitaminen oder Rauchen. Hilft natürlich alles nicht, wie wir immer wieder in unserem Corona-Fake-News-Ticker klarstellten.

    Auch der emeritierte Wissenschaftler Sucharit Bhakdi stellte die Gefährlichkeit des Coronavirus in einem langen Brief an Bundeskanzlerin Merkel in Frage. Unsere Einordnung, dass seine Annahmen zur Gefährlichkeit des Virus oft nicht wissenschaftlich belegt sind, war einer der meistgeklickten #Faktenfuchs-Artikel 2020.

    2. Die verschiedenen Arten von Corona-Tests

    Die Corona-Tests waren und sind ein absolutes Dauerbrenner-Thema. So gibt es zum Beispiel Schnelltests, mit denen man angeblich innerhalb von 15 Minuten selbst herausfinden kann, ob man Antikörper gegen das Coronavirus gebildet hat. In diesem #Faktenfuchs legten wir die verschiedenen Gründe dar, warum Experten vor solchen Tests warnen.

    Die Bundesregierung bzw. das Robert-Koch-Institut setzen für den Nachweis des SARS Cov2-Virus auf den PCR-Test, dem wir ausführliche FAQ gewidmet haben.

    Nachdem es ab und zu Probleme mit falsch positiven PCR-Tests gegeben hatte, haben wir uns angeschaut, wie sicher PCR-Tests sind: grundsätzlich sehr sicher.

    Gegen Ende des Jahres häuften sich die Angriffe auf den PCR-Test: Er messe nur, ob jemand das Virus in sich trage, aber nicht, wie ansteckend jemand ist. Das stimmt so nicht, man kann die Ansteckungsgefahr herausfinden, in dem man beim PCR-Test den CT-Wert des Patienten ermittelt. Diese und weitere Fragen zum PCR-Test haben wir im #Faktenfuchs "Was PCR-Tests über Corona-Infektionen aussagen" beantwortet.

    3. Die Corona-Statistiken

    Jeden Tag veröffentlicht das Robert-Koch-Institut die Zahlen, wie viele Menschen in Deutschland mit dem neuen Coronavirus infiziert sind. Wir beantworteten viele Nutzerfragen, wie die Ausbreitung des Virus gemessen wird, speziell zur Reproduktionszahl (R-Wert) und zum 7-Tage-Inzidenz-Wert. Auch die Frage, wie viele Menschen an Covid-19 sterben und wer überhaupt als Corona-Toter gewertet wird, beschäftigte uns.

    4. Maskenpflicht und Maskenarten

    Eine Schutzmaßnahme gegen das Coronavirus ist für jeden Bürger und jede Bürgerin Bestandteil des Alltags geworden: die Maskenpflicht. Auch hier gab es aus dem Lager der Corona-Leugner bzw. Relativierer viel Gegenwind: Masken seien schädlich und könnten krank machen, behaupteten sie. Doch das ist - außer bei Menschen mit schweren Atemwegserkrankungen - nicht so, wie dieser stark geklickte #Faktenfuchs darlegt.

    Für viel Aufregung sorgte eine Falschmeldung, wonach eine Sechsjährige aus der Nähe von Schweinfurt an einer CO2-Vergiftung gestorben sei, weil es den ganzen Schultag eine absolut dichte Maske habe tragen müssen. Dies entpuppte sich sehr schnell als Desinformation - nur ein Beispiel dafür, wie ungefiltert falsche Behauptungen mitunter verbreitet werden.

    © Hochschule München / BR Grafik
    Bildrechte: Hochschule München / BR Grafik

    Die Pilotstudie der Hochschule München zeigt, wie sich die Aerosole bei einer hustenden Person im Raum ausbreiten - trotz Klarsichtmaske.

    Maske ist natürlich nicht gleich Maske (eine gute Übersicht gibt es hier), die Schutzwirkung hängt vom Material und vom Sitz der Maske ab. Klarsichtmasken sind zwar angenehmer zu tragen und verdecken die Gesichtszüge nicht, bieten aber keinen Infektionsschutz, wie eine Pilotstudie der Hochschule München herausgefunden hat. Als Reaktion auf diese #Faktenfuchs-Recherche erkennt das bayerische Gesundheitsministerium nun Klarsichtmasken nicht mehr als zulässige Mund-Nase-Bedeckung an.

    Desinformations-Kampagnen gegen Ministerpräsident Söder

    Auch die bayerische Politik war im Zusammenhang mit dem Coronavirus von Desinformations-Kampagnen betroffen. Aber Bayern hat die Corona-Pandemie nicht schon 2019 geplant, wie manch einer an einer Datumszeile im Haushaltsgesetz zu erkennen meinte. Auch hat Ministerpräsident Markus Söder keine Gefängnisstrafen für Kritiker seiner Corona-Politik gefordert. Und die Firma seiner Frau verdient nicht an der Maskenpflicht.

    Auch wenn 2020 eindeutig vom Coronavirus dominiert war, gab es auch noch andere Themen, auch für uns Faktenchecker. Im US-Wahlkampf gab es gleich reihenweise Fake News, nach der Wahl kursierten Falschmeldungen, wonach Tausende Tote gewählt hätten. Auch dies widerlegten wir in einem #Faktenfuchs.

    Und sonst? Immobilienblase, Lehrer-Arbeitszeit, Maikäfer-Zunahme

    Nicht immer muss der #Faktenfuchs Falschmeldungen entlarven, manchmal liefern wir auch Hintergründe zu viel diskutierten Fragen, etwa, ob es in München eine Immobilienblase gibt, warum Landwirte keine Grundrente bekommen und wie viel Lehrer wirklich arbeiten.

    Und ganz selten gab es in diesem von Corona dominierten Jahr auch für uns vom #Faktenfuchs-Team mal ein "leichteres" Thema: zum Beispiel die Frage, ob es der, die oder das Spezi heißen muss und warum es wieder mehr Maikäfer gibt.

    Fazit und Ausblick

    In Krisenzeiten gibt es immer auch eine Menge Falschmeldungen. Die Corona-Pandemie ist ein gutes Beispiel dafür: Angst und Unsicherheit über die Folgen des Virus haben den Boden für viele falsche, fragwürdige oder irreführende Behauptungen bereitet. Deswegen hatte der #Faktenfuchs alle Hände voll zu tun. Vor allem Fragen rund um die Gefährlichkeit des Virus, die Tests auf das Virus, die Maskenpflicht und die Corona-Statistiken waren Schwerpunkte unserer Tätigkeit.

    Eines steht fest: Die Corona-Pandemie wird uns auch im kommenden Jahr stark beschäftigen, vor allem das Thema Impfung erregt schon jetzt die Gemüter. Die Corona-Regeln werden sicher auch ein Thema im Bundestagswahlkampf sein, der im Sommer und Herbst 2021 ansteht.

    Das #Faktenfuchs-Team wird diese Themen auf mehreren Kanälen als bisher aufbereiten: nicht mehr nur mit Web-Artikeln, sondern auch für Hörfunk und Fernsehen, in Insta-Storys und YouTube-Videos. Um das leisten zu können, wird das #Faktenfuchs-Team personell aufgestockt. Wir freuen uns auf die Aufgaben im neuen Jahr und hoffen auch weiterhin auf Ihre Anregungen und Ihre Resonanz.

    "Darüber spricht Bayern": Der BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!